Prozess

Bombenanschlag auf BVB-Bus – Urteil soll am Dienstag fallen

Anderthalb Jahre nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus wird nun das Urteil erwartet. Bewerten die Richter die Tat als Mordversuch?

Im April 2017 hatte es einen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gegeben.

Im April 2017 hatte es einen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gegeben.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Dortmund.  War der Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ein Mordversuch? Oder sollte er nur der Abschreckung dienen? Muss der Angeklagte lebenslang in Haft – oder deutlich weniger als zehn Jahre? Am Dienstag will das Dortmunder Schwurgericht das Urteil gegen Sergej W. sprechen.

Elf Monate hatte das Gericht verhandelt. Zeugen wurden vernommen, es gab Gutachten – und auch Sergej W. selbst kam immer wieder zu Wort. Er bestritt während des Prozesses vor Gericht jegliche Tötungsabsicht.

BVB-Spieler Marc Bartra wurde verletzt

Sergej W. hatte am 11. April 2017 drei selbstgebastelte Bomben neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gezündet. Die Fußballspieler des BVB waren auf dem Weg zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco. Die Sprengsätze detonierten kurz nach der Abfahrt aus dem Mannschaftsquartier, sie waren jeweils mit 65 Stiften aus Metall bestückt.

Bei dem Anschlag wurde vor allem BVB-Spieler Marc Bartra verletzt: Er brach sich den Arm und musste auch wegen zahlreicher Splitter im Körper behandelt werden. Ein begleitender Polizist erlitt ein Knalltrauma und ist heute dienstunfähig.

Zahlreiche Spieler der Borussia waren nach dem Anschlag in psychologischer Betreuung, um das Erlebte zu verarbeiten. Die Erinnerung an den Bombenanschlag quält die BVB-Spieler auch heute noch.

Verteidigung schließt versuchten Mord aus

Die Prozessbeteiligten bewerten die Tat ganz unterschiedlich. Das hatten die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zuletzt noch einmal deutlich gemacht.

Für die Verteidigung war der Anschlag kein versuchter Mord. Die Verteidiger von Sergej W. beantragten eine Haftstrafe von deutlich unter zehn Jahren. Verteidiger Carl Heydenreich hielt in seinem Schlussplädoyer eine Verurteilung wegen versuchten Mordes für ausgeschlossen. Aus seiner Sicht hat sich Sergej W. nur wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion schuldig gemacht.

Mutmaßlicher BVB-Attentäter gesteht gesteht Anschlag

Sergej W. hatte frühzeitig zugegeben, dass er derjenige war, der die Bomben gebaut, in einer Hecke am Mannschaftshotel versteckt und bei der Abfahrt des Busses zur Detonation gebracht hat. Er sagt, er habe die Manipulation des Kurses der BVB-Aktie zum Ziel gehabt – um selbst Geld zu verdienen. Er zuvor mit geliehenem Geld Optionsscheine erworben, mit denen er auf einen Kurssturz wettete.

Sergej W., der vor 29 Jahren in Russland geboren wurde, heute aber nur noch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, beteuert jedoch, dass er niemanden töten oder verletzen wollte.

Ganz anders sieht es die Staatsanwaltschaft. Oberstaatsanwalt Carsten Dombert sagte in seinem Plädoyer: „Die Bomben waren nicht zu kontrollieren.“ Der Bombenanschlag sei deshalb in jedem Fall ein versuchter Mord gewesen, der mit lebenslanger Haft zu bestrafen sei. Es komme nicht darauf an, dass bei der Tat zum Glück „nur“ BVB-Spieler Barta am Arm verletzt wurde.

Am Dienstag soll nun das Urteil fallen (sdo/dpa)