Naturgewalt

Dutzende Tote bei schwerem Beben auf Urlaubsinsel Lombok

Vor Indonesien hat die Erde gebebt. Das Beben der Stärke 6,9 verursachte auf Lombok und Bali Schäden. Die Zahl der Toten steigt weiter.

Das Erdbeben hat auf der indonesischen Insel Lombok schwere Schäden angerichtet.

Das Erdbeben hat auf der indonesischen Insel Lombok schwere Schäden angerichtet.

Foto: Tatan Syuflana / dpa

Jakarta.  Die indonesische Ferieninsel Lombok ist am Sonntagabend (Ortszeit) von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Das Beben hatte eine Stärke von 6,9. Die Zahl der Todesopfer ist am Montag sprunghaft gestiegen. Mindestens 98 Menschen kamen bei der Naturkatastrophe ums Leben, wie die Katastrophenschutzbehörde des Landes mitteilte.

„Das ist ein vorläufiger Bericht. Wir gehen davon aus, dass die Zahl noch steigen wird, wenn unsere Such- und Hilfsmannschaften alle Teile von Lombok erreicht haben.“ Ein Sprecher der zuständigen Provinzbehörde hatte zuvor im TV-Sender Metro TV von mindestens 142 Toten gesprochen. Mehrere Hundert Menschen wurden verletzt, Tausende flohen in Panik aus ihren Häusern.

Merkel spricht indonesischem Präsidenten Beileid aus

Die meisten Opfer waren durch herabfallende Trümmerteile erschlagen worden. Zudem gab es auf der Nachbarinsel von Bali mehrere Hundert Verletzte. Es war das zweite Beben innerhalb einer Woche.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Indonesiens Präsident Joko Widodo ihr Beileid aus. Mit großer Bestürzung habe sie von den beiden Erdbeben erfahren.

Lombok, die kleinere Nachbarinsel von Bali, war erst vor einer Woche von einem Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert worden. Dabei waren 16 Menschen getötet und mehr als 350 Menschen verletzt worden. Die Stärke des neuen Bebens vom Sonntag hatte die indonesische Behörde für Wetter, Klima und Geophysik zunächst mit 7,0 angegeben und später auf 6,9 korrigiert. Auch die US-Erdbebenwarte USGS führte die Stärke mit 6,9. Am Montag gab es immer wieder kräftige Nachbeben.

Bisher keine Hinweise auf deutsche Opfer

Das neue Beben hatte die Insel gegen 19.46 Uhr Ortszeit am Sonntag erschüttert. Das Zentrum lag rund 18 Kilometer nordwestlich des Bezirkes East Lombok in etwa 15 Kilometern Tiefe, wie die Behörden mitteilten. Die größten Schäden richteten die Erdstöße an der Nordküste an. Auch die Hauptstadt Mataram wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Süden und der Westen, wo sich die meisten Urlauber aufhalten, ist weniger betroffen.

Unklar war weiter, ob ausländische Touristen unter den Todesopfern sind. Hinweise, dass auch Deutsche zu Schaden kamen, gab es zunächst nicht. Das Auswärtige Amt teilte mit: „Nach bisherigen Erkenntnissen sind keine Deutschen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden.“ Nach Angaben des Pariser Außenministeriums wurden vier Franzosen als verletzt gemeldet. Das Ministerium richtete einen Krisenstab ein und schickte Konsularmitarbeiter zum Flughafen von Lombok, um französischen Urlaubern zu helfen.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Immer wieder bebt dort die Erde oder es brechen Vulkane aus. Lombok galt lange Zeit als Geheimtipp für Leute, denen Bali zu touristisch geworden war. Inzwischen sind aber auch dort viele Urlauber unterwegs.

Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien – meist ohne Licht, weil durch das Beben auch zahlreiche Stromleitungen gekappt waren. „Wir sammeln uns hier im Dunkeln ohne Strom. Jeder ist draußen im Freien“, sagte der Distriktchef von Nord-Lombok, Najmul Akhyar. Viele Schulen blieben am Montag geschlossen, weil nicht klar war, ob die Gebäude noch sicher sind.

Tsunami-Warnung wieder aufgehoben

Von den kleineren Gili-Inseln wurden mehrere Hundert Urlauber mit Booten in Sicherheit gebracht, zunächst nach Lombok. Von dort aus wollten die meisten die Insel dann mit dem Flugzeug Richtung Heimat verlassen. Es gab auch Urlauber, die innerhalb einer einzigen Woche gleich zwei schwere Beben miterlebten.

An der Nordküste Lomboks wurde zudem eine kleine Tsunamiwelle von 13 Zentimetern Höhe registriert. Der Katastrophenschutz rief die Bevölkerung zunächst auf, Meeresküste und Flussufer zu meiden. Daraufhin flohen viele Menschen auf höher gelegene Gebiete im Inselinneren. Die Tsunami-Warnung wurde nach einigen Stunden jedoch wieder aufgehoben.

Das Beben war auch auf Bali zu spüren. Dort rannten Urlauber in Panik aus ihren Hotels. Nach Medienberichten wurden das Gebäude des internationalen Flughafens Ngurah Rai sowie zwei Einkaufszentren in der Stadt Ubud, die im Inselinneren liegt, beschädigt. Der Flugbetrieb ist nach Angaben der Behörden von dem Beben aber nicht beeinträchtigt. Präsident Widodo versprach den Opfern finanzielle Hilfe.

Ministerkonferenzen abgesagt

Twitter-Nutzer wie US-Model Chrissy Teigen sendeten aufgeregte Tweets aus Bali. Der Korrespondent des australischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ABC, David Lipson, berichtete von den Schäden an Balis Flughafen. Auch im Osten Javas war das Beben deutlich zu spüren.

Wegen des Bebens wurden auch zwei Konferenzen mit Ministern aus Nachbarländern abgesagt, die am Montag auf Bali und Lombok beginnen sollten. Alle bereits angereisten Gäste seien sicher und unversehrt, hieß es von offizieller Seite. Unter ihnen befindet sich auch die australische Außenministerin Julie Bishop. Auf Bali soll Mitte Oktober eine große Tagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank stattfinden. (dpa/rtr)

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