Elektro-Festival

Parookaville polarisiert mit Kleinwüchsigen hinter „Minibar“

Auf dem Festival Parookaville werden Kleinwüchsige hinter der Bar „Kurze“ servieren. An dem Konzept entzündet sich erwartbare Kritik.

Das Parookaville-Festival wird im Vorfeld heftig kritisiert.

Das Parookaville-Festival wird im Vorfeld heftig kritisiert.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Weeze.  Das Elektro-Festival Parookaville in Weeze hat mit seinem Showkonzept einen Nerv bei den Musik-Fans getroffen. In der fiktiven Stadt mit täglich 60.000 Besuchern gibt es ab Freitag Rathaus, Kirche, Postamt, Polizeistation, Gefängnis, zehn Bühnen und erstmals den „Wacky Shack“-Bunker.

Der 150 Personen fassende „Club ohne Regeln“ wird allerdings im Vorfeld heftig kritisiert. In dem Bunker soll es eine Minibar geben, hinter der kleinwüchsige Menschen die Gäste bedienen. Serviert werden nur „Kurze“.

„Menschen auf ihre Behinderung reduziert“

Darüber kann Michel Arriens vom Bundesverband „Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien“ (BKMF) gar nicht lachen: „Hier werden die Menschen auf ihre Behinderung und Körpergröße reduziert und unsere jahrelange Arbeit für Akzeptanz und vollwertige Inklusion torpediert.“ Bedenklich sei die Außenwirkung vor allem bei kleinwüchsigen Jugendlichen, die sich noch in der Selbstfindungsphase befinden.

Die Kritik weist der Veranstalter entschieden zurück und hält an der Minibar fest. „Wir freuen uns sogar, dass wir damit eine Kontroverse losgetreten haben“, sagt Parookaville-Sprecher Philipp Christmann. Er betont, dass niemand zur Schau gestellt werde. Stattdessen würde der Bunker den Horizont erweitern: „Hier können Besucher sehen, dass man auch humorvoll mit dem Thema umgehen kann.“ So wird die Theke an die Größe der Barkeeper angepasst. Wer etwas bestellen möchte, muss sich zu den Kleinwüchsigen herunterbeugen.

„Wir wollen zeigen, dass auch Kleinwüchsige Künstler sein können. Dabei bedienen wir uns auch unserer Einzigartigkeit, unseres Körpers“, erklärt Peter Gatzweiler, der mit seinem Team von Kleinwüchsigen die Minibar betreiben wird. „Dieser verrückte Bunker mit Statisten, Artisten und Konfetti ist ein Highlight in der Festivalstadt“, sagt Bernd Dicks. Der Mitorganisator hätte „nie gedacht, dass die Minibar als anstößig empfunden werden könnte“.

Ordnungsamt soll Einsatz der Kleinwüchsigen prüfen

Dass Kleinwüchsige diese Aktion auf dem Festival freiwillig mitmachen, spielt aus Sicht des BKMF keine Rolle. „Die Menschenwürde als Grundrecht steht über dem Recht auf freie Berufswahl und der Kunstfreiheit“. Wenn Kleinwüchsige auf dem Festival als normale Barkeeper arbeiten würden, fände Arriens das „fantastisch“. „Hier werden sie aber nicht wegen ihrer Fähigkeit Cocktails zu mixen, sondern wegen der Biologie ihres Körpers eingesetzt.“

Deshalb hat der Verband das Ordnungsamt Weeze gebeten, die Minibar auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen. „Uns wurde zugesagt, dass sich Mitarbeiter den Bereich genau ansehen und ob dort Personen zur Schau gestellt werden“, so Arriens.

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