US-Gesetz

Junge (9) erkämpft Recht auf Schneeballschlacht in Colorado

In einem Ort in Colorado waren Schneeballschlachten 97 Jahre lang nicht erlaubt. Ein Neunjähriger ging nun dagegen vor – mit Erfolg.

Für einen US-Schüler ein Kinderrecht: Schneeballwerfen (Symbolbild).

Für einen US-Schüler ein Kinderrecht: Schneeballwerfen (Symbolbild).

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Washington.  Es gehört für Kinder zum Winter, wie der Tannenbaum zu Weihnachten: Schneeballwerfen. Sobald die ersten Flocken fallen, werden sich draußen wilde Schneeballschlachten geliefert – überall in der Welt. Das jedenfalls dachte man.

Doch in der Gemeinde Severance im US-Bundesstaat Colorado, in der es im Winter viel schneit, sah das jahrelang anders aus. Dort herrschte tatsächlich fast hundert Jahre lang ein Schneeball-Wurfverbot.

Gegen das antiquierte Gesetz ging nun ein Grundschüler vor. Der Drittklässler Dane Best (9) hatte auf einem Schulausflug zum Bürgermeister und zum Gemeinderat von dem Verbot erfahren, Schneebälle zu werfen.

Neunjähriger kippt Schneeball-Wurfverbot

Bürgermeister Don McLeod sagte dem Sender CNN: „Die Kinder waren total verblüfft, als sie herausfanden, dass sie die ganze Zeit gegen das Gesetz verstoßen haben.“ Jedes Jahr ermutige er Kinder bei ihrem Besuch, vorhandene Regelungen zu ändern. „Dane war der erste Schüler, der mich beim Wort genommen hat, und ich bin sehr stolz, dass er das getan hat.“

Und so reichte der Neunjährige einfach einen Antrag ein, das Verbot abzuschaffen. Sein Argument: „Jeder in Severance sollte in der Lage sein, eine Schneeballschlacht zu haben, wie überall auf der Welt.“

Dem stimmte der Gemeinderat einstimmig zu, wie Sprecher Kyle Rietkerk am Mittwochabend (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Unterstützt wurde der neunjährige Dane mit Briefen von seiner Lehrerin und seinen Klassenkameraden aus der Range-View-Grundschule. Lehrerin Shannon Fisher schrieb: „Meine Schüler waren schockiert, herauszufinden, dass es illegal ist, in Severance einen Schneeball zu werfen.“

Eine Drittklässlerin argumentierte: „Im Winter würde es Spaß machen, Schneebälle zu werfen.“ Ihr Klassenkamerad Dustin meinte, es sei nicht fair für die Bewohner von Severance, nicht zu wissen, wie es sei, einen Schneeball zu werfen.

Nach der Ratsentscheidung postete die Gemeinde am vergangenen Montag auf ihrer Facebookseite: „Schneeballschlachten sind jetzt legal in Severance! Glückwunsch, Dane!“

Unmittelbar nach der Ratsentscheidung lag allerdings kein Schnee. Trotzdem konnte Dane bereits den ersten „legalen“ Wurf machen – mit einem Schneeball aus dem Eisschrank.

Noch mehr sonderbare Verbote

Was der Ursprung des Verbots gewesen sei, sei unklar, sagte Gemeindesprecher Rietkerk. „Wir haben wirklich keine Ahnung.“ Bekannt sei, dass es seine Wurzeln in einer Regelung aus dem Jahr 1921 habe, wonach keine Wurfgeschosse geworfen werden dürften.

Die bisher geltende Gemeindeverordnung untersagt, „Steine oder jegliche anderen Wurfgeschosse“ auf Menschen, Tiere, Gebäude, Bäume, Fahrzeuge oder anderen öffentlichen oder privaten Besitz zu werfen. Es sei aber auch nicht überliefert, dass Schneeballwürfe jemals tatsächlich geahndet worden seien.

Doch das ehemalige Schneeball-Wurfverbot ist anscheinend nicht das einzige sonderbare Gesetz in dem Ort. So seien der Besitz oder Betrieb von Billardtischen, Dartboards oder Bowlingbahnen im Jahr 1921 nur gegen eine Gebühr von 1000 Dollar erlaubt gewesen – damals horrend viel Geld.

Der lokale Sender CBS4 berichtete unter Berufung auf Danes Eltern, der Junge könne als nächstes womöglich eine weitere Regelung in Severance anfechten: Derzeit dürfe jeder Haushalt in der Gemeinde nur drei Haustiere halten, und als Haustiere würden nur Hunde und Katzen gelten. Dane habe dagegen ein – derzeit noch illegales – Meerschweinchen. (dpa/jha)

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