Rassismus

Grönemeyer tritt bei Festival in Jamel gegen Rechts auf

Grönemeyer, Bosse, Kettcar: Viele deutsche Bands traten am Wochenende auf einem Festival in Jamel auf, das sich gegen Rechte richtet.

Herbert Grönemeyer spielt auf dem Open-Air-Musikfestival "Jamel rockt den Förster“.

Herbert Grönemeyer spielt auf dem Open-Air-Musikfestival "Jamel rockt den Förster“.

Foto: Danny Gohlke / dpa

Jamel.  Bekannte Stars haben am Wochenende das Rockfestival „Jamel rockt den Förster“ gegen Rechts in Jamel (bei Wismar) unterstützt: Nach Herbert Grönemeyer am Freitag sind am Samstag Bosse, Antilopen Gang und Muff Potter aufgetreten.

Es gehört zur Tradition des Festivals, dass die Bands vorab nicht bekanntgegeben werden. Damit wollen die Organisatoren Birgit und Horst Lohmeyer den politischen Charakter der Veranstaltung betonen. Vor 1200 Zuschauern spielten in diesem Jahr außerdem Kettcar, Kafvka sowie Marteria gemeinsam sowie Casper, Tequila and the Sunrise Gang und Fatoni.

Kann nicht sein, dass man Rettungen im Mittelmeer debattiert

„Rechts geht nicht, wir wollen es nicht“, sagte Herbert Grönemeyer, bevor er Songs wie „Die Härte“ und „Mensch“ sang. Er wolle den Veranstaltern den Rücken stärken und ein Signal setzen.

Es sei noch nie so wichtig gewesen, laut gegen Rechts zu sein, sagte der 62-Jährige: „Das Land ist nervös, die Zeiten sind nervös und wir müssen lernen, Haltung zu zeigen, den Mund aufzumachen und laut zu werden, richtig laut zu werden, damit die rechte Szene merkt: Das ist hier nicht gewollt“.

Grönemeyer äußerte sich auch zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer und Widerständen dagegen: „Es kann nicht sein, dass man darüber debattiert, ob man Menschen, die in Lebensgefahr schweben, rettet. Das muss man sich mal vorstellen im Kopf, wo wir gelandet sind!“ Dass darüber überhaupt diskutiert werde, halte er für ein Verbrechen, und diejenigen, die die Seenotrettung in Frage stellten, gehörten vor Gericht. „Ist mir wurscht, wer das ist, ob das ein Teil der Bundesregierung ist. Nur weil sie in der Bundesregierung sind, heißt das ja nicht, dass sie alle ganz klar im Kopf sind.“

Manuela Schwesig besucht Festival

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kam nach Jamel, sie war Schirmherrin des Festivals. Eine sehr große Mehrheit der Bürger wolle in einem demokratischen und offenen Land leben, in dem Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Hass keinen Platz haben, sagte Schwesig. Jeder könne einen kleinen Beitrag dazu leisten. „Darum möchte ich alle Bürgerinnen und Bürger herzlich bitten. Hier in Jamel und überall sonst in unserem Land.“

Jamel hat große Probleme mit Rechtsradikalismus

Das zweitägige Festival fand zum 12. Mal statt. Die 1200 Festivaltickets waren seit Februar ausverkauft. Das nicht-kommerzielle, ehrenamtlich organisierte Festival solle in erster Linie zeigen, wie man sich entspannt und gewaltfrei für Demokratie und gegen Rechtsradikalismus und -populismus aussprechen kann. In den vergangenen Jahren waren unter anderem Die Toten Hosen, Die Ärzte, Fettes Brot und Kraftklub aufgetreten.

Das Festival wurde im Jahre 2007 von Birgit und Horst Lohmeyer ins Leben gerufen. Ziel ist es nach Angaben des Ehepaars zu zeigen, wie sich eine gezielte Besiedelung durch Neonazis auf das Gemeinwesen auswirkt, welche Gefahren von rechtsextremer Agitation ausgehen und dass sich jeder Einzelne gegen die Unterwanderung gesellschaftlicher Bereiche durch Neonazis zur Wehr setzen kann.

40 Einwohner-Dorf bei Wismar

Das Künstlerpaar Lohmeyer war 2004 von Hamburg nach Jamel gezogen und wehrt sich seit Jahren gegen die rechtsextreme Szene in dem 40-Einwohner-Dorf bei Wismar. Dafür wurden die Lohmeyers bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. (epd)

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