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Massenevakuierungen

Wie schlimm wird es? Banges Warten auf Hurrikan „Florence“

Rund eine Million US-Bürger sind aufgerufen, sich vor „Florence“ in Sicherheit zu bringen. Der Hurrikan könnte noch an Stärke zulegen.

Eine Bewohnerin von Oak Island (North Carolina) verbarrikadiert ihr Haus – und versieht es mit einem Gruß an Hurrikan „Florence“.

Foto: RANDALL HILL / REUTERS

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Miami.  Hurrikan „Florence“ kommt der Südostküste der USA immer näher. Nachdem am Dienstag und Mittwoch von einem gefährlichen Hurrikan der Stufe 4 die Rede war, haben die US-Behörden „Florence“ nun aber herabgestuft – auf Stufe 2 von 5. „Florence“ soll in der Nacht zum Freitag oder am Freitagmorgen auf die Küste der Bundesstaaten North Carolina oder South Carolina treffen.

Die Stärke des Wirbelsturms werde sich nur noch geringfügig ändern, bis er auf Land treffe, hieß es. „Florence“ ist derzeit mit Windgeschwindigkeiten von etwa 175 Kilometern pro Stunde unterwegs. Die Behörde warnt dennoch weiterhin vor lebensbedrohlichen Sturmfluten und heftigen Regenfällen.

Warnungen für drei Bundesstaaten

Die Menschen warten schon seit Tagen auf die Ankunft des wohl heftigsten Wirbelsturms seit Jahrzehnten. Mehrere US-Bundesstaaten, die nationale Katastrophenschutzbehörde Fema, die US-Streitkräfte und Versorgungsunternehmen arbeiten rund um die Uhr, um sich für das Schlimmste zu wappnen.

Erste starke Winde könnten sich bereits von Donnerstagmorgen (Ortszeit) an in den Küstengegenden bemerkbar machen, wie auf einer Karte des Hurrikan-Zentrums in Miami zu erkennen war. Für beide Staaten sowie für Virginia gab das Hurrikan-Zentrum eine Warnung vor lebensbedrohlichen Sturmfluten und Regenfällen aus.

Mehr als eine Million Einwohner entlang eines 400 Kilometer langen Küstengebietes zwischen Charleston in South Carolina und Norfolk in Virginia sollten sich auf Anordnung der Behörden in Sicherheit bringen. Viele folgten offenbar dem Aufruf, denn die Behörden registrierten viel mehr Verkehr als normalerweise üblich, berichtete etwa Brenda Bethune, die Bürgermeisterin des Urlaubsortes Myrtle Beach in South Carolina.

Sturmfluten und Stromausfälle befürchtet

Die Behörden rechneten damit, dass insgesamt bis zu fünf Millionen Menschen ihre Häuser vorübergehend verlassen müssen. Die Prognosen der Meteorologen lassen Schlimmes befürchten: Sie warnen vor extremen Regenfällen, großflächigen Stromausfällen, lebensgefährlichen Sturmfluten und Überschwemmungen.

