Gewalt

Hausbesetzer sorgen für Chaos in spanischen Ferienvillen

Hausbesetzer haben 90.000 Wohnungen in Spanien in Beschlag genommen. Die Polizei ist machtlos. Ein Hamburger setzte sich nun zur Wehr.

Die Villa von Frank Zingelmann vor der Besetzung. Ein Roma-Clan drang ein und verwüstete das Haus.

Die Villa von Frank Zingelmann vor der Besetzung. Ein Roma-Clan drang ein und verwüstete das Haus.

Foto: privat

Palma de Mallorca.  Es sollten erholsame Tage in seinem Häuschen auf Mallorca werden. In Urlaubsstimmung stieg Frank Zingelmann aus Hamburg in den Flieger nach Palma. Doch als er endlich vor dem Tor seiner Traumvilla stand, kam er nicht hinein: Aus dem Vorgarten bellten ihn gleich mehrere angriffslustige Hunde an. Zingelmann musste feststellen, dass sich Eindringlinge in seiner Traum-Immobilie befanden: Besetzer, die in Spanien Okupas genannt werden.

„Es war ein Schock“, sagt er. Erst recht, nachdem die Polizei erklärte, dass sie nichts machen könne. Die Beamten dürfen ohne richterliche Anordnung nur in den ersten 48 Stunden einer Besetzung einschreiten. Die Okupas, ein Roma-Clan, waren schon vor längerer Zeit in die Villa eingezogen. Und in solchen Fällen endet dieser Alptraum meist erst nach einem quälend langen Räumungsverfahren.

Also nahm Zingelmann (48), Steuerberater aus Hamburg, das Heft selbst in die Hand. Er drang in seine eigene Villa ein, als die „Besetzer“ das Haus für kurze Zeit verlassen hatten. Er verbarrikadierte sich drei Tage und erklärte sich selbst zum „Okupa“ seines eigenen Hauses. Der Trick funktionierte – die Störenfriede zogen ab.

Traumhaus wurde ausgeplündert und verwüstet

Als er die Villa unter die Lupe nahm, merkte er erst, was los war: Sein Traumhaus war ausgeplündert und komplett verwüstet worden. „Alles war völlig verdreckt. Sämtliche Gegenstände wurden zerstört. Aus den Schränken wurde bis auf die letzte Socke alles gestohlen. Und im ganzen Haus lag Hundekot.“ Zingelmann ist eins der vielen Opfer der Hausbesetzer in Spanien.

Knapp 90.000 Häuser und Wohnungen sind in Spanien derzeit besetzt, schätzt das spanische Forschungsinstitut Cerdà. Vor allem auf Mallorca, an der Festlandküste und in den Großstädten. Auch ausländische Ferienhausbesitzer sind betroffen.

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Angesichts einer überlasteten Justiz, die oft Jahre für ein Räumungsverfahren braucht, boomen derweil Unternehmen, die den von Besetzungen betroffenen Eigentümern schnelle und unbürokratische Lösungen anbieten. Das sind Sicherheitsfirmen wie Desokupa, die der frühere Profiboxer Daniel Esteve gründete. Esteve bietet einen Trupp breitschultriger Männer an, welche die Besetzer „einladen“, freiwillig abzuziehen – ohne Gewalt und ganz legal, wie er versichert.

Besetzer verkaufen Schlüssel an andere Besetzer

Das funktioniert nicht immer. Ein Schweizer Ehepaar, das sich wieder mal in ihrem Ferienheim mit Meerblick an der Costa Dorada erholen wollte, musste entsetzt feststellen, dass sich eine Besetzerin in seiner Villa breitgemacht hatte. Nachdem die beiden von der Polizei erfuhren, dass sie keine Chance hätten, ihren Urlaub in ihren eigenen vier Wänden zu verbringen, kehrten sie erschüttert in die Schweiz zurück und beauftragten einen Anwalt mit der Rückeroberung ihres Eigentums.

Experten warnen mittlerweile vor organisierten Gruppen. „Sie halten nach lohnenden Objekten Ausschau und brechen dort ein“, berichtet ein Immobilienmakler auf der Ferieninsel Teneriffa. „Dann verkaufen sie die Schlüssel an andere Hausbesetzer.“ Die Preise für die „Schlüsselübergabe“, so hört man, liegen zwischen 300 und mehreren 1000 Euro.

Die Schlüsselkäufer sind nicht selten Arme und Arbeitslose, die sich keine festen Mietzahlungen leisten können. Auch Roma-Clans fallen, so berichtet Mallorcas Polizei, häufig als Hausbesetzer auf. Genauso wie Drogendealer, die vor allem in den Großstädten Madrid und Barcelona über besetzte Wohnungen ihre Rauschgiftgeschäfte abwickeln.

Viele Eigenheimbesitzer denken über mehr Schutz nach. Die Hersteller von Sicherheitstüren und -fenstern haben Hochkonjunktur. Auch mit der Polizei verbundene Alarmanlagen sind hilfreich – allerdings nur, wenn die Polizei schnell vor Ort ist.

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