Kriminalität

Pausenbrote der Kollegen vergiftet: Anklage erhoben

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dpa
Symbolbild.

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Foto: Marc Müller

In Ostwestfalen hat ein Mitarbeiter im Pausenraum heimlich Gift auf Brote gestreut. 21 alte, verdächtige Todesfälle werden untersucht.

Schloß Holte-Stukenbrock.  Nach dem Fund von vergifteten Pausenbroten in einem Betrieb in Ostwestfalen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 56-jährigen Mitarbeiter erhoben. Nach Angaben des Landgerichts Bielefeld lautet die Anklage auf heimtückischen und grausamen versuchten Mord in zehn Fällen. Der Mann soll in dem Betrieb in Schloß Holte-Stukenbrock mehreren Arbeitskollegen Gift auf die Pausenbrote gestreut haben.

Nach einem ersten Verdacht hatte eine Videokamera sein Handeln aufgezeichnet. Anschließend schaltete die Firmenleitung die Polizei ein. Die Ermittler nahmen daraufhin verdächtige Krankheits- und Todesfälle in der Firma unter die Lupe.

Bei mehreren Erkrankungen in der Firma Schloß Holte-Stukenbrock hat sich bereits der Verdacht auf Schwermetallvergiftungen konkretisiert. Ein Mitarbeiter soll seit längerem im Koma liegen. 21 weitere Todesfälle der Vergangenheit werden neu aufgerollt.

Der Beschuldigte schweigt

Seit Mitte Mai sitzt der Verdächtige in Untersuchungshaft und schweigt. Die Ermittler werfen dem Mann vor, das giftige Schwermetall Bleiacetat in Pulverform auf die Pausenstulle eines Kollegen gestreut zu haben. Die Menge sei ausreichend gewesen, Organe schwer zu schädigen. In seiner Wohnung hatten die Ermittler Stoffe gefunden, aus denen giftige Substanzen hergestellt werden können. Darunter sind Quecksilber, Blei und Cadmium.

Der Verdächtige, der nach Angaben seines Arbeitgebers 38 Jahre lang "auffällig unauffällig" in dem Betrieb unterwegs war, flog durch die Aufnahme einer Videokamera auf. Nach einem ersten Verdacht hatten sich Vorgesetzte und Betriebsrat schnell darauf geeinigt, den Fall zu überprüfen. Ein Mitarbeiter hatte zuvor auf einer Stulle helles Pulver entdeckt und seinen Vorgesetzten eingeschaltet. Die Kamera hatte dann aufgezeichnet, wie der Kollege das giftige Pulver auf einem Pausenbrot verteilte.

Alle auffälligen Todesfälle der vergangenen Jahre werden geprüft

Rätselhaft ist das Motiv. Der Verdächtige schweigt bislang in der Untersuchungshaft. Zu Spekulationen und Vermutungen im Kollegenkreis des Unternehmens will sich die Polizei nicht äußern. "Da laufen die Ermittlungen, deshalb sagen wir dazu nichts", sagt der Sprecher der Bielefelder Polizei, Achim Ridder.

Eine 15-köpfige Mordkommission nahm jeden einzelnen der 21 auffälligen Todesfälle von Mitarbeitern der Firma genau unter die Lupe. Sie waren kurz vor dem Ruhestand an Krebs oder mit einem Herzinfarkt gestorben. Laut Gutachter des Landeskriminalamtes könnte dabei giftiges Schwermetall eine Rolle spielen.

Unter anderem wurden die behandelnden Ärzte und Angehörige befragt. In Absprache mit Rechtsmedizinern könnte auch geprüft werden, ob die Leichen ausgegraben und nochmals untersucht werden. Anhand von Haarproben könnte das Schwermetall dann noch nachgewiesen werden.

( dpa )