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Weihnachten mit der Patchwork-Familie – So gelingt’s

| Lesedauer: 3 Minuten
Anika von Greve-Dierfeld
Jutta Speidel: So klappt Weihnachten ohne Streit

Jutta Speidel: So klappt Weihnachten ohne Streit

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Die moderne Form des Zusammenlebens klingt lässig und fröhlich. Doch an Weihnachten brechen Konflikte in der Stieffamilie leicht auf.

Karlsruhe.  Das Schlimmste waren letztens die gemeinsamen Ferien. Die beiden Töchter von Marion Brandt, schon lange auf Konfrontationskurs mit Stiefvater Alfred, wollten im gemeinsamen Urlaub am Gardasee nicht mit Alfred reden. Sie blieben motzig auf ihren Zimmern.

Keinen Bock auf den Mann, der ihnen jahrelang die Geburtstagsgirlanden aufgehängt und die Möbel zusammengebaut hatte. „Ich wollte, dass sie ihn gerne haben“, sagt Brandt. Stattdessen liegen Jahre hinter der zusammengewürfelten Familie, die schwierig bis unerträglich waren. Warum nur?

Trennungsrisiko bei Stieffamilien ist hoch

Nun nahen die Weihnachtsfeiertage, und in vielen sogenannten Stief- oder Patchworkfamilien wird es besonders hoch hergehen. Denn Patchworkkonstellationen bergen ein erhebliches Konfliktpotenzial. „Ich weiß aus Untersuchungen mit kanadischen Daten, dass die Familien ein sehr hohes Trennungsrisiko haben und oft nicht halten“, sagt Valerie Heintz-Martin, die am Deutschen Jugendinstitut (DJI) zu diesem Thema forscht. „Für Deutschland dürfte das nicht viel anders sein.“

Manche Experten sprechen sogar von einem mehr als 50-prozentigen Trennungsrisiko. Auch bei den Brandts war das Scheitern greifbar. Türenknallen, Augenrollen, schmallippiges Abblitzenlassen des Stiefvaters – die Töchter waren schwer genervt.

„Familienform des 21. Jahrhunderts“

Familientherapeuten wie Christiane Watzel können davon ein Lied singen. „Die Paare, die kommen, sind verzweifelt“, sagt sie. „Sie haben sich das alles so toll vorgestellt, und wenn das mit den Kindern schiefläuft, sind das maximale Verletzungen, das tut sehr weh.“ Zwar gibt es laut Bundesfamilienministerium keine zuverlässigen Zahlen. Doch klar ist, dass Stieffamilienkonstellationen „die Familienform des 21. Jahrhunderts“ seien, wie Watzel erklärt.

Die Probleme sind enorm. Wer sich im Netz in den Foren bewegt, in denen Betroffene Dampf ablassen, erschrickt. „Ich komm mit meiner Stieftochter nicht klar“, das sind noch die freundlicheren Worte, die Stiefeltern dort finden. Aber auch Schimpfwörter wie „Teufelskind“, „Störenfried“ oder „Balg“ fallen. Die Kinder kontern gerne mit kränkenden Bemerkungen wie „Du hast mir überhaupt nichts zu sagen“, „Hau ab“, „Dumme Kuh“.

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Schlachtfeld enttäuschter Liebe

„Fettsack“ sei er von seinen Stiefsöhnen genannt worden, erzählt ein Betroffener, der seinen Namen nicht nennen will. Die Stieffamilie sei oft ein Schlachtfeld enttäuschter Liebe, von Demütigung und Ablehnung, sagt Stefanie Frick, die die Beratungsstelle Ambulante Hilfen Esslingen leitet. Sie rät jedem, sich frühzeitig Hilfe zu suchen.

„Die meisten kommen erst, wenn sie ex­trem unter Druck stehen.“ Es sei wichtig für die Stiefeltern und Stiefkinder, „dass sie nicht so tun müssen, als müssten sie sich lieben. Dass man auch mal sagen darf, wie blöd man sich gegenseitig findet. Das nimmt ganz viel Druck.“ Dann könnten Stieffamilien auch gelingen, glaubt sie.

Stiefeltern sollten sich aus Erziehung heraushalten

Die Kinder sind nicht „böse“, darauf legt Christiane Watzel wert. Stiefeltern sollten sich aus der Erziehung heraushalten. Bis nicht mehr jeder Streit eskaliert und jeder seinen Platz in der neuen Familie gefunden hat, dauert es Studien zufolge fünf bis sieben Jahre.

Trotz der vielen Betroffenen ist das Thema immer noch nicht so richtig in der Öffentlichkeit angekommen, und auch an Hilfsangeboten fehlt es aus Sicht etwa von Frick. Yvonne Woloschyn aus Brandenburg, selbst Patchworkmutter, hat im November deshalb im Netz kurzerhand den ihren Angaben zufolge ersten Online-Patchwork-Familienkongress organisiert, Motto: „Vom Drama zur Harmonie“. Die Resonanz war groß, „mit rund 1500 Anmeldungen und einem durchweg positiven Feedback“, erzählt sie.

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