Fernseh-Dokumentation

Diese Frauen zeigen „Herrn Krebs den Stinkefinger“

Die selbsternannten „Chemo Chicas“ genießen jeden einzelnen Tag – trotz ihrer Krebserkrankung. Eine berührende Dokumentation im WDR.

Fünf Frauen mit Brustkrebs: Sie nennen sich selbst die „Chemo-Chicas“.

Fünf Frauen mit Brustkrebs: Sie nennen sich selbst die „Chemo-Chicas“.

Foto: WDR

Hamburg.  „Jetzt. Morgen. Übermorgen. Immer Tag für Tag, so geht das“, sagt Peter, einer der wenigen Männer in dieser Dokumentation über Frauen mit Brustkrebs . Peter ist der liebevoll-patente Partner von Elke, die zu den vier „Chemo Chicas“ gehört, die sich 2016 in der Chemo-Ambulanz des Uni-Klinikums Essen kennengelernt und kämpferisch „Herrn Krebs den Stinkefinger gezeigt“ haben, vor laufender Kamera sogar. „Alles ist besser als Tod!“ war damals ihr Motto und zugleich der Titel der ersten Dokumentation über sie.

Nun sind sie wieder da: Silke, Stefanie, Jenni und Elke. Und mit ihnen die Kamera von Ute Schneider und Christoph Wittig, die die vier Frauen über ein halbes Jahr begleitet haben, um nachzusehen, wie ihr „Leben nach dem Krebs“ so aussieht. Spannend, könnte man vorab sagen, sehr intensiv. Mit vielen Höhen und Tiefen, Lachen und Weinen – festgehalten in bewegenden Momenten und einer punktgenauen Mischung aus Nähe und Distanz.

Keine Sekunde dieses Films wirkt unangemessen, peinlich oder unerträglich traurig. Im Gegenteil, wer ihnen zuschaut, denkt bewusster über das eigene Leben nach. Der WDR zeigt die emotional sehr berührende Dokumentation über starke Frauen, die die Hoffnung nicht aufgeben, am Donnerstagabend um 22.40 Uhr.

Nach der Therapie tauchen ganz andere Probleme auf

Alle vier Frauen hatten die Diagnose Krebs erhalten und gehofft, dass mit dem Ende der Chemotherapien das Schlimmste hinter ihnen liegen würde. Aber dann tauchten Probleme ganz anderer Art auf: Sie spürten zum Beispiel, dass eine so einschneidende Krankheit es unmöglich macht, längerfristig zu planen, was für sie völlig ungewohnt war. Keine der Vier konnte so einfach zurück ins alte Leben. Es passte nicht mehr. Die Krankheit hat sie verändert, jede auf ihre Art.

Stefanie zum Beispiel will auf keinen Fall wieder zurück in den alten Trott. „Ich gehe nicht mehr rückwärts“, sagt sie und hat mit 51 Jahren einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente eingereicht. Das verschafft ihr Zeit, um für sich einen neuen Weg zu finden. Sie möchte ihr Leben verändern, auch privat nicht mehr das Mädchen für alle spielen. „Was muss denn passieren, damit man begreift, was das Leben ausmacht?“, fragt sie. Aber ob ihr Mann dabei mitmachen wird? Auch sein Leben hat sich durch die Krankheit seiner Frau verändert.

Mit 29 Jahren in die Wechseljahre versetzt

Elke dagegen hilft der Arbeitsalltag, die Krankheit für ein paar Stunden zu vergessen. Ihr Krebs ist zurückgekehrt, eine Heilung nicht möglich. Dabei wird sie bald das erste Mal Großmutter und will noch erleben, wie ihr Enkelkind aufwächst. Ihr Partner Peter versucht sie zu unterstützen, so gut es geht. Aber er kann nicht viel tun und fühlt sich oft hilflos.

Jennis Krebs war hormonbedingt. Deshalb wurde sie mit 29 Jahren in die Wechseljahre versetzt. Jetzt machen ihr die Nebenwirkungen der Medikamente zu schaffen, nicht nur die ständigen Gelenkschmerzen, trockenen Schleimhäute und Schweißausbrüche. Vielleicht möchte sie sogar noch ein Kind. Auf jeden Fall aber hat sie genug davon, sich so lust- und kraftlos wie eine alte Frau zu fühlen, sagt sie. Doch kann sie die Behandlung einfach so aussetzen, ohne dass der Krebs wiederkommt?

Worte zwischen Ernst und Heiterkeit

Silke lebt allein, aber ihr gefällt das, wie sie sagt. Und doch steckt sie gerade in einem großen emotionalen Tief: „Ich habe keinen Plan, wie es weitergehen soll“, erzählt sie. „Früher wusste ich immer, wo es lang geht, heute lassen mich selbst kleinste Alltagsdinge manchmal verzweifeln.“

In diesem „Leben danach“ sind die „Chemo Chicas“ weiter füreinander da, auch wenn sie auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, die ihnen noch verbleibende Zeit für sich zu gestalten. „Niemand hat gesagt, dass es einfach wird“, meinen sie. Ihre Worte zwischen Ernst und Witz, und vor allem die Kraft, die sie noch aufbringen, machen unbedingt Mut. Authentisch feiern diese vier Frauen Tag für Tag das „Leben – genau jetzt“. Und wir feiern mit.

• „Menschen hautnah: Die Chemo Chicas – Leben nach dem Krebs“, Donnerstag,
22.40 Uhr, WDR