Medizin

Russische Musikerin spielt während eigener Hirn-OP Querflöte

Sie spielte „Mozarts kleine Nachtmusik“ – während einer Operation an ihrem Hirn. Jetzt sprachen Ärzte und Patientin über den Eingriff.

Psychologin Karla Zaar, Patientin Sofia Pinaeva, der Leiter des Wach-OP-Teams, Gord von Campe, und Michael Mokry, Vorstand der Universitätsklinik für Neurochirurgie am LKH Graz (v.l.) erklärten das Prozedere bei der OP.

Psychologin Karla Zaar, Patientin Sofia Pinaeva, der Leiter des Wach-OP-Teams, Gord von Campe, und Michael Mokry, Vorstand der Universitätsklinik für Neurochirurgie am LKH Graz (v.l.) erklärten das Prozedere bei der OP.

Foto: Erwin Scheriau / dpa

Graz.  In Österreich hat eine Patientin während ihrer eigenen Hirn-OP unter anderem Mozarts „Kleine Nachtmusik“ auf der Querflöte gespielt. Die Russin Sofia Pinaeva gab bei dem Eingriff im Universitätsklinikum Graz zudem Stücke von Johann Sebastian Bach und Sergei Sergejewitsch Prokofjew zum Besten, wie es bei einer Pressekonferenz am Mittwoch hieß.

Für die behandelnden Ärzte war das kleine Konzert während der Hirn-OP eine Premiere. „Eine Wach-OP ist die einzige Möglichkeit, so viel Tumor wie möglich zu entfernen und dabei keine Hirnfunktionen des Patienten zu opfern“, sagt der Leiter des Wach-OP-Teams, Gord von Campe.

Ärzte kontrollieren während OP Hirnfunktionen

Bei dieser OP-Form werde der Patient während der Operation für bis zu zwei Stunden aus der Vollnarkose geweckt. „In dieser Phase testen wir, wie der Patient reagiert, wenn wir sein Gehirn mit elektrischen Impulsen stimulieren. Durch die direkte Kommunikation mit dem Patienten können wir wichtige Hirnfunktionen wie die Sprache überprüfen“, erklärt der Neurochirurg.

Im Fall der Musikerin sei es besonders wichtig gewesen, ihre feinmotorischen Fähigkeiten und ihren Sehsinn in vollem Umfang zu erhalten, damit sie weiter als Musiklehrerin und Fotografin arbeiten kann. Die Ärzte operierten bereits vor einen Jahr, wollten aber den Genesungsprozess abwarten, bevor Bilder und Videos der Operationen veröffentlich werden.

Plan B: Während OP Blockflöte statt Querflöte spielen

Vor dem Eingriff hatte das Ärzteteam Bedenken, dass durch das Spiel des Blasinstruments der Druck auf das Hirn zu groß werden könnte. „Als Plan B hatten wir zusätzlich noch eine Blockflöte im OP-Saal liegen“, so der Arzt. Die Operation Pinaevas verlief jedoch problemlos. „Es gab einen Zwischenfall: Ich hab mich einmal verspielt“, sagte die Musikerin. (dpa)

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