Civey-Umfrage

Silvester: Wo Feuerwerke dieses Jahr verboten sind

Die Silvesternacht naht und damit die Frage, wo Feuerwerkskörper gezündet werden dürfen. In diesen Städten gibt es teilweise Verbote.

Silvester-Feuerwerk: So böllert man richtig

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Berlin.  Die Mehrheit der Deutschen befürwortet ein Verbot von Feuerwerkskörpern zu Silvester in Innenstädten. Wie eine repräsentative Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion ergab, sprachen sich 63,2 Prozent der Befragten dafür aus.

Auffällig ist, dass in diesem Jahr mehr 18- bis 29-Jährige für ein Böllerverbot in bestimmten Lagen sind – rund 64 Prozent. Im Vorjahr standen noch 54 Prozent in dieser Altersgruppe Feuerwerken skeptisch gegenüber.

Am größten war die Abneigung gegen Feuerwerke in der höchsten Altersgruppe: Unter den 65 Jahre alten und älteren Befragten befürworteten 68 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, die Knallerei zu untersagen.

Die Deutsche Umwelthilfe rührt auch in diesem Jahr vor Silvester die Werbetrommel für ein Verbot von privatem Feuerwerk. Man habe die höchsten Feinstaubwerte des Jahres in den Stunden und manchmal Tagen nach Silvester, sagte DUH-Präsident Jürgen Resch am Dienstag im Deutschlandfunk. „Wir haben aber auch das Problem mit tausenden von Verletzungen, mit Hausbränden, Wohnungsbränden.“ Die Umwelthilfe hatte zuvor ein Böllerverbot in mehr als 30 Städten gefordert.

Böllerfreie Zonen soll es in den Innenstädten von München, Stuttgart, Hannover und Köln geben. Auch Berlin weitet seine Böller-Verbotszone aus. Bisher war die Knallerei bereits auf der Partymeile am Brandenburger Tor untersagt. Nun hat die Polizei Böller und Raketen auch vom Alexanderplatz und aus einem Teil von Berlin-Schöneberg verbannt.

München hat ein Feuerwerksverbot in der Altstadt und Fußgängerzone erlassen. Flächendeckende Verbote sind in Deutschland aber bislang kaum geplant, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter 53 Städten und Gemeinden in der vergangenen Woche hervorging. In der Umfrage gaben auch Berlin, Düsseldorf und Braunschweig ein teilweises Verbot umsetzen zu wollen. Lesen Sie hier: Ab wann Feuerwerk verkauft wird – und welche Regeln gelten.

Feuerwerksverbote: Welche Stadt ist böllerfrei?

Stadt Verbot? (Ja, Teils, Nein, noch unklar
Aachen Teils
Amt Föhr-Amrum Ja
Augsburg Teils
Bamberg Teils
Berlin Teils
Brandenburg Nein
Braunschweig Teils
Bremen Teils
Chemnitz Nein
Cottbus Nein
Darmstadt Nein
Dortmund Teils
Dresden Nein
Düsseldorf Teils
Flensburg Nein
Frankfurt/Main Nein
Frankfurt/Oder Noch unklar
Freising Teils
Fürth Teils
Göttingen Teils
Halle Nein
Hamburg Nein
Hannover Teils
Ingolstadt Teils
Kaiserslautern Nein
Karlsruhe Teils
Kassel Nein
Kiel Nein
Köln Teils
Landau Nein
Landshut Teils
Leipzig Nein
Lübeck Nein
Ludwigshafen Nein
Lüneburg Teils
Magdeburg Nein
Mainz Nein
Mannheim Nein
München Teils
Münster Nein
Nürnberg Teils
Offenbach Nein
Oldenburg Nein
Passau Teils
Potsdam Noch unklar
Regensburg Nein
Stuttgart Teils
Sylt Ja
Timmendorfer Strand Teils
Trier Nein
Wiesbaden Teils
Wolfsburg Nein
Würzburg Teils

Europaweit gibt es bereits einige Verbote

Andere europäische Großstädte wie Paris oder London gehen längst mit gutem Beispiel voran. Nicht ohne Grund: Durch die Knallerei an Silvester wird viel Feinstaub freigesetzt – zu viel für die sowieso schon durch die Abgase des Straßenverkehrs gebeutelten Städte.

Laut Bundesumweltamt verballern die Deutschen zum Jahreswechsel zwischen 100 und 150 Millionen Euro – und setzen dabei rund 4500 Tonnen Feinstaub frei. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge.

Anträge gegen Feuerwerk in Köln und München

In Köln beantragte im Vorjahr ein Mann, Silvesterfeuerwerk wegen der hohen Feinstaubbelastung zu verbieten. Auch in München stellten Feuerwerksgegner auf Bürgerversammlungen immer wieder den Antrag, privates Zündeln zu untersagen.

