Gewalt

Tötungsfall in Chemnitz: Polizei sucht dritten Verdächtigen

Zwei Tatverdächtige sitzen nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in Untersuchungshaft. Nun sucht die Polizei einen weiteren Mann.

Ein Foto des Opfers steht am Tatort zwischen zahlreichen Blumen und Kerzen. Am 26. August 2018 war in Chemnitz ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden.

Ein Foto des Opfers steht am Tatort zwischen zahlreichen Blumen und Kerzen. Am 26. August 2018 war in Chemnitz ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Dresden.  Nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz vor mehr als einer Woche sucht die sächsische Polizei nach einem weiteren Tatverdächtigen. Zwei Männer sitzen bereits in Untersuchungshaft, nun wird ein dritter Mann gesucht.

„Das Amtsgericht Chemnitz hat heute Vormittag diesen Haftbefehl erlassen“, sagte der sächsische Generalstaatsanwalt Hans Strobl am Dienstag im sächsischen Landtag. Das Amtsgericht habe eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mann angeordnet. Der Gesuchte sei ein Asylbewerber aus dem Irak.

Herkunft der Festgenommenen immer noch ungeklärt

Am Rande des Chemnitzer Stadtfestes hatten mehrere Männer auf den 35-Jährigen Daniel H. eingestochen, der wenig später starb. Zwei Männer wurden festgenommen . Ihre Herkunft ist bis heute ungeklärt. Bisher hatten die Behörden die beiden als Iraker und Syrer bezeichnet.

Aufgeheizte Stimmung bei AfD-Demo in Chemnitz

Das Bundesinnenministerium teilte jedoch am Dienstag mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 „im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt“ worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. „im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens“ zu verifizieren.

65.000 Menschen kamen zum Gratiskonzert

Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als „Totalfälschungen“ entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bamf lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt, allerdings ist die Ablehnung noch nicht rechtskräftig.

"Wir sind mehr" – so feierten 65.000 Menschen gegen Rechts

Nach dem Tod war es in Chemnitz zu - teils gewaltsamen – Protesten gekommen, vor allem von rechten Gruppierungen. Als Reaktion darauf hatten mehrere Musiker am Montagabend zu einem Gratis-Konzert in die Stadt geladen. 65.000 Menschen waren gekommen. (dpa/sdo)