Polizeieinsatz

Sechsjährige stirbt in Klinik – Großfamilie bedroht Ärzte

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Vor dem Kölner Universitätsklinikum musste die Polizei zeitweise den Klinikbetrieb gewährleisten.

Vor dem Kölner Universitätsklinikum musste die Polizei zeitweise den Klinikbetrieb gewährleisten.

Foto: Chai von der Laage

Ein Mädchen in Köln stirbt nach einer Operation. Die Großfamilie will den Chefarzt zur Rechenschaft ziehen – die Polizei muss anrücken.

Köln/Berlin.  Wer trägt die Verantwortung für den Tod eines sechsjähriges Mädchens, das in der Kölner Uniklinik am Herz operiert wurde und einen Tag später starb? Seine Angehörigen waren sich offenbar sicher: der Chefarzt ist schuld. Dieser sah sich kurz nach dem Tod des Mädchens mit 200 Mitgliedern einer serbischen Großfamilie konfrontiert – und bedroht, wie der „Express“ berichtet.

Die sechsjährige Tochter der Familie war in dem Krankenhaus am Mittwoch wegen eines angeborenen Herzfehlers operiert worden. Am darauffolgenden Tag soll es jedoch zu Komplikationen gekommen sein, das Mädchen starb.

Vater bedrohte behandelnde Ärzte auf der Station

Für die Familie ist das offenbar nicht nachvollziehbar. Ein Onkel des Mädchens hatte laut Medienberichten gesagt, der Chirurg sei nach der Operation des Mädchens optimistisch gewesen. „Die Kleine wurde zum vierten Mal am Herz operiert. Er sagte, dass alles gut verlaufen sei“, berichtete der Mann dem „Express“.

Die Angehörigen des Mädchens verlangen nun, dass der Tod des Kindes untersucht wird. Doch das war ihnen offenbar nicht genug. Kurze Zeit nach der Nachricht vom Tod des Kindes reisten zahlreiche ihrer Angehörigen aus ganz Deutschland nach Köln an. Rund 200 Familienmitglieder versammelten sich am Freitag zeitweise vor der Uniklinik. Der 54-jährige Vater des Kindes bedrohte auf der Station die behandelnden Ärzte und den Chefarzt der Kinderkardiologie mit dem Tod. Gegen den Mann wurde Strafanzeige wegen Bedrohung gestellt.

Die Polizei musste ausrücken und das Krankenhaus-Gebäude zeitweise bewachen, um den Klinikbetrieb sicherzustellen. Am Freitagnachmittag verließ die Familie schließlich das Gelände. Wie ein Sprecher der Kölner Polizei „TAG24“ sagte, hätten sich die Mitglieder des Clans draußen ruhig verhalten.

Sprecher der Kölner Uniklinik: „Wir hatten keine andere Wahl“

Dass Betroffene oder Angehörige derartig schmerzhafte Botschaften zum Teil kaum verkraften und überreagieren, dafür hat das Klinikpersonal Verständnis. „Wir haben regelmäßig mit Menschen in schicksalhaften Ausnahmesituationen zu tun, die schnell emotional werden können“, sagte Christoph Wanko, stellvertretender Pressesprecher der Uniklinik Köln dem „Express“. In diesem Extremfall seien allerdings Grenzen überschritten worden. „Wir hatten keine andere Wahl, als umgehend die Polizei einzuschalten“, so Wanko.

Die Leiche des Mädchens wurde in die Rechtsmedizin gebracht. Dass Ermittlungen bei ungeklärter Todesursache eingeleitet werden, entspreche der normalen Praxis, sagte Kliniksprecher Wanko gegenüber dem „Express“. „Wir unterstützen das Vorgehen der Staatsanwaltschaft uneingeschränkt.“ Die Großfamilie will nun nach eigenen Angaben auf die Ergebnisse der Untersuchungen warten. (nsa)

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