New York

Woody Allens zerrissene Familie

Seit Jahren wirft die Tochter des Regisseurs ihm vor, sie missbraucht zu haben. Alles erfunden, sagt ihr Bruder

New York. Er könne nicht länger zusehen, wie sein Vater öffentlich für ein Verbrechen verurteilt werde, das er nicht begangen habe – das sind die ersten Worte von Moses Farrow (40), Adoptivsohn des Starregisseurs Woody Allen (82). Dann rechnet er ab: mit seiner Schwester, die frei erfundene Anschuldigungen verbreite. Und mit seiner Mutter, die ihre Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen habe. Mit der persönlichen Erklärung, die der Fotograf und Therapeut Farrow nun in einem Internetblog veröffentlicht hat, nimmt er Woody Allen gegen den Vorwurf in Schutz, er habe seine Adoptivtochter missbraucht.

Es geht um einen angeblichen Vorfall vor 26 Jahren. Von 1980 bis 1992 war Allen mit der Schauspielerin Mia Farrow (73, „Rosemaries Baby“) liiert, einer Ex-Frau von Frank Sinatra und Mutter von vier leiblichen und zehn adoptierten Kindern. Sie und ihre Tochter Dylan (32) beschuldigen den Filmemacher, Dylan als Siebenjährige im Intimbereich berührt zu haben und in Unterwäsche zu ihr ins Bett gestiegen zu sein. Im Zuge der #MeToo-Bewegung erhielten die seit dem Sorgerechtsstreit nach der Trennung bekannten Vorwürfe Anfang des Jahres neue Aufmerksamkeit. Viele Schauspieler distanzierten sich von Allen. So erklärten Colin Firth, Mira Sorvino, Greta Gerwig und Ellen Page, künftig nicht mehr mit ihm drehen zu wollen.

Moses Farrow spricht jetzt von „unglaublich falschen und irreführenden Attacken“ gegen seinen Vater. Er sei an jenem Tag im August 1992 im Haus gewesen. Die Umstände der von seiner Schwester beschriebenen Belästigung weist er als erfunden zurück. Stattdessen habe ihre Mutter die Kinder gegen Allen aufgebracht. „Sie war verständlicherweise wütend: Sieben Monate zuvor hatte sie erfahren, dass er eine intime Beziehung zu meiner 21-jährigen Schwester Soon-Yi unterhielt“, schreibt Moses Farrow. Seine gekränkte Mutter habe den Kindern daraufhin „wie ein Mantra“ eingeredet, Allen sei „ein Monster“. Außerdem habe seine Mutter ihn und seine Geschwister geschlagen und für geringste Vergehen hart bestraft. Er habe in großer Angst vor ihr gelebt. Allen und Farrows Adoptivtochter Soon-Yi Previn (47) hatten tatsächlich eine Romanze. Seit 1997 sind sie verheiratet und Eltern zweier Kinder.

Die von Allen angeblich missbrauchte Dylan Farrow reagierte umgehend auf die Darstellung ihres Bruders: Er sei eine „gestörte“ Person, schrieb sie auf Twitter. Der Blogeintrag sei ein Versuch, ihre „glaubwürdigen“ Vorwürfe zu diskreditieren. Ihre Mutter nahm sie in Schutz, sie habe immer zu den Kindern gehalten.

Vorwürfe auch gegenMorgan Freeman

Der öffentlich ausgetragene Streit macht den Ausmaß des Risses deutlich, der durch die ehemalige New Yorker Promifamilie Farrow/Allen verläuft. Auch Moses’ und Dylans Bruder Ronan Farrow (30) bezieht Position: Der Journalist, der von Allen seit Jahren entfremdet ist, steht auf der Seite seiner Schwester und Mutter. Als Reporter im Auftrag des Magazins „New Yorker“ hatte er im vorigen Herbst zahlreiche Frauen aufgespürt, die über Harvey Weinsteins sexuelle Übergriffe auspackten, wofür er mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Den US-Medien wirft er seit Langem vor, die Missbrauchsvorwürfe seiner Schwester aus Angst vor Allens mächtiger PR-Rückendeckung klein zu halten.

Einzig Woody Allen selbst schweigt. Im vergangenen Jahr hatte er in einem Fernsehinterview behauptet: „Ich habe meine Tochter nie belästigt – wie all die Untersuchungen schon vor einem Vierteljahrhundert erwiesen haben.“ Seitdem hält er sich mit Kommentaren zurück.

Derweil gerät die nächste Hollywoodgröße in den Fokus der #MeToo-Bewegung: Morgan Freeman soll mindestens acht Frauen sexuell belästigt haben, berichtet der US-Nachrichtensender CNN. So soll er im Sommer 2015 versucht haben, den Rock einer Frau anzuheben und habe sie gefragt, ob sie Unterwäsche trage. Die Frau, eine Produktionsassistentin am Set von „Abgang mit Stil“, berichtet von einer „monatelangen Belästigung“. In einem anderen Fall habe er 2013 am Set von „Die Unfassbaren“ gegenüber zwei Frauen unangemessene Kommentare über deren Körper abgegeben haben.