Suizid

Familiendrama: Mutter tötet Töchter und dann sich selbst

Im Ruhrgebiet sind eine Mutter und zwei Töchter tot in ihrem Haus aufgefunden worden. Die Polizei geht von einem erweiterten Suizid aus.

Die Polizei sperrte die Straße rund um den Tatort ab. In der Gegend gibt es viele kleinere und größere Einfamilienhäuser.

Die Polizei sperrte die Straße rund um den Tatort ab. In der Gegend gibt es viele kleinere und größere Einfamilienhäuser.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim an der Ruhr.  Mittagszeit, ein eigentlich herrlicher Sommertag. Die Ferien haben begonnen. Auf der Straße Lindenhof in Mülheim an der Ruhr herrscht wohltuende Stille. Sie täuscht: Ein schreckliches Familiendrama hat sich dort am Dienstag in einem Wohnhaus im Stadtteil Saarn ereignet. Die Polizei hat in einer Wohnung drei tote Menschen gefunden. Dabei handelt es sich nach Angaben des Polizeisprechers Ulrich Faßbender um eine dort lebende 36-jährige Mutter und ihre beiden Kinder, zwei Mädchen im Alter von drei und neun Jahren.

Die Töchter seien „gewaltsam zu Tode gekommen“, so Faßbender. Beim Tod der Mutter sei dagegen „nicht von einem Fremdverschulden auszugehen“. Die 36-Jährige könnte erst ihre beiden Kinder getötet und dann sich selbst das Leben genommen haben. Ermittler sprechen in solchen Fällen von einem sogenannten erweiterten Suizid. Der genaue Tathergang wird noch ermittelt.

Keine Angaben zu den genauen Todesumständen

Zu den genauen Todesumständen der Mädchen und ihrer Mutter machte die Polizei keine weiteren Angaben. Alarmiert wurde die Feuerwehr um 13.11 Uhr. Den Fundort sperrte die Polizei daraufhin ab. Sie war mit zahlreichen Beamten im Einsatz. Möglicherweise habe sich das Drama erst kurze Zeit vor der Alarmierung der Rettungskräfte abgespielt. Das sei aber noch Gegenstand der weiteren Ermittlungen der Mordkommission, so der Polizeisprecher. Die Leichen sollen in den kommenden Tagen obduziert werden.

Der Lindenhof um 14 Uhr. Die Straße rings um den Tatort ist abgesperrt. Es ist eine reine Wohngegend. Kleine und größere Einfamilienhäuser, von schönen Gärten umgeben, reihen sich aneinander. Es ist ein begehrtes Quartier, der Wald ist nicht weit, die Geschäfte sind fußläufig zu erreichen. Viele Ältere lebten hier, aber immer mehr auch jüngere Familien mit Kindern, berichtet einer der Nachbarn und zeigt Richtung Kindergarten. Er ist einer der wenigen Anwohner, die mal kurz ihr Haus verlassen haben. „Ich komme gerade aus der Kur – und direkt so etwas Schreckliches. Unfassbar“, sagt der Mann und verschwindet wieder.

Familiendrama macht die Nachbarn fassungslos

Drei Häuser neben dem Gebäude, in dem die Leichen gefunden wurden, sitzt ein Mann mit seinem Sohn draußen auf der Stufe zum Eingang und wischt sich Tränen aus den Auge. „Ja, wir haben die Familie gekannt. Nette Leute“, sagt er und berichtet, dass die Familie schon sehr lange dort lebe. Der Sohn gehe mit einer der Töchter gemeinsam auf die Saarnberg-Schule in Mülheim an der Ruhr . Das sei alles unfassbar.

Zwei Beamte der Kriminalpolizei kommen, sie gehen zu den Nachbarn. Ermittlungen. Gibt es Erklärungen für die Tat? Gab es vielleicht Auffälligkeiten in den vergangenen Tagen?

Das DRK fährt mit einen Notfallseelsorger vor, immer mehr Fernsehteams umlagern die Absperrungen auf der Straße. Wie sind die Kinder getötet worden? Das wird immer wieder gefragt. Die Polizei will auch nach der Tatortbegehung noch keine Angaben machen. Ein Gerichtsmediziner ist im Haus.

Großmutter soll die Leichen entdeckt haben

Und der Vater? Der sei jetzt auch vor Ort in der Wohnung, so Faßbender. Notfallseelsorger der Feuerwehr kümmern sich um den Mann. Die Mutter soll alleinerziehend gewesen sein. Der Stadt oder dem Jugendamt war die Familie nicht bekannt. „Eine unauffällige Familie“, sagen die Nachbarn.

Es soll die Großmutter gewesen sein, die die Frau und die beiden Kinder entdeckt und dann zunächst die Feuerwehr alarmiert hat. Als die Rettungskräfte in der Wohnung eintrafen, konnten sie aber nur noch den Tod der drei Menschen feststellen. Die Leichen werden abtransportiert. Mehr, sagt Ulrich Faßbender, könne man derzeit zu dem Drama noch nicht sagen. Die Retter verlassen den Ort. Mittagszeit am Lindenhof. Ein stiller Ort.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Dieser Artikel ist zuerst auf www.waz.de erschienen.