Bankenskandal

Großbanken in Australien kassierten jahrelang bei Toten ab

Bestechung, flächendeckende Falschberatung, Betrug: Ein Bankenskandal erschüttert Australien. Viele Kunden stehen nun vor dem Ruin.

Auch die Commonwealth Bank soll systematisch Gebühren für nicht erbrachte Leistungen abgerechnet haben.

Auch die Commonwealth Bank soll systematisch Gebühren für nicht erbrachte Leistungen abgerechnet haben.

Foto: REX Features / Chameleons Eye/REX

Sydney.  Zerstörte Existenzen, inkompetente Berater, die nicht im Interesse der Kunden handelten – Australien wird von einem Bankenskandal erschüttert. In dem Bericht der staatlichen Untersuchungskommission geht es um Bestechung, Dokumentenfälschung und flächendeckende Falschberatung durch Berater der Großbanken des Landes.

So waren Versicherungen an Menschen verkauft worden, die sich diese gar nicht leisten konnten. Zinssätze wurden manipuliert, gegenüber Aufsichtsbehörden gelogen und toten Kunden noch Gebühren abgezogen. Eine Großbank hat sogar Daten von fast 20 Millionen Konten eben mal „verloren“.

In vielen Fällen wurden Kunden durch leichtfertige Beratung bei der Kreditvergabe sogar um ihre gesamte Altersvorsorge geprellt. Vor den Bankhäusern regt sich immer mehr Protest. Kunden sind wütend, vor allem aber hilflos. Doch ihre Verzweiflung findet keinen Adressaten.

Eine Frau, die alles Gesparte verloren hat, sagt unter Tränen, dass sie ruiniert ist. Dabei hat sie darauf gehofft, endlich in Rente zu gehen. „Jetzt muss ich wohl so lange arbeiten, bis ich im Rollstuhl sitze.“

Gebühren für nicht erbrachte Leistungen

Dagegen klingt es fast wie ein Kavaliersdelikt, dass Berater der Commonwealth Bank, des landesweit größten Geldhauses, systematisch Gebühren für nicht erbrachte Leistungen berechneten. Aber auch da haben sie jedes Maß verloren, heißt es im Untersuchungsbericht: Sogar Verstorbene wurden jahrelang weiter abkassiert, wie die Bank bei einer Anhörung der Royal Commission zugeben musste.

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In einem Fall kassierte der Berater selbst zehn Jahre nach dem Tod seines Kunden immer noch jeden Monat 65 australische Dollar (rund 40 Euro) Beratungsgebühr. Er hatte das Konto einfach nicht gelöscht. Ein anderer Berater kontaktierte die Frau des Verstorbenen erst sechs Jahre nach dessen Tod. Bis dahin liefen die Gebühren weiter.

Den Bankern sei es wohl einfach zu gut gegangen, heißt es in australischen Medien. Übermütig seien sie geworden, nachdem sie die Finanzkrise, die vor zehn Jahren Kreditinstitute weltweit erschütterte, schadlos überstanden hatten. Die vier Großbanken – Westpac, Commonwealth Bank, National Australia Bank und ANZ – gelten als die profitabelsten der Welt. Sie beherrschen mit 80 Prozent Marktanteil die Finanzindustrie des Landes.

Daten von 20 Millionen Konten sind verloren

In welchem Ausmaß Vorfälle vertuscht wurden, wird aber vor allem am Beispiel der Commonwealth Bank deutlich. Sie hat inzwischen offiziell bestätigt, dass sie von 2000 bis 2016 die Jahresabschlüsse von fast 20 Millionen Konten verloren hat.

Namen, Adressen, Kontonummern und Transaktionsdetails der Kunden gelten als nicht mehr auffindbar. Die Bank hatte den Vorfall zunächst verschwiegen und ihn erst öffentlich gemacht, nachdem „BuzzFeed“ den Skandal aufdeckte.

Selbst der australische Premier Malcolm Turnbull, der vor seiner politischen Karriere selbst Banker war, und der sich zunächst gegen eine Untersuchungskommission gesperrt hatte, ist erschüttert. Die Untersuchung sei „bedauerlich, aber notwendig“.

Banken zahlten Entschädigungen – als „Schweigegeld“?

Die Untersuchung, die im Februar begann, ist auf ein Jahr angesetzt. Nach aktueller Gesetzeslage könnten die Taten mit Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet werden. Doch dafür müssten die Verantwortlichen genau ausfindig gemacht werden. Die Kreditinstitute riskieren maximale Geldbußen von bis zu 210 Millionen Dollar oder zehn Prozent ihres jährlichen Umsatzes.

Einige haben selbst Konsequenzen gezogen: Craig Meller, der Chef des Vermögensverwalters AMP, und auch die Vorsitzende des Unternehmens, Catherine Brenner, kündigten, nachdem bekannt wurde, dass die Bank ihren Kunden routinemäßig Gebühren für nicht erbrachte Leistungen in Rechnung gestellt hatte.

Laut Medienberichten bezahlten die Banken seit 2010 fast 250 Millionen australische Dollar an 540.000 geschädigte Hypothekenkunden. Weitere 220 Millionen Dollar Entschädigung gingen an Automobilkredit-, Versicherungs- und Kreditkartenkunden. Wohl um durch Ruhigstellen eine Untersuchung zu verhindern, spekulieren Medien.

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