Durchsetzen konnten sie sich in beiden Städten nicht. Das liegt auch daran, dass ein grundsätzliches Verbot nur einer aussprechen kann: der Bund. Indem er sein Sprengstoffgesetz ändert.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) kritisiert die zunehmenden Verbote von Silvesterfeuerwerken in großen Städten. Damit würden die falschen Adressaten getroffen, sagte Verbandsgeschäftsführer Klaus Gotzen vergangenes Jahr „Man trifft nicht nur die, die über das Ziel hinausschießen, sondern auch alle, die friedlich feiern wollen.“

Spielraum für Verbote in Städte gibt es dennoch. Und der wird von einigen Kommunen schon genutzt. Ein Überblick, wo in Deutschland privates Feuerwerk nicht erlaubt ist:

In diesen Städten sind Feuerwerke und Böllerei an Silvester verboten:

• Berlin:

Zum ersten Mal gelten in der Silvesternacht 2019 in Berlin mehrere große Verbotszonen für Feuerwerk. Nach dem Böllerverbot am Brandenburger Tor gibt es nun weitere am Alexanderplatz und rund um die Pallasstraße in Schöneberg. So soll verhindert werden, dass Gruppen junger Männer wie in den vergangenen Jahren Polizisten und Feuerwehrleute mit Böllern und Raketen bewerfen und beschießen.

Insgesamt 140 Polizisten, jeweils eine Hundertschaft, sollen in diesem Jahr in den beiden neuen Verbotszonen kontrollieren, ob sich alle Feiernden an das Verbot halten. Die Polizei kündigte an, Feuerwerkskörper notfalls „mit Zwang“ zu beschlagnahmen. Bußgelder werden allerdings nicht verhängt.

Das Verbot gilt Silvester von 18.00 Uhr bis zum Neujahrsmorgen um 6.00 Uhr für Raketen, Sonnen und Feuerräder, Fontänen, Chinaböller, Feuertöpfe, Feuerwirbel und Bengalfackeln. Erlaubt sind nur Wunderkerzen, Tischfeuerwerke und Knallerbsen. In den entsprechenden Straßen dürfen die Menschen Feuerwerkskörper gar nicht erst dabei haben.

Hannover:

Das Zünden von Raketen und Böllern wurde 2018 erstmals in einem Teil der Innenstadt verboten. Auch das Mitbringen sei schon untersagt, sagte ein Stadtsprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Sollten Feiernde sich nicht an die Regeln halten, würden sofort Platzverweise ausgesprochen. Feuerwerkskörper würden sofort eingezogen und vernichtet. Wunderkerzen, Knallerbsen und ähnliche Produkte seien erlaubt.

Die Stadt reagiert damit auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre, in denen zunehmend Polizisten und Rettungskräfte mit Feuerwerkskörpern beschossen und Böller in Menschenmengen gezündet wurden.

Düsseldorf:

Schon länger verboten ist Silvesterfeuerwerk in der Düsseldorfer Altstadt. Das gilt auch für Raketen und Batterien. Erlaubt sind Wunderkerzen und Bodenfeuerwirbel. Private Gelände seien von dem Verbot jedoch ausgeschlossen.

Dortmund:

In den vergangenen Jahren waren die Gegend um den Hauptbahnhof sowie belebte Plätze in der Innenstadt feuerwerksfreie Zone. Welche Gebiete 2018 betroffen sein werden, will die Stadt zwischen den Feiertagen bekanntgeben.

Göttingen:

Bereits seit 2016 gibt es ein Böller- und Raketenverbot in der Göttinger Innenstadt, vor allem aus Gründen des Brandschutzes innerhalb des Walls. Inzwischen spielen dabei auch Sicherheitsaspekte für Passanten und Rettungskräfte eine größere Rolle, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Verbot gelte auch für ein Gelände am Jonaplatz, an dem zu gefährlichen Situationen gekommen war.

Hier breitet sich der Silvestergroßbrand aus
Hier breitet sich der Silvestergroßbrand aus

Bremen:

Lediglich der Marktplatz ist in Bremen knallfreie Zone, allerdings vor allem zum Schutz des historischen Rathauses. Im Vorjahr wurden zwei Männer in Zusammenhang mit Pyrotechnik erheblich verletzt. Weitere Verbotszonen sind das gesamte Hafengebiet sowie der Flughafen im Umkreis von 1,5 Kilometern.

