Patientenmissbrauch

Todesfall an der Uniklinik: Transplantations-Arzt in U-Haft

Der Leiter des Transplantations-Programms der Uniklinik Essen ist in U-Haft. Es geht um nicht erforderliche Operationen mit Todesfall.

Unruhige Zeiten für die Uniklinik Essen: Nach dem wochenlangen Streik wurde nun der Leiter des Transplantations-Programmes dem Haftrichter vorgeführt.

Unruhige Zeiten für die Uniklinik Essen: Nach dem wochenlangen Streik wurde nun der Leiter des Transplantations-Programmes dem Haftrichter vorgeführt.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Essen.  Die Staatsanwaltschaft Essen hat am Dienstag den Leiter des Transplantations-Programmes der Uniklinik Essen dem Haftrichter vorgeführt. Hintergrund sind die seit vergangenem Jahr laufenden Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Transplantationsgesetz.

Wie die Staatsanwaltschaft Essen jetzt mitteilt, soll es an sechs Patienten medizinisch nicht indizierte Lebertransplantationen gegeben haben. Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen sei der Beschuldigte im Jahr 2014 selbst an einer solchen Operation beteiligt gewesen, „die zum Tode des Patienten geführt haben soll“. Der Mediziner, der die Vorwürfe zurückweist, befindet sich nun in Untersuchungshaft.

Verstöße gegen das Transplantationsgesetz

Bereits im vergangenen Jahr hatte die zuständige Prüfungs- und Überwachungskommission der Uniklinik vorgeworfen, zwischen 2012 und 2015 bei Leber-Transplantationen „willentlich und systematisch“ gegen die Richtlinien verstoßen zu haben.

So sei etwa bei Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose die vorgeschriebene sechsmonatige Alkoholabstinenz nicht eingehalten worden. Die Ermittlungen richteten sich namentlich gegen den jetzt in U-Haft genommenen Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Die Klinik wies die Vorwürfe im vergangenen Jahr zurück und sprach dem Mediziner das „uneingeschränkte Vertrauen“ aus.

Am Dienstag teilte das Uniklinikum mit, dass der Arzt dem Haftrichter vorgeführt worden sei. „Aufgrund des laufenden Verfahrens können wir zum derzeitigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen“, erklärte ein Sprecher. Man werde aber zur Aufklärung der Vorwürfe „vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft Essen kooperieren“.

Mit Organspenden und -transplantationen befasste sich zuletzt Gesundheitsminister Jens Spahn, der sich dafür stark macht, dass künftig jeder Deutsche automatisch Spender sein soll .

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.