Paris

Frankreichs Kampf gegen die Kippen-Plage

| Lesedauer: 2 Minuten
Peter Heusch

20 Milliarden Zigaretten werden pro Jahr auf den Boden geschnippt. Tabakindustrie soll Öko-Cent zahlen

Paris. Französische Raucher zeigen sich ignorant. Statt ihre Kippen in Mülleimern zu entsorgen, schnippen sie sie einfach auf den Boden. Über 20 Milliarden Zigarettenstummel kommen so pro Jahr zusammen. Auf Einsicht sei nicht zu hoffen, so Behörden.

Arnaud, ein Student aus Paris, ist ein Paradebeispiel. „Wegelager!“ ruft er zwei Herren hinterher, die ihm an einer Bushaltestelle unterhalb des Montmartre-Hügels soeben ein Knöllchen verpasst haben. 68 Euro wird er zahlen müssen, weil das Inspektoren-Duo des Ordnungsamts ihn beim Austreten seiner Zigarette auf dem Bürgersteig erwischte. Bloß klappt das nicht. Zwar wurden in Paris 2017 rund 21.000 Knöllchen an qualmende Umweltfrevler verteilt, doch die sämtliche Trottoirs, Plätze und Parks der Hauptstadt verschandelnde Kippen-Plage ließ sich dadurch nicht eindämmen.

Laut Schätzungen landet in Frankreich gut die Hälfte der jährlich verkauften 53 Milliarden Zigaretten als Stummel auf dem Boden. Bis ein Filter zerfällt, können zehn Jahre vergehen. Zudem sammelt sich in Zigarettenstummeln ein giftiger Cocktail aus Nikotin, Pestiziden und Schwermetall an, der potenziell krebserregend ist, so Experten. „Eine einzige Kippe“, so warnt der Verein „Rechte der Nichtraucher“, „kann bis zu 500 Liter Wasser verseuchen.“

Deshalb denkt das Pariser „Ministerium für die ökologische und solidarische Wende“ nun über eine neue Steuer nach – eine Kippensteuer. Die Idee, die von der Umwelt-Staatssekretärin Brune Poirson stammt, beruht auf dem Prinzip, dass der Verursacher auch zahlen soll. Poirson macht sich deswegen für eine Öko-Abgabe von einem Cent pro Zigarettenpackung stark. Die Tabakindustrie reagierte mit Empörung. Ein Umweltzuschlag für das Einsammeln von Zigarettenstummeln sei nichts anderes als eine „neue Steuererhöhung“ schimpfte die Direktion des Marlboro-Herstellers Philip Morris und forderte stattdessen Sensibilisierungskampagnen, um dem Fehlverhalten der Raucher entgegenzuwirken. Budgetminister Gérard Darmanin will das Gespräch mit der Tabakbranche suchen. Hier weiß man, dass die Regierung am längeren Hebel sitzt. Selbst wenn die Kippensteuer vom Tisch sein sollte, droht Marlboro & Co. aber eine (Zwangs-)Abgabe.

Vielleicht könnte der Verbraucher umdenken und seine Kippen ordentlich entsorgen? In Paris ist man überaus skeptisch. Der Durchschnittsraucher sei nach massiven Preiserhöhungen in keiner konstruktiven Laune. Bei acht Euro pro Schachtel sei das kein Wunder, so Raucherverbände.

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