Lüneburg:

In der Hansestadt soll es wie im Vorjahr wegen Brandgefahr ein Feuerwerksverbot für den Altstadtbereich geben. Dabei zählen neben dem Brandschutz auch Sicherheitsaspekte: In der Altstadt liegen die größeren und attraktiven Plätze wie der Marktplatz. Damit das Verbot eingehalten wird, sollen Mitarbeiter der Stadt und die Polizei am Silvesterabend die geschützten Gebiete kontrollieren.

Überhaupt haben viele Orte mit historischem Stadtkern Verbote erlassen, darunter auch Tübingen, Goslar, Celle und Quedlingburg. Auch auf Nordseeinseln wie Sylt, Föhr und Amrum gibt es Verbote – vor allem um die dort üblichen Häuser mit Reetdach zu schützen.

Braunschweig:

Appelle zur gegenseitigen Rücksichtnahme sollen in Braunschweig zu einem friedlichen Verlauf beitragen. „Für die Sicherheit in der Silvesternacht sind wir alle verantwortlich“, heißt es im Aufruf der Stadt. Dennoch wollen Polizei und Ordnungskräfte an öffentlich stark besuchten Orten wie dem Schlossplatz Präsenz zeigen und auf den richtigen Umgang mit Feuerwerk achten.

Besucher sollen gefährliches oder fahrlässiges Verhalten melden, die Beamten könnten dann auch Platzverweise aussprechen. Unbekannte Böllerwerfer hatten in der vergangenen Silvesternacht zwei Menschen schwer verletzt. Ein 49-Jähriger hatte die Sehkraft auf einem Auge verloren, eine 21 Jahre alte Frau kann auf einem Auge nur noch hell und dunkel erkennen.

In Salzgitter warf im letzten Jahr sogar jemand einen Böller auf einen Kinderwagen – das Baby musste ins Krankenhaus.

Gesetzliche Regel:

Grundsätzlich ist laut Bundessprengstoffgesetz das „Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen“ verboten.

Davon sowie von den örtlichen Einschränkungen abgesehen dürfen Feuerwerkskörper dürfen in Deutschland ab 31. Dezember bis 1. Januar jeweils ganztägig gezündet werden.

Die wichtigsten Tipps für sicheres Silvesterfeuerwerk:

  • Achtung vor ausländischem Feuerwerk: Fachleute warnen vor der hohen Sprengkraft von Feuerwerkskörpern aus dem Ausland. Sogenannte Polenböller enthielten häufig einen sogenannten Blitzknallsatz, der wegen seiner chemischen Zusammensetzung sehr viel stärker reagiere, sagt Pyrotechnik-Experte Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
  • Explodiere so ein Gegenstand in der Hand, drohten schwere Verletzungen wie der Verlust von Fingern. Er appellierte zum Kauf von Feuerwerkskörpern in Deutschland - „in vertrauenswürdigen Läden“ und nicht etwa aus Kofferräumen an Autobahnparkplätzen.
  • Raketen nie aus der Hand abfeuern: Nicht nur die Herkunft der Knaller, auch das falsche Hantieren damit kann den Fachleuten zufolge böse enden. BAM-Expertin Heidrun Fink betont, dass Raketen keinesfalls aus der Hand abgefeuert und Böller nicht geworfen werden dürften.
  • Mindestabstand einhalten: Weil leere Flaschen für den Raketenstart oft zu unstabil seien, stellt sie eine Sektflasche für zusätzlichen Halt noch in eine Getränkekiste. „Nach dem Anzünden direkt in den Mindestabstand begeben!“, appelliert Fink. Dieser betrage bei Raketen, Batterien und Knallkörpern acht Meter. Ein Radius, der an Silvester in Städten selten zu sehen ist.
  • Worauf man bei Kindern achten sollte: Um Verbrennungen an Haut und Händen, Augenverletzungen oder Hörschäden bei Kindern zu vermeiden, sollten Kinder beim Silvesterfeuerwerk nur schwer entflammbare Kleidung aus Baumwolle tragen. Das rät die Aktion „Das sichere Haus“.

Schlecht sind dagegen Kleidungsstücke aus Synthetik-Gemisch sowie Kapuzenjacken oder -pullis, in denen sich Feuerwerkskörper verfangen können. Besser seien eng anliegende Mützen.

Mit Kindern unter sechs Jahren sollten Eltern besser ganz im Haus bleiben und das Spektakel vom geschlossenen Fenster aus beobachten.

Welch große Risiken illegale Böller bergen, zeigt ein Beispiel aus Duisburg. Ein Zehnjähriger zündete dort einen „Polenböller“, woraufhin die Schultoilette explodierte.

Tausende solcher fragwürdigen Böller stellte der Zoll vor kurzem bei Razzien sicher. (cho/les/dpa)

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