Regierungs-Airbus

Nach Pannenflug: Angela Merkel trifft Putin in Buenos Aires

Nach ihrem Pannenflug widmet sich Kanzlerin Merkel der Politik – beim G20-Treffen in Buenos Aires. Als erstes traf sie Wladimir Putin.

Schaden an Regierungsflugzeug verzögert Merkels G20-Reise

Das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" mit Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz an Bord musste am Donnerstag auf dem Flughafen Köln-Bonn landen.

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Buenos Aires.  Der G20-Gipfel in Buenos Aires musste erstmal ohne die Bundeskanzlerin beginnen: Der Regierungs-Airbus von Angela Merkel hatte am Donnerstagabend eine schwere technische Panne. Die Reise nach Argentinien wurde schon kurz nach dem Start abgebrochen.

Mit zwölf Stunden Verspätung landete sie am Freitagabend um 17.52 Uhr (21.52 Uhr MEZ) am internationalen Flughafen in Buenos Aires an Bord eines Linienflugs der spanischen Fluggesellschaft Iberia.

Merkel wird trotz ihres verspäteten Eintreffens beim G20-Gipfel in Argentinien Treffen mit den Präsidenten der USA, Russlands, Chinas und Indiens haben. Das kündigte ein Regierungssprecher am Samstag in Buenos Aires an. Die Kanzlerin wird deshalb später als ursprünglich geplant zurück nach Deutschland fliegen.

Merkel und Putin beim Arbeitsfrühstück

Als erstes kam es zu einem Treffen mit Kremlchef Putin. Merkel traf sich mit ihm zu einem Arbeitsfrühstück. Im Mittelpunkt dürfte die Eskalation im Ukraine-Konflikt nach der Festsetzung von drei ukrainischen Schiffen durch die russische Küstenwache vor der Halbinsel Krim stehen. Die USA und die Ukraine erwarten von der Kanzlerin eine verstärkte Vermittlerrolle. US-Präsident Donald Trump hatte wegen des Vorfalls im Asowschen Meer ein Treffen mit Putin beim G20-Gipfel kurzfristig abgesagt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nahm die Flugbereitschaft ihres Hauses nach der schweren Panne in Schutz. „Mit nur zwei Prozent Ausfallquote bei Regierungsflügen in den letzten beiden Jahren und einer durchschnittlichen Einsatzbereitschaft von 89 Prozent ist die Flugbereitschaft statistisch sehr zuverlässig“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung .

Sie räumte aber ein: „Wenn dann ausgerechnet wichtige Flüge wie der der Kanzlerin zum G20-Gipfel ausfallen, schmerzt das umso mehr.“

Am Freitag war auch die genaue Ursache für die Panne bekanntgeworden: der Ausfall einer elektronischen Komponente. „Die Verteilerbox war die Ursache“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. An der Box hingen mehrere Systeme, darunter die Funkanlage und die Anlage, über die Sprit abgelassen werden könne.

Ein tief in der Maschine vom Typ A340 steckendes Bauteil sei defekt gewesen und habe zwei Kommunikationsanlagen und das System zum Ablassen von Kerosin gestört, sagte ein Sprecher. Die Maschine habe deswegen mit Übergewicht landen müssen. Der Systemfehler an Merkels-Flugzeug war nach Informationen unserer Redaktion doch gravierender.

Es war eine Verteilerbox
Es war eine Verteilerbox

Die Regierung hatte zuvor auch standardmäßig einen kriminellen Hintergrund geprüft. Dafür gab es jedoch keine Hinweise.

„Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für Leib und Leben der Passagiere an Bord der Maschine. Und der Abbruch des Fluges ist in einem solchen Fall ein ganz normaler Vorgang“, sagte eine Regierungssprecherin am Freitag in Berlin.

Angela Merkel verpasst G20-Auftakt – was wir wissen:

  • Die Regierungsmaschine musste den Flug nach Buenos Aires zum G20-Gipfel abbrechen
  • Grund war eine defekte Verteilerbox Airbus A340
  • Merkel verpasst den Auftakt und flog per Linienflieger nach Argentinien

Merkel fliegt mit Linienflieger von Iberia

Inzwischen ist die Kanzlerin aber auf dem Weg nach Argentinien. Mit einer anderen Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe und nur noch einer kleinen Delegation flog sie zunächst nach Madrid, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Von dort ging es um 9 Uhr mit einem Linienflug der Fluggesellschaft Iberia weiter nach Buenos Aires.

Die Maschine mit der Kanzlerin war am Donnerstagabend über den Niederlanden umgedreht und nach Deutschland zurückgeflogen. Der Flughafen Köln ist der Heimatstandort der Regierungsflugzeuge. Zudem war die verbleibende Flugzeit nach Köln geringer als nach Berlin.

Ein direkter Weiterflug mit einem Ersatz-Airbus war laut Regierungssprecher Steffen Seibert nicht möglich. Dies liege unter anderem an den Dienstzeiten und Verfügbarkeiten von Besatzungen und Flugkapitänen.

Merkel wird von anderer Maschine in Buenos Aires abgeholt

Nach der Panne wird Merkel von einer anderen Maschine vom G20-Gipfel in Argentinien abgeholt. Das Bauteil, das in der Maschine „Konrad Adenauer“ für Probleme gesorgt habe, müsse in diesem anderen Flugzeug nicht erst erneuert werden, sagte Oberst Guido Henrich von der Flugbereitschaft der Luftwaffe am Freitag in Köln.

Die Maschinen würden alle regelmäßig gewartet. Wenn man in einem Auto ein Problem mit einer Batterie gehabt habe, tausche man deshalb auch nicht automatisch die Batterie in einem anderen Auto um. Die Maschine solle am Freitagmittag vom Militärflughafen Köln/Bonn starten.

Buenos Aires: Zehntausende G20-Gegner protestieren friedlich
Buenos Aires: Zehntausende G20-Gegner protestieren friedlich

Bei der Störung handelte es sich um einen Komplettausfall des Kommunikationssystems mit dem Boden. In der Luftwaffe gilt ein solcher Fall demnach als gefährlicher Notfall. Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen weite Teile eines für den Flugbetrieb dringend benötigten Elektroniksystems ausgefallen sein.

Immer wieder Probleme mit Regierungsflugzeugen

Die Regierungsflugzeuge bereiten immer wieder Probleme. Erst Mitte Oktober gab es eine Panne mit der „Konrad Adenauer“. Hungrige Nagetiere hatten die Maschine in Indonesien lahmgelegt und Finanzminister Scholz zur Rückreise per Linienflug von der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gezwungen. Mäuse oder Ratten waren in den geparkten Airbus gelangt und hatten wichtige Elektrokabel angeknabbert.

Jüngst war es auch bei der Afrika-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Verzögerungen wegen eines technischen Defekts an seiner Maschine gekommen.

Auf die Frage, ob es nach mehreren Vorfällen mit Regierungsmaschinen notwendig sei, die Sicherheit der Flugzeuge in Frage zu stellen, sagte Merkel am Freitagmorgen: „Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern.“

Bis aus einem Flugzeug ein Flugzeug für die Kanzlerin werden kann, muss es es umgebaut werden. Zuletzt hatte Lufthansa Technik einen Airbus für die Regierung umgerüstet: Wie aus einem Airbus ein fliegendes Kanzleramt wird.

Merkel reist zu G20-Gipfel

Der G20-Gipfel findet am Freitag und am Samstag statt. In Buenos Aires treffen sich die wichtigsten Industriestaaten der Welt. Es geht unter anderem um diese Themen:

  • Ukraine-Konflikt
  • Handelskrieg
  • Autozölle
  • Khashoggi-Affäre
  • Klimaschutz
  • Ölpreis

Russland rüstet auf der Krim immer weiter auf. Neue Luftabwehrraketen sollen dort stationiert werden. Nach der jüngsten Eskalation im Asowschen Meer hat die Ukraine das Kriegsrecht ausgerufen. Was Staatschef Petro Poroschenko nun von Deutschland erwartet.

Auch das Verhältnis der USA und China bereitet der Welt Sorgen. Zuletzt hatten sich die Länder gegenseitig mit Strafzöllen und Importschranken belegt. Auch mit Europa liegt US-Präsident Trump im Clinch. So lehnte er etwa ein Angebot der EU zum Abbau von Autozöllen ab.

Dringenden Redebedarf gibt es zudem im Fall des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Kashoggi. Der Regierungskritiker war 2. Oktober in Istanbul ermordet worden. Deutschland stoppte daraufhin alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. (dpa/rtr/sdo/les/cho/bekö)