Frankenthal

Sie verhöhnten ihre Opfer

Drei ehemalige Pfleger eines Altenheims zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie haben Senioren gequält und getötet

Frankenthal. Sie haben hilflose Senioren ermordet und sich über die Opfer lustig gemacht. Zum Verhängnis wurde den Tätern letztlich ihr Mitteilungsbedürfnis. Immer wieder haben sich die drei Kollegen WhatsApp-Nachrichten geschrieben und sich gegenseitig angefeuert bei ihren Verbrechen. Sogar Videos haben sie sich geschickt, die zeigen sollen, wie sie ihre betagten Opfer quälen. Wegen dieser Beweise war es dem Landgericht Frankenthal nun möglich, harte Urteile zu verhängen: Die drei Angeklagten müssen wegen zwei Morden, gefährlicher Körperverletzung, sexuellen Missbrauchs und weiterer Vergehen an Heimbewohnerinnen lebenslang in Haft. Außerdem stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest.

Im Mittelpunkt der Verhandlung standen drei ehemalige Mitarbeiter eines Seniorenheims im pfälzischen Lambrecht: eine 27-jährige Altenpflegerin sowie zwei Pflegehelfer im Alter von 25 und 49 Jahren. Der Prozess zeigte, auf welche Weise sie hilflose Menschen erniedrigten. Eine demente Frau wurde gezwungen, Urin zu trinken. Einer der Täter kämmte einer weiteren Frau eine Hitlerfrisur und malte ihr mit Lippenstift das typische Bärtchen an. Dann fotografierte er die Dame und schickte das Bild per Handy an seine beiden Kumpanen. Dazu schrieb er: „Hitler lebt!“

Die erschreckenden Details machten Prozessbeobachter fassungslos. Nicht nur, dass sie mehrere Schutzbefohlene „gewerbsmäßig“ bestahlen, wie es die Anklage formulierte. Im Gerichtssaal wurde ein Video gezeigt, auf dem einer Frau so lange Gebäck ins Gesicht geworfen wurde, bis sie blutete. „Sadistische Züge“ attestierte Richterin Eva van Daele-Hunt den Angeklagten. Die nahmen das Urteil beinahe ungerührt auf.

Es blieb nicht bei Misshandlungen. Ende 2015 beschloss das Foltertrio, eine 85-jährige Demenzpatientin zu töten. Der 25-Jährige spritzte ihr über Stunden hinweg Insulin und hielt die anderen beiden Mitarbeiter per Chat auf dem Laufenden. Als die Frau nicht starb, erstickte er sie mit einem Kissen. „Es klebt nun Blut an unseren Händen“, schrieben sich die Täter mit offensichtlichem Stolz auf ihre Taten. „Wir sind jetzt besonders verbunden.“ Den zweiten Mord verübten die beiden Männer zusammen an einer 62-Jährigen – wieder spritzten sie zu viel Insulin. In einem weiteren Fall blieb es beim Mordversuch: Einer 89-Jährigen verabreichten sie Morphin und Insulin, die Seniorin überlebte den Angriff jedoch.

Was trieb das Trio zu dieser Gewaltorgie? Im Seniorenhaus „Lambrechter Tal“, einer freundlich wirkenden Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) mit 130 Plätzen und gelb und hellrot gestrichener Fassade, sind sie fassungslos über die Taten. Markus Broeckmann, Geschäftsführer des zuständigen Awo-Bezirksverbandes, erklärte, das Trio sei bei Bewohnern und Kollegen sehr beliebt und fachlich gut gewesen. Unter den rund 110 Mitarbeitern des Heims hätten die Taten großes Entsetzen ausgelöst.

Eine Kollegininformierte die Heimleitung

Die Angeklagten sprachen von persönlichen Problemen. Ein Gutachter erkannte jedoch keine schwere psychia­trische Erkrankung. Der 25-jährige Pflegehelfer hat zwar gestanden, die 85-Jährige erstickt zu haben, nannte aber kein Motiv. Der Staatsanwalt geht von Langeweile aus, die Richterin sagte in der Urteilsbegründung: „Es ging ihnen darum, ihr Machtgefühl und ihr Geltungsstreben zu befriedigen.“ Dass sie überhaupt gefasst wurden, ist einer weiteren Kollegin zu verdanken, die von den Handyaufnahmen erfuhr und die Heimleitung einschaltete.

Womöglich haben die Pfleger noch mehr Menschen getötet. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal untersucht weitere 38 Todesfälle zwischen Dezember 2015 und September 2016. Sollten sich die Hinweise erhärten, würde erneut Anklage erhoben. Erschwerend wirkt sich jedoch aus, dass viele Menschen, die in der Lambrechter Seniorenresidenz verstorben sind, nach dem Tod verbrannt wurden.

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