Unglück

Ausflug endet mit zehn Toten: „Das Wasser riss alles mit“

Als ein Fluss durch starken Regen binnen kurzer Zeit anschwoll, saß eine Wandergruppe in der Falle. Zehn Menschen starben in Süditalien.

Rettungskräfte sind in der Unglücksschlucht in Italien im Einsatz.

Rettungskräfte sind in der Unglücksschlucht in Italien im Einsatz.

Foto: Francesco Arena / dpa

Civita.  Bei einer plötzlichen Sturzflut in einer Schlucht in Süditalien sind mindestens elf Ausflügler ums Leben gekommen. Dies berichtete der italienische Zivilschutz am Dienstagmorgen.

Sechs Menschen seien verletzt, ein Kind sei wegen Unterkühlung ins Krankenhaus geflogen worden. Insgesamt wurden 23 Menschen gerettet, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Präfektur berichtete.

Das Unglück ereignete sich in der Raganello-Schlucht nahe der Berggemeinde Civita in der Region Kalabrien. Starker Regen hatte den Fluss in der Schlucht anschwellen lassen, berichteten italienische Medien. Die Ausflügler, die laut italienischen Medien aus den Städten Mailand, Bergamo und Brescia stammen, seien von dem Hochwasser überrascht und teilweise mitgerissen worden.

„Das Wasser hat alles mitgerissen, was es finden konnte, leider auch Menschen“, sagte Domenico Gioia, der für die italienische Vereinigung AIGAE Exkursionen durch Kalabrien führt und sich am Dienstag nahe der Einsatzstelle in der Berggemeinde Civita befand.

Einige Wanderer konnnten sich an Klippen klammern

Unter den Vermissten könnten auch Kinder sein, berichtete Ansa unter Berufung auf die Rettungskräfte. Wie viele Menschen sich genau in der Schlucht befanden, war unklar. Zwar werden dort geführte Touren angeboten. Der Canyon im Nationalpark Pollino ist aber frei zugänglich.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte am Montag spielten sich dramatische Szenen ab. „Wasser, Schlamm, Geröll. Und mittendrin die Körper der Ausflügler. Unsere Männer wussten sofort, dass hier etwas Schreckliches passiert ist“, erzählte Guido Umile von der Bergrettung dem „Corriere della Sera“. „Die enormen Wassermassen wurden in die Schlucht geleitet und kamen mit vernichtender Kraft.“

„Wir hörten ein Donnern, gleich danach stürzte eine Wassermauer hinunter, die uns wegriss“, zitierte die Zeitung eine Italienerin, die gerettet wurde. „Ich habe es geschafft, mich an einem Baum festzuhalten, aber ich sah Körper, die mit wahnsinniger Gewalt fortgespült wurden.“

Einige der Geretteten und der Toten waren nach früheren Angaben von Ansa in einer Gruppe unterwegs gewesen. Die Tageszeitung „La Repubblica“ berichtete online, dass es einigen gelungen sei, sich an den Klippen in Sicherheit zu bringen.

Die Raganello-Schlucht liegt im malerischen Nationalpark Pollino. Die Felswände ziehen sich bis zu 400 Meter hoch, doch der Zugang zur Schlucht ist stellenweise einfach und wird nicht kontrolliert.

Der Canyon ist der Gemeinde Civita zufolge 13 Kilometer lang und mit glasklarem Wasser und spektakulären Felsformationen ein beliebter Ausflugsort für Touristen. Die Schlucht ist einem privaten Touren-Anbieter zufolge bis zu 400 Meter tief.

(dpa)