Kirche

Priester fällt auf Betrüger rein und veruntreut 120.000 Euro

Ein Pfarrer aus dem Harz ist offenbar auf Internetbetrüger hereingefallen. Im Gegenzug ließ er Geld aus der Kirchenkasse mitgehen.

Am Freitagabend erstattete ein Priester aus dem Harz Selbstanzeige, weil er Geld aus der Pfarreikasse unterschlagen hatte (Symbolfoto).

Am Freitagabend erstattete ein Priester aus dem Harz Selbstanzeige, weil er Geld aus der Pfarreikasse unterschlagen hatte (Symbolfoto).

Foto: diego_cervo / Getty Images/iStockphoto

Magdeburg.  Es ist eine ganze Menge Geld, die ein Priester im Harz über Monate aus der Pfarreikasse entwendet hat: 120.000 Euro sollen es gewesen sein. Nach eigenen Angaben war der katholische Pfarrer auf Internetbetrüger hereingefallen. Wofür genau er das veruntreute Geld ausgegeben hat und was nun aus ihm wird, ist bisher unklar.

Der Pfarrer der Gemeinde Ballenstedt hatte sich laut einer Erklärung des Bistums Magdeburg am späten Freitagabend selbst beim Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt angezeigt, weil er die 120.000 Euro aus der Pfarreikasse genommen hatte.

Der Bischof habe „umgehend gehandelt“ und den Priester von der Leitung der Pfarrei entbunden und ihm alle finanziellen Vollmachten entzogen.

„Ich bin auf Internetbetrüger hereingefallen. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, ihnen mehrfach Geld zu überweisen“, hieß es in einer persönlichen Erklärung des Mannes. Das Bistum Magdeburg hatte diese unter anderem auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Laut einer Sprecherin hatte sich der 64-Jährige auch am Sonntag bei einem Gottesdienst vor rund 40 Menschen in Ballenstedt im Landkreis Harz erklärt. Die Besucher hätten „sehr still“ reagiert.

Bischof reagierte sofort auf Unterschlagung

Nach Angaben des Bistums hatte der Mann seit dem Sommer widerrechtlich Geld aus der Pfarreikasse genommen. Wofür genau, blieb offen. Bischof Gerhard Feige sagte: „Kein Pfarrer, kein kirchlicher Mitarbeiter darf Gelder, die für die Pfarrei gedacht sind, zweckentfremdet entwenden. Er muss alles zurückzahlen und die staats- und kirchenrechtlichen Konsequenzen tragen.“

Feige teilte mit, er habe den Mann vom Vorsitz des Kirchenvorstandes entbunden. Alle finanziellen Vollmachten lägen nun beim Kirchenvorstand. Weitere disziplinarrechtliche Schritte könnten folgen.

Wie die Bistumssprecherin erklärte, will die Gemeindeversammlung am Dienstag darüber sprechen, ob der Mann in der Gemeinde bleiben soll. Danach werde eine Empfehlung an den Bischof gehen. Wann der eine Entscheidung treffe, sei aber unklar.

Pfarrer entschuldigt sich bei Gemeinde

Gegenüber der Gemeinde entschuldigte sich der Pfarrer in dem Sonntagsgottesdienst für seine Tat: „Es tut mir ungeheuer leid, dass ich auf diese Weise so euer Vertrauen hintergangen habe.“

Er werde das Geld zurückzahlen und den Schaden wiedergutmachen. „Unser Bischof wird über die kirchenrechtlichen Konsequenzen meines Tuns entscheiden“, hieß es weiter. Er habe den Bischof gebeten, ihn von seinem Amt als Pfarrer der Gemeinde und auch als Dechant des Dekanats Halberstadt (Landkreis Harz) zu entbinden.

Priester muss veruntreutes Geld zurückzahlen

Die Sprecherin des Bistums erklärte, der 64-jährige Pfarrer leite die Pfarrei St. Elisabeth in Ballenstedt (Landkreis Harz) derzeit nicht mehr. Er sei somit auch nicht für die Finanzen zuständig. Diese Arbeit obliege seinem Stellvertreter, einem Laien. Der 64-jährige Katholik sei aber weiter geweihter Priester. Bis er das Geld zurückgezahlt habe, springe das Bistum bei finanziellen Notlagen ein. Die Pfarrei solle den seelsorgerischen Dienst weiter leisten können. (dpa)