Dieses Boot hatte der Kraft des Sturms wenig entgegenzusetzen. Es wurde in einen Garten gespült.
Eine Frau trägt eine gerettete Katze durch eine überflutete Straße.
Teile der Bevölkerung wurden mit Booten vor den Fluten gerettet.
Ein überfluteter Friedhof in North Carolina.
Mit Rettungsbooten konnten Menschen in Sicherheit gebracht werden.
Ein Freiwilliger zieht ein Rettungsboot durch eine überflutete Straße.
In North Carolina haben die Aufräumarbeiten begonnen.
Vor einem Haus in North Carolina hat Sturm „Florence“ viel Unrat hinterlassen.
Als Hurrikan traf „Florence“ auf Land. Als die Windgeschwindigkeit nachließ, wurde er zu einem Tropensturm herabgestuft. Die Zerstörungskraft ist aber weiterhin groß. Wassermassen haben für Chaos gesorgt.
Ganze Straßenzüge standen unter Wasser, wie hier in Wilmington.
Bäumen fielen um und begruben Autos unter sich.
Auch Häuser wurden teils massiv beschädigt.
Viele Geschäfte schlossen vorsorglich früher – und konnten nicht mehr das gewohnte Produktsortiment anbieten.
Der Sturm schwemmte auch Boote von den Docks an Land.
Die Feuerwehr half Menschen, die sich nicht selbst aus ihren Häusern befreien konnten.
Dieses Bild zeigt, wie ein Boot neben einem Haus zwischen den Bäumen liegt. Mit peitschendem Regen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde traf „Florence“ auf die US-Ostküste.
Ein umgestürzter Baum liegt über einer Straße in Wilmington im US-Bundesstaat North Carolina. Eine Frau und ein Kleinkind kamen in ihrem Haus ums Leben.
Als eine der ersten Gegenden wurde der Nationalpark Outer Banks getroffen, eine vorgelagerte Insel im Bundesstaat North Carolina.
Unheil droht: „Florence“ wirbelt über dem Atlantik. Meteorologen sagen voraus, dass sich die Situation in den nächsten Stunden und Tagen drastisch verschlechtern könnte.
Auch New Bern in North Carolina wurde von einer Sturmflut getroffen. In zahlreichen Haushalten fiel bereits der Strom aus.
Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums in Miami bewegt sich der Wirbelsturm extrem langsam mit nicht einmal fünf Kilometern pro Stunde.
Bewohner des Ortes Belhaven in North Carolina haben die Fluten vor ihrem Haus gefilmt.
Das Rote Kreuz hat in Grantsboro eine Notunterkunft eingerichtet.
Millionen von Menschen haben sich in den vergangenen Tagen vorbereitet. Der Mann auf Pawley Island in der Nähe von Charleston verbarrikadierte ein Fenster seines Hauses.
„Hau ab, Florence“: Die Menschen hinterlassen dem Sturm Botschaften auf ihren Häusern.
Die Menschen sind aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Viele halten sich nicht an die Evakuierungsanordnung. Diese Betroffenen aber schon: Ed Coddington (2.v.r) und seine Frau Esther warten gemeinsam mit Markia McCleod (hinten), ihrer Tante Ernestine McCleod und ihrer Tochter Keymoni in einer Notunterkunft auf das Ende von „Florence“.
Selbst der deutsche Astronaut Alexander Gerst warnt aus der Internationalen Raumstation ISS vor dem riesigen Wirbelsturm. Aus dem All nahm Gerst dieses beeidruckende Bild auf.
„Macht euch bereit“ an der amerikanischen Ost-Küste, schrieb Gerst, „da kommt – kein Witz – ein Alptraum auf euch zu.“
Vorbereitungen auf den „Landfall“, den Moment, im dem der Sturm auf Land trifft.
Bis zu fünf Millionen Menschen könnten von schweren Regenfällen und lebensbedrohlichen Sturmfluten betroffen sein.
Den Meteorologen fällt es schwer vorherzusagen, welchen Weg „Florence“ nehmen wird. Diese Karte zeigt ein Modell.
An den Tankstellen herrscht Hochbetrieb. Die Menschen decken sich mit Benzin für Generatoren ein.
Einige Tankstellen sind bereits geschlossen.
„Dieser Hurrikan wird sehr stark sein, sogar stärker als das, was man in Jahrzehnten gesehen hat“, sagte US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit Journalisten im Weißen Haus in Washington. Die Sicherheit seiner Landsleute habe im Moment höchste Priorität. Trump forderte den US-Kongress auf, sich darauf vorzubereiten, eventuell Hilfsgelder zu genehmigen. Wegen des Hurrikans sagte er für Ende der Woche mehrere Wahlkampfauftritte ab.
Hamsterkäufe: Menschen kaufen Vorräte in einem Supermarkt in Wilmington (North Carolina) ein.
Schlange stehen für Propan-Gas.

Auf Fotos in US-Medien war zu sehen, wie fieberhaft Häuser verbarrikadiert wurden. US-Fernsehsender zeigten Bilder von leergekauften Supermarktregalen und langen Schlangen vor Tankstellen.

„Florence“ gilt als besonders starker Hurrikan. Binnen weniger Stunden war er Anfang der Woche von der Kategorie zwei auf vier hochgestuft worden. Besonders gefährlich seien allerdings nicht die Winde des Hurrikans, sondern die Sturmfluten, die er auslöse, zitierte CNN die Nationale Katastrophenschutzbehörde Fema.

„Sturmfluten haben das größte Potenzial, die größte Zahl an Menschen zu töten. Und sie haben das größte Zerstörungspotenzial“, hieß es dort. Die erwarteten Regenmassen zwischen 38 und 76 Zentimetern könnten ferner Flüsse über die Ufer treten lassen und Erdrutsche auslösen, warnte das Hurrikan-Zentrum.

Bundesstaaten riefen Notstand aus

Die drei besonders gefährdeten Bundesstaaten South Carolina, North Carolina und Virginia hatten vorsichtshalber bereits am Sonntag den Notstand ausgerufen, um sich für den Sturm zu wappnen. Am Dienstag tat dies die Bürgermeisterin von Washington D.C., Muriel Bower, auch für die US-Hauptstadt. Diese grenzt nördlich an Virginia an.

„Dieser Hurrikan wird sehr stark sein, sogar stärker als das, was man in Jahrzehnten gesehen hat“, sagte US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit Journalisten im Weißen Haus in Washington. Die Sicherheit seiner Landsleute habe im Moment höchste Priorität. Trump forderte den US-Kongress auf, sich darauf vorzubereiten, eventuell Hilfsgelder zu genehmigen. Wegen des Hurrikans sagte er für Ende der Woche mehrere Wahlkampfauftritte ab.

„Isaac“ bewegt sich auf die Karibik zu

Weiter südlich im Atlantik bewegt sich der Sturm „Isaac“ auf die Karibikinseln zu. Ungefähr 1500 Kilometer östlich von „Isaac“ tobt derzeit auch noch Hurrikan „Helene“ mit Windgeschwindigkeiten von 175 Kilometern pro Stunde im Atlantik. Wegen seines prognostizierten Nordkurses, der ihn in kältere Gewässer führt, birgt er aber kaum Gefahr, jemals Land zu erreichen.

Die Hurrikan-Saison hatte Anfang Juni begonnen. Die Tropenstürme im Atlantik und Pazifik werden jedes Jahr in alphabetischer Reihenfolge benannt. „Florence“ ist damit der sechste in dieser Saison - er hat sich allerdings Zeit gelassen auf seinem Weg an die Küste. Der Sturm „Gordon“, der sich erst nach „Florence“ gebildet hatte, war bereits Anfang September von Mexiko aus auf die Südküste der USA getroffen und hatte dort gewütet- ein Kind kam ums Leben. (dpa/sdo)