Auktion

Pariser Luxushotel Ritz versteigert sein altes Mobiliar

Badewannen, Barhocker, Gartentore: Das Pariser Hotel Ritz versteigert einen Teil seiner Einrichtung. Die Auktion beginnt am Dienstag.

Paris.  Im Pariser Ritz Carlton steigen Präsidenten, Prinzessinnen, Filmstars und andere reiche Berühmtheiten ab. Maria Callas, Ernest Hemingway, Marcel Proust – sie alle mieteten sich schon an der Place Vendôme ein. Der Modeschöpferin Coco Chanel gefiel es dort so gut, dass sie dauerhaft ins Ritz zog.

Nach mehrjährigen Renovierungsarbeiten der Anlage geht nun einiges Mobiliar unter den Hammer. Von diesem Dienstag an sollen etwa 10.000 Einzelstücke verkauft werden.

Badewanne, vermutlich undicht: 2500 Euro

Darunter sind Betten, Barhocker, Plüschsofas, Vorhänge, ein Gartentor mit Ritz-Emblem, eine Harfe oder die laut Katalog „erste Badewanne“ aus dem Ritz. Das renovierungsbedürftige Stück hat einen Schätzpreis von 1500 bis 2500 Euro.

In Paris ist schon von der Versteigerung des Jahres die Rede. Sammler könnten ein „Stück Ritz-Mythos“ erwerben, meint der Chef des Auktionshauses Artcurial, François Tajan. Der Schätzwert der Objekte von zusammen etwa 1,5 Millionen Euro könnte bei der Versteigerung etwa verdreifacht werