Diät

Wie TV-Star Tetje Mierendorf sein Gewicht fast halbiert hat

Tetje Mierendorf hat sein Körpergewicht fast halbiert. Im Interview spricht er über den Kampf gegen sich selbst und sein neues Leben.

Foodwatch: Mit diesen Tricks macht Coca-Cola uns dick und krank

Panorama Video

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Als der lustige Dicke hat Tetje Mierendorf (46) jahrelang TV-Zuschauer unterhalten. Mal als „Mein großer, dicker, peinlicher Verlobter“, mal in der „Schillerstraße“. Mit 180 Kilogramm Körpergewicht bei 1,97 Meter Größe war er nicht zu übersehen.

Groß und lustig ist der Hamburger immer noch, doch inzwischen hat er 80 Kilo abgespeckt. Auslöser für die Diät: die Geburt seiner Tochter. Um abzunehmen, ging er in Therapie und ergründete, wer er „unter den ganzen Fettschichten“ wirklich ist.

Herr Mierendorf, wann war für Sie der Moment, an dem Sie gemerkt haben: Ich muss was ändern an meinem Leben?

Tetje Mierendorf: 2012 wurde meine Tochter geboren. Plötzlich gab es einen Menschen, für den ich Verantwortung hatte. Im selben Jahr ist Dirk Bach gestorben. Diese Punkte haben mich zum ersten Mal zum Nachdenken gebracht. Und dann hat es aber doch noch zwei Jahre gedauert, bis ich im Internet über einen Lebenserwartungstest gestolpert bin. Und da kam heraus: Sie haben noch zwei Jahre zu leben.

In der folgenden Nacht hatte ich einen Traum: Ich sah meine Tochter auf dem Fahrrad, daneben meine Frau und daneben der Familienvater. Aber das war nicht ich. Ich war tot. Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und dachte: Ich will nicht mehr dick sein, ich will leben.

Wie war denn vorher das Verhältnis zu Ihrem Körper?

Mierendorf: Für mich war das Körpergewicht ein Schutz, um der Konkurrenz durch meinen Bruder auszuweichen. Der ist vier Jahre älter als ich und immer schon sportlich. Mit dem Groß- und Dicksein hatte ich mein Alleinstellungsmerkmal. Plötzlich wurde ich als Tetje wahrgenommen. Ich hatte meinen Platz, ich hatte meine Rolle und habe mich damit sehr wohlgefühlt. Aber als besonders dick habe ich mich gar nicht empfunden.

Sie haben aber schon gewusst, dass das Leben, so wie Sie es geführt haben, nicht gesund sein kann?

Mierendorf: Ja, aber ich habe nicht die Wahrnehmung dafür gehabt. Ich hatte sogar 2005 eine Diabetes-Diagnose, aber selbst das hat mich nicht zur Umkehr gebracht. Mein Leben war mir auch relativ egal. Und selbst bei meiner Frau habe ich gedacht, die wäre zwar traurig, wenn ich sterbe, aber die würde schon ohne mich über die Runden kommen. Im Nachhinein frage ich mich auch, was da bei mir im Kopf nicht ganz richtig war.

Wie sind Sie das Abnehmen angegangen?

Mierendorf: Das klingt banal, aber die eigene Identitätsfindung ist wichtig: unter den ganzen Fettschichten zu ergründen, wer man ist und was man fühlt. Ich habe auch darüber nachgedacht, wie andere mich beschreiben würden oder mich sehen und was davon wirklich dem entspricht, wie ich mich fühle. Und dabei habe ich festgestellt, dass ich die ganze Zeit nur eine Rolle spiele.

Wie ging es dann weiter?

Mierendorf: Ich habe mich zunächst von verschiedenen Ärzten untersuchen lassen. Dann kam ein Zuckerentzug. Das waren die beschissensten zwei Wochen, die ich je hatte. Ich hatte richtige Entzugserscheinungen, Schweißausbrüche und war gereizt. Und danach habe ich mir einen Personal Trainer geholt.

Meine Regel war, jeden Tag ins Fitnessstudio zu gehen. Aber ich habe mir gesagt: Du musst nur hingehen und dich umziehen. Und als ich umgezogen war, habe ich mir gedacht, ich kann mich auch bewegen.

Sie sind als der „lustige Dicke“ im Fernsehen berühmt geworden. Beruflich gesehen war das Abnehmen dann schon ein Risiko, oder nicht?

Mierendorf: Nicht wirklich. Ich bin seit 1995 im Geschäft, spiele in Musicals und arbeite hauptsächlich als Sprecher. Die Comedy im Fernsehen, die ich gemacht habe, das war nur eine Episode.

Sind Sie schlank glücklicher?

Mierendorf: Nein. Aber als Dicker stand ich unter Drogen. Ich habe früher auf sämtliche emotionalen Ausschläge mit Schokolade reagiert. Manchmal habe ich ein Kilo am Tag gefressen und mich damit betäubt. Das tue ich heute nicht mehr. Dadurch erlebe ich Emotionen viel intensiver – positive wie negative. Aber das ist das Leben!

Man ist nicht automatisch glücklicher, nur weil man schlank ist. Vieles wird einfacher. Ich bin fitter, ich brauche weniger Schlaf – mein Leben ist viel facettenreicher geworden.