Urteil

Mordfall Keira – 15-Jähriger muss für neun Jahre in Haft

Ein 15-Jähriger ist in Berlin zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte seine Mitschülerin (14) erstochen.

Gedenken an Keira, die im März 2018 in Berlin getötet wurde.

Gedenken an Keira, die im März 2018 in Berlin getötet wurde.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Das Gericht blieb mit seinem Urteil nur knapp unterhalb der Forderung der Ankläger. Für die Richter steht fest: Der Angeklagte, gerade einmal 15 Jahre alt, tötete ein ein Jahr jüngeres Mädchen aus reiner Mordlust mit mehr als 20 Messerstichen.

Mehr als acht Monate nach der tödlichen Messerattacke gegen die 14-jährige Keira aus Berlin ist ein Mitschüler zu einer Haftstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Eine Jugendkammer des Landgerichts in der Hauptstadt sprach den 15-jährigen Deutschen am Donnerstag des Mordes schuldig.

Der Jugendliche habe aus reiner Mordlust getötet. Das teilte eine Gerichtssprecherin mit. Der Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt.

Er ging mit seinem Opfer auf dieselbe Schule

Der Tod von Keira hatte bundesweit Fassungslosigkeit und Entsetzen ausgelöst. Die Eisschnellläuferin war am 7. März mit mehr als 20 Messerstichen in ihrer Wohnung in Alt-Hohenschönhausen getötet worden. Täter und Opfer kannten sich. Sie gingen auf dieselbe Schule. In Ermittlerkreisen hieß es, dass beide zu Hausaufgaben verabredet gewesen seien.

Die Mutter hatte ihre blutüberströmte Tochter gefunden, als sie von der Arbeit kam. Ärzte schafften es nicht mehr, das Mädchen zu retten. Karin G. hatte den Prozess als Nebenklägerin verfolgt.

Dass Mordlust bei einem Jugendlichen angeklagt ist, sei ein sehr seltener Fall, hatte Anwalt Roland Weber schon zum Prozessauftakt betont. Das bedeute, aus Freude darüber zu töten, ein anderes Leben zu vernichten. Weber ist auch Opferbeauftragter des Landes Berlin. Er begleitete im Prozess die Mutter von Keira, Karin G., die Nebenklägerin war.

Anwälte sprach von minderschwerem Fall

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß nur wenig unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine Jugendstrafe von neun Jahren und zehn Monaten gefordert. Die Verteidiger hatten laut Gericht auf eine deutlich geringere Haftstrafe wegen eines „allenfalls minderschweren Fall des Totschlags“ plädiert. Der Prozess war wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten nicht öffentlich.

Die Verantwortung für ihre Tochter habe nicht mit ihrem Tod aufgehört, hatte Karin G. der Deutschen Presse-Agentur bei einem Gespräch in ihrer Wohnung vor Prozessbeginn gesagt. „In meinem Leben ist nichts mehr so, wie es war. Und es gibt nichts, was es wieder gut macht. Meine Tochter bleibt tot.“ ((dpa/W.B.)

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