Auszeichnung

So lief der Gala-Abend der „Goldenen Bild der Frau“

Sie helfen, wo andere Hilfe brauchen: In Hamburg wurde am Mittwoch die „Goldene Bild der Frau“ an außergewöhnliche Frauen verliehen.

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Berlin.  Zum 12. Mal hat Deutschlands größte Frauenzeitschrift „Bild der Frau“, wie auch diese Redaktion ein Titel der Funke Mediengruppe, die „Goldene Bild der Frau“ verliehen. Mit dem Preis wurden am Mittwochabend in Hamburg sechs besondere Frauen ausgezeichnet, die sich ehrenamtlich engagieren.

Das sind die Preisträgerinnen:

  • Diana Doko („Freunde fürs Leben e.V.“ aus Berlin),
  • Nadja Benndorf und Nicole John („Kinderklinikkonzerte e.V.“ aus Magdeburg)
  • Tanja Hock („Mobile Hilfe Madagaskar e.V.“ aus Aschaffenburg)
  • Sandra Mertzokat („ELFMETERstiftung“ aus Düsseldorf)
  • Lydia Staltner („Lichtblick Seniorenhilfe e.V.“ aus München)

Die Auszeichnungen wurden im Rahmen einer festlichen Gala im Hamburger Stage Operettenhaus verliehen, moderiert von Kai Pflaume.

„Bild der Frau“ fördert Projekte mit 10.000 Euro

550 Gäste aus Politik, Show, Wirtschaft und Sport waren dabei, als die sechs Preisträgerinnen für ihr Engagement geehrt wurden. Für die musikalische Unterhaltung sorgten Sänger Johannes Oerding und die Rock-Legende Bonnie Tyler.

Die Projekte der sechs Preisträgerinnen fördert „Bild der Frau“ mit 10.000 Euro, eines wurde zusätzlich mit dem auf 30.000 Euro dotierten Leserpreis ausgezeichnet – dieser wurde am Abend der Gala erstmals von der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) überreicht.

Leser haben abgestimmt

Welche Preisträgerin für ihr Projekt den Leserpreis gewinnt, konnten bis zum Vorabend der Gala die Millionen Leserinnen und Leser von „Bild der Frau“ und der Funke-Tageszeitungen und Online-Portale per Online-Voting entscheiden. Alle Infos zur Wahl finden Sie hier.

Auf dem Roten Teppich wurden die sechs Preisträgerinnen von ihren prominenten Paten unterstützt: Muriel Baumeister begleitet Diana Doko („Freunde fürs Leben e.V.“), Francis Fulton-Smith freut sich auf Nadja Benndorf und Nicole John („Kinderklinikkonzerte e.V.“), Suzanne von Borsody unterstützt Tanja Hock („Mobile Hilfe Madagaskar e.V.“), Elena Uhlig steht an der Seite von Sandra Mertzokat („ELFMETERstiftung“) und Kai Schumann macht sich für Lydia Staltner („Lichtblick Seniorenhilfe e.V.“) stark.

Die Preisträgerinnen und ihr Engagement:

Sandra Mertzokat hilft gelähmten Kindern und Jugendlichen

Janina Sommer (28) sitzt im Rollstuhl, seit sie 16 ist – die Folge eines Unfalls: „Ich wurde bei 180 Stundenkilometern aus dem Auto geschleudert.“ Als sie aufwacht, ist sie ab dem fünften Halswirbel gelähmt, kann nicht mal mehr die Finger bewegen. Der Alltag ist schwer, darum wünscht sich Janina einen Therapiehund – doch der kostet 30.000 Euro.

Lange hat sie auf einen vierbeinigen Freund gewartet, doch jetzt hat die „Elfmeterstiftung“ ihren Traum wahr gemacht: Collin, ein Golden Retriever, ist bald durch die Ausbildung, dann wird er Janina Sommers bester Freund und Alltagshelfer. Wird ihr Türen öffnen, Hilfe holen, wenn ihr Kreislauf schlappmacht. „Mit ihm wird alles leichter“, sagt die junge Frau aus Lindlar, ihre Augen strahlen – und die von Sandra Mertzokat (45) gleich mit.

Mertzokat hat selbst erlebt, wie ein Moment alles verändert. Im Oktober 2008 verunglückt ihre Tochter Emma Rosa im Urlaub. Sie war damals gerade acht Jahre alt. Danach ist das Mädchen vom zweiten Halswirbel abwärts gelähmt. „Emma konnte sich nicht mehr bewegen, nicht allein atmen“, erinnert sie sich. „Aber als wir nach einem halben Jahr Bangen aus der Klinik kamen, mussten wir lernen, das Schicksal zu akzeptieren.“

So beschloss Sandra Mertzokat aus eigener Betroffenheit, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen zu helfen. Im Oktober 2011 gründete sie mit ihrem Nachbarn Michael Weichler und zwei Freunden die „Elfmeterstiftung“ – die heißt so, weil Fußball Emmas liebstes Hobby war. Das Mädchen starb 2014 mit nur 14 Jahren an einer Viruserkrankung.

Mit ihrer Stiftung erfüllt sie Kindern und Jugendlichen, die bis zum 25. Geburtstag am Rückenmark verletzt wurden, große und kleine Wünsche. So half sie unter anderem einer Mutter beim behindertengerechten Umbau ihres Autos, spendierte einer anderen den dringend nötigen Urlaub

Diana Doko klärt über Depression und Suizidgefahr auf

Der 12. August ist für Diana Doko (46) ein ganz besonderer Tag. Es ist der Todestag ihres Bruders Enis. Familie und Freunde versammeln sich dann an seinem Grab. Er ist auch der Grund, warum Doko seit 20 Jahren mit ihrem Verein „Freunde fürs Leben“ über Depression und Suizidgefahr aufklärt.

In Berlin und bundesweit informiert sie, organisiert Workshops, hilft Angehörigen und Freunden von Betroffenen und holt das Thema aus der gesellschaftlichen Tabuzone. Zudem will Doko das Gesundheitsministerium stärker in die Pflicht nehmen. „Das Thema muss endlich auf die gesundheitspolitische Agenda“, sagt sie. In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an einer depressiven Störung.

Tanja Hock hilft Menschen auf Madagaskar

Ihre beiden Kinder hat Tanja Hock (40) adoptiert – ihren Sohn Fanilo mit fünf Monaten, seine leibliche Mutter lebte auf der Straße. Töchterchen Fifaliana mit 21 Monaten, sie wurde am Krankenhaus ausgesetzt.

Die Kleinen hatten Glück – das haben nur wenige Kinder auf Madagaskar, die Zustände sind elend. Über 90 Prozent der Madagassen leben in extremer Armut, jeder Zweite hat keinen Zugang zu Trinkwasser.

Tanja Hock aus Aschaffenburg sorgt mit ihrem Verein „Mobile Hilfe Madagaskar“ für medizinische Versorgung auf der Insel im Indischen Ozean. Die Hebamme kümmert sich besonders um Schwangere und Babys. Diese erreicht sie mit ihrem dafür umgebauten Bus, manchmal auch per Leichtflugzeug. Hock wurde später auch noch mit dem auf 30.000 Euro dotierten Leserpreis ausgezeichnet. Dafür versprach die Preisträgerin, „viele kleine Schritte zu tun, um die Welt besser zu machen“.

Lydia Staltner unterstützt Senioren, die Hilfe brauchen

Ein paar Schuhe, eine Ma­tratze, eine neue Brille – manchmal braucht es nicht mehr. Lydia Staltner (58) ist mit ihrem Verein „Lichtblick“ Seniorenhilfe für ältere Menschen da, deren Rente nach einem Leben voller Arbeit nicht mal für das Nötigste wie Kleider oder Möbel reicht.

Ihr Verein hilft unbürokratisch, bietet Senioren durch Freizeitangebote einen Weg aus der Einsamkeit. Vor 15 Jahren hatte die Münchnerin die Idee zu ihrem Verein, immer wieder fielen ihr Rentner in Not auf. Heute ist klar, wie wichtig Staltners Engagement ist: Ihr Verein unterstützt bundesweit 10.000 Menschen in Rente, überwiegend Frauen.

Nicole John und Nadja Benndorf bringen Musik zu kranken Kindern

Wenn Bands und damit Musik ins Krankenhaus kommen, ist für sehr viele Kinder-Patienten für ein paar Stunden die Krankheit vergessen. Nadja Benndorf (33) und Nicole John (27) aus Magdeburg bringen mit ihrem Verein „Kinderklinikkonzerte“ bundesweit Stars wie Max Giesinger oder Wincent Weiss, Bands wie Revolverheld oder Silbermond in Krankenhäuser.

Die Freundinnen schenken kleinen Patienten Trost, helfen ihnen beim Gesundwerden. 14 Konzerte haben die beiden in den vergangenen sieben Jahren verschenkt – in Dresden, Magdeburg, Hamburg, Erfurt, Göttingen, Berlin und Leipzig. (sdo/ba/bekö)

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