Polizeiermittlung

Kripo ermittelt nach Steinwürfen in Bamberger Ankerzentrum

Erst war es nur ein Einsatz wegen Ruhestörung in einer Flüchtlingsunterkunft. Doch dann wurden Polizisten angegriffen und Feuer gelegt.

Einsätzkräfte sind in der Nacht am Ankerzentrum in Bamberg zu sehen.

Einsätzkräfte sind in der Nacht am Ankerzentrum in Bamberg zu sehen.

Foto: Ferdinand Merzbach / dpa

Bamberg.  Flüchtlinge in einem Ankerzentrum im oberfränkischen Bamberg sollen Polizisten brutal angegriffen haben. Nun ermittelt die Kripo offenbar wegen Tötungsabsicht. Den eritreischen Staatsangehörigen wird auch besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.

Die Männer sollen am frühen Dienstagmorgen mit weiteren Bewohnern des Heims Sicherheitsmitarbeiter und Polizisten angegriffen und sich verbarrikadiert haben. Zudem sollen sie in einer Wohnung ein Feuer gelegt haben. Die vier Hauptverdächtigen sollen am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Polizisten in Bamberg sollen mit Pflastersteinen beworfen worden sein

Bei dem Gewaltausbruch wurden elf Menschen verletzt. Ein Polizist musste behandelt werden, weil er nach Angaben der Ermittler von einem Verdächtigen mit einer Metallstange angegriffen wurde. Zehn Bewohner wurden ebenfalls verletzt, darunter die insgesamt neun Tatverdächtigen. Sie erlitten überwiegend Rauchvergiftungen. Bei dem Feuer entstand ein Sachschaden von rund 100.000 Euro.

Auslöser des Einsatzes gegen 0.45 Uhr war nach Polizeiangaben eine Ruhestörung. Die ersten Streifenbeamten seien dann beim Eintreffen mit Pflastersteinen und anderen Gegenständen beworfen worden. Zahlreiche Einsatzkräfte kamen hinzu und umstellten das Gebäude.

Bewohner versuchten zu flüchten

Wegen des Brandes flüchteten die Bewohner. Die Beamten konnten acht Flüchtlinge schnell vorläufig festnehmen. „Einen weiteren, zunächst flüchtigen Tatverdächtigen überwältigten Spezialeinsatzkräfte kurze Zeit später in einem Nachbargebäude“, berichteten die Ermittler.

Im Laufe des Vormittags gab es dann eine Razzia in dem Komplex. Mit Bereitschaftspolizisten durchkämmten Polizisten aus Bamberg die Gebäude, dies wurde als „präventiv-polizeiliche Überprüfungen“ bezeichnet. Bei den Kontrollen seien Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie vermeintliches Diebesgut festgestellt worden.

Transitzentren wurden in sogenannte Ankerzentren umgewandelt

Anfang August waren in Bayern sieben Transitzentren oder Erstaufnahmeeinrichtungen in sogenannte Ankerzentren umgewandelt worden, ein Prestigeprojekt der CSU und von Horst Seehofer. In jedem Regierungsbezirk gibt es nun eine solche Einrichtung. Die zentralen Flüchtlingsheime sollen Asylverfahren von Migranten beschleunigen, die voraussichtlich kein Bleiberecht haben. Die Wohneinrichtung in Bamberg bietet Platz für bis zu 3400 Menschen, momentan wohnen dort nach Angaben der Polizei rund 1250 Asylbewerber.

Auch bei anderen großen Flüchtlingszentren in Bayern kam es in der Vergangenheit immer wieder zu einer größeren Zahl von Straftaten. Insbesondere in nordschwäbischen Donauwörth musste die Polizei mehrfach wegen randalierenden Gruppen von Bewohnern ausrücken.

Zusammenlegung von großen Gruppen begünstigt Konflikte

Kritiker von zentralen Flüchtlingsheimen sagen, dass die Zusammenlegung von großen Gruppen von Asylbewerbern solche Zwischenfälle begünstigen. Der Bayerische Flüchtlingsrat spricht von menschenunwürdigen Bedingungen in Sammeleinrichtungen und fordert die „Schließung der Abschiebelager“. (dpa/aba)