Kurznachrichten

Schluss mit Simsen – Wie die SMS zum Auslaufmodell wurde

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Die besten Zeiten der SMS-Nachricht sind vorbei.

Die besten Zeiten der SMS-Nachricht sind vorbei.

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Die Bundeskanzlerin hat’s getan, Dieter Bohlen und zig Millionen andere auch: simsen. Doch die Zeit der SMS läuft ab. Ein Abgesang.

Berlin.  Es begann mit einem Weihnachtsgruß. „Merry Christmas“ schrieb am 3. Dezember 1992 der Vodafone-Techniker Neil Papworth auf das Mobiltelefon seines Kollegen Richard Jarvis. Die Botschaft gilt heute als Geburtsstunde der SMS (Short Message Service). Nun könnte dem Kurznachrichtendienst das Totenglöcklein schlagen.

2017 wurden in Deutschland nach neuen Zahlen der Bundesnetzagentur nur noch gut zehn Milliarden Kurzmitteilungen verschickt. Auf dem Höhepunkt der SMS-Ära, im Jahr 2012, waren es noch fast 60 Milliarden. Kostenlose Messengerdienste wie WhatsApp oder iMessage haben der SMS längst den Rang abgelaufen.

Dieter Bohlen schickte Thomas Anders per SMS in die Wüste

Dabei galt die SMS einmal als cool. „Simsen“ wurde zum Volkssport und fand 2004 als Begriff Eingang in den Duden. Kanzlerin Angela Merkel simste mit wieselflinken Fingern von der Regierungsbank ihre Botschaften ans Parteivolk, Dieter Bohlen ließ seinen „Modern Talking“-Kollegen Thomas Anders per SMS wissen, dass er die Band auflösen wird und Popstar Britney Spears trennte sich via Kurznachricht von Ehemann Kevin Federline. Und Millionen Teenager dateten ihre Freunde der SMS.

Dabei war das Simsen zu Anfang eine vergleichsweise unhandlich Angelegenheit. Jede Handy-Zahlentaste war gleichzeitig mit drei Buchstaben belegt: „abc“, „def“ und so weiter. Wer da schnell sein wollte, brauchte einige Übung. Etwas leichter wurde es, als 1999 die Wortkennung T9 eingeführt wurde. Sie erahnte – mal mehr, mal weniger treffsicher - welche Wort gerade eingetippt werden sollte.

Von HDL bis KESCHRUMIAN

Die Begrenzung auf 160 Zeichen pro Nachricht ließ eine neue Sprache aus Abkürzungen entstehen: Von HDL (Hab dich lieb) über ALKLA (Alles klar?) bis hin zu BIALZHA (Bin allein zu Hause) und KESCHRUMIAN – was für „Kein Schwein ruft mich an“ stand.

Vor allem Teenies nutzten die SMS – etwa für kurzfristige Verabredungen oder den neuesten Cliquen-Tratsch. Nicht wenige brachten es so auf Dutzende SMS-Nachrichten am Tag. Und heute? Im vorigen Jahr wurden pro SIM-Karte und Monat durchschnittlich nur noch knapp sieben Mitteilungen versimst. In der SMS-Sprache würde man wohl sagen: LEIA – Liebling, es ist aus. (W.B./dpa)

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