Unglück

Verschollenes U-Boot in 907 Metern Tiefe im Atlantik geortet

Vor einem Jahr war das argentinische U-Boot „ARA San Juan“ im Atlantik versunken. Nun wurde es geortet - nach Druck der Angehörigen.

Ein Archivbild der „ARA San Juan“ im Hafen von Buenos Aires.

Ein Archivbild der „ARA San Juan“ im Hafen von Buenos Aires.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Buenos Aires.  Das Geheimnis um ein verschollenes argentinisches U-Boot ist zumindest zu einem Teil gelüftet. Das Schiff liegt mehrere hundert Meter unter der Meeresoberfläche.

Das vor einem Jahr spurlos verschwundene U-Boot „ARA San Juan“ ist im Südatlantik entdeckt worden. Das Schiff sei von der privaten Firma Ocean Infinity in einer Tiefe von 907 Metern und 460 Kilometer von der Küste geortet worden, teilte die Marine mit.

„Die Hülle ist noch in einem Stück, sie ist total deformiert und implodiert, aber ohne nennenswerte Risse“, erklärte ein Kapitän. Abgerissene Teile des U-Boots wurden demnach in einem Radius von 70 Metern um das Wrack gefunden.

An Bord des U-Boots gab es wohl eine Explosion

Hintergrund: Die „ARA San Juan“ war am 15. November vergangenen Jahres mit 44 Seeleuten an Bord auf der Fahrt von Ushuaia im Süden Argentiniens nach Mar del Plata verschwunden. Zuvor hatte es technische Probleme an Bord gegeben. Zudem wurde in der Nähe der letzten bekannten Position des U-Boots eine Explosion registriert.

Die „ARA San Juan“ war gegen illegale Fischerei am Außenrand der Wirtschaftszone Argentiniens im Südatlantik im Einsatz gewesen. Die Grenze der Wirtschaftszone verläuft am Kontinentalsockel entlang, bei dem die Meerestiefe von 200 auf bis zu 3000 Meter abfällt.

Das Wrack sei nun etwa 460 Kilometer vor dem Golf von San Jorge und südlich von Mar del Plata entdeckt worden, wie die Zeitung „La Nación“ berichtete. Dort war bisher bei der Suche nichts gefunden worden. Allerdings hatten die Angehörigen der vermissten Seeleute darauf gedrängt, an dieser Stelle noch einmal zu suchen.

Nach einer wochenlangen erfolglosen Suche der Streitkräfte nach dem Unglück im vergangenen Jahr, hatte die Regierung zuletzt das Unternehmen Ocean Infinity engagiert, um die Suche fortzusetzen. Die US-Firma war bereits kurz davor, die Suche abzubrechen, weil die vertraglich festgelegten 60 Arbeitstage beinahe ausgeschöpft waren. Für den Fund des U-Boots soll Ocean Infinity nun 7,5 Millionen US-Dollar (6,5 Millionen Euro) erhalten.

U-Boot wurden in Emden gebaut

Die „ARA San Juan“ mit einer Kiellänge von 65 Metern wurde im Auftrag der argentinischen Kriegsmarine von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 in Dienst gestellt. Das U-Boot mit einem diesel-elektrischen Antrieb war für Tauchfahrten bis 300 Meter Tiefe ausgelegt. Offenbar war es an Bord zu einer Explosion gekommen und das Schiff darauf gesunken.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte der argentinische Präsident Mauricio Macri am ersten Jahrestag des Verschwindens des U-Boots versprochen: „Wir werden nicht aufgeben. Wir werden weitersuchen, bis wir es finden.“

Die Familien der Seeleute litten in vergangenen Jahr vor allem unter der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen. Nach der Entdeckung des Wracks schwanken sie nun zwischen Erleichterung, Trauer und Wut. „Ich will wissen, was passiert ist“, sagte Oscar Vallejos, der Vater eines der Soldaten, im Fernsehsender C5N. „Sie wussten schon, wo sie sind und haben gewartet, bis ein Jahr vergangen ist. Ich habe meine Zweifel. Welch ein Zufall.“

Familien fordern Aufklärung

Ob das U-Boot und die Leichen der Seeleute aus 900 Metern Tiefe geborgen werden können, ist allerdings noch unklar. „Wir glauben, dass es sehr schwierig ist“, zitierte die Zeitung „Clarín“ aus Kreisen des Verteidigungsministeriums.

Die Familien aber wollen ihre Angehörigen beerdigen und fordern eine umfassende Aufklärung des Unglücks. „Wir wollen, dass das U-Boot an die Oberfläche geholt wird. Wir wollen die Wahrheit wissen und die Justiz soll klären, wer dafür bezahlen muss“, sagte Juan Aramayo, der Vater eines weiteren Besatzungsmitglieds. (W.B./dpa)

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