Schriftstellerin

Elke Heidenreich erklärt, warum ihr Geld nichts bedeutet

| Lesedauer: 6 Minuten
Elke Heidenreich hat in „Alles fließt“ dem Rhein ein Denkmal gesetzt.

Elke Heidenreich hat in „Alles fließt“ dem Rhein ein Denkmal gesetzt.

Foto: imago stock&people / imago/Future Image

Elke Heidenreich liebt das Leben am Rhein. Dem Fluss hat sie sogar ein Buch gewidmet. Ein Gespräch über Kreuzfahrten, Erfolg und Liebe.

Köln.  Elke Heidenreich (75), Schriftstellerin, Literaturkritikerin und als Kabarettistin vielen vor allem als Metzgersgattin Else Stratmann in bester Erinnerung, hat dem Rhein in einem Buch ein Denkmal gesetzt: In „Alles fließt“, das jetzt als Hörbuch erscheint, geht es auch um die Heimat der Wahl-Kölnerin. Ein Gespräch über den Rhein, über Trinken, Geld, Gesundheit und die Liebe.

Sie gehen gern am Rhein spazieren?

Elke Heidenreich: Ja, ich habe einen Hund, der sowieso rausmuss, und da geht es sich am Rhein natürlich besonders schön. Da kann er frei herumlaufen, wenn nicht zu viele irre Radfahrer unterwegs sind. Ich fände es zwar schöner, wenn man die Rheinstrecke unten endlich mal für Radfahrer sperren würde, weil es oben einen fantastischen Radweg gibt. Aber die müssen ja alle unten fahren, und dann kann man die meiste Zeit wieder keinen Hund laufen lassen.

Sie waren auch auf Kreuzfahrt, um den Rhein zu erkunden.

Heidenreich: Luxuriöse Schiffe sind natürlich so schick wie Fünf-Sterne-Hotels. Mit einigen bin ich auch schon um die ganze Welt gefahren. Mit der „Queen Elizabeth“ und der MS „Europa“ war ich in Amerika, Kuba und Japan. Aber auf dem Rhein wollten wir einfach mal mit einem Touristenschiff fahren.

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Und Sie hatten eine Getränke-Flatrate gebucht?

Heidenreich: Ja, das war herrlich! Wir haben morgens um 10 Uhr schon getrunken. Gleich nach dem Frühstück gab’s das erste Gläschen.

Ihre Stammkneipe, die Alte Liebe, ist ja auch auf einem Hausboot auf dem Rhein.

Heidenreich: Man sitzt dort herrlich, guckt auf den Fluss und wird ganz betrunken, weil sich immer alles bewegt. Deshalb muss ich dann immer mit dem Wein aufhören. Aber dann gehe ich an Land und denke, ich hätte leicht noch einen trinken können.

Das klingt nach leichtem Leben. Hatten Sie, als Sie vor Jahren dem Fernsehen den Rücken kehrten, auch mal Sorgen oder Ängste?

Heidenreich: Nein. Ich bin arm aufgewachsen, und Geld bedeutet mir nichts. Ich wollte nie reich werden, sondern sorgenfrei leben. Und sorgenfrei bin ich immer gewesen. Um meine Lieben und mich gut zu ernähren, hat es immer gereicht. Ich hatte ja auch das große Glück, dass meine Bücher Bestseller wurden. Aber man darf bei der Arbeit nicht zu sehr aufs Geld gucken, sonst landet man ganz schnell in irgendwelchen schrecklichen Unterhaltungssendungen.

Sie wollen sich nicht einfach kaufen lassen.

Heidenreich: Mich kann man nicht kaufen, mir muss eine Sache Freude machen, dann mache ich sie, egal, was ich damit verdiene.

Ihr eigener Kopf hat auch mal für Überraschungen gesorgt. Zum Beispiel als Sie zugaben, Fan von „Verbotene Liebe“ zu sein.

Heidenreich: Ich kann schließlich nicht immer nur hochgeistige Sachen lesen. Das ist, wie wenn man ab und zu mal eine Schachtel Pralinen leer frisst. Aber „Verbotene Liebe“ fehlt mir schon sehr, weil ich die auch sehr gut gemacht und lustig fand. Ich habe mich immer prächtig amüsiert.

Ihre schönsten Jahre hatten Sie in Ihren Vierzigern, sagten Sie mal.

Heidenreich: Ich war nicht mehr jung und hatte diese ganzen Zweifel nicht mehr. Ich wusste, wer ich bin und wie ich leben will. Aber ich war trotzdem noch nicht alt und hatte keine Zipperlein, wie Knieschmerzen beim Treppensteigen und so weiter, es lag noch viel Lebenszeit vor mir.

Dagegen ist die Strecke, die ich heute mit 75 noch vor mir habe, doch sehr viel kürzer als die, die ich schon hinter mir habe. Darum bin ich schon manchmal ein bisschen melancholisch, weil ich nicht weiß, wie viel Zeit mir noch bleibt.

Kurz zurück zu den früheren Zeiten. Es heißt, Sie hatten neben Ihrer Ehe auch schon mal das ein oder andere Verhältnis. Hatten Sie nie Angst, dass das rauskommen könnte?

Heidenreich: Nein, denn ich habe Dinge, die mir wirklich wichtig waren, nie rausgelassen. Dass ich geschieden wurde, hat man mitgekriegt. Aber was in meinem Herzen, meinem Leben oder in meinen Betten passiert ist, habe ich nie öffentlich gemacht. Das wissen nur meine Freunde.

Ich habe das auch deshalb nicht gesagt, weil ich die Menschen schützen wollte, um die es ging. Die sogar noch mehr als mich. Da ist nie etwas herausgekommen. Das wäre ja auch nicht fair. Und jetzt wissen alle, dass ich mit einem sehr viel jüngeren Mann lebe. Aber nach zwölf Jahren ist das eigentlich auch kein Thema mehr.

Sie sind 28 Jahre älter als Ihr Partner. Reißt man als Ältere das „Kommando“ gerne an sich?

Heidenreich: Nein, Marc-Aurel ist ein sanfter Künstler, ich bin sowieso viel stärker und schneller als er. Aber ich gebe keine Kommandos, ich bin ja kein General.

Sie mussten einige Krisen bewältigen. Geht es Ihnen wieder gut?

Heidenreich: Grundsätzlich geht es mir gut. Ich wohne in einem reichen Land. Ich hatte liebevolle Männer und habe seit Jahrzehnten gute Freundinnen und Freunde. Ich konnte mir immer Tiere leisten, wo ich Tiere doch so liebe. Natürlich hatte ich, wie andere auch, Scheidungen, Rückschläge, den Krebs, eine Lungenoperation und solche Sachen, aber das gehört dazu, da muss man durch.

Und wie haben Sie es geschafft, nicht daran zu zerbrechen?

Heidenreich: Keine Ahnung. Nicht jeder zerbricht gleich an Schicksalsschlägen. Einige schaffen es, andere nicht. Das liegt wahrscheinlich in meinem Charakter begründet, ich bin stark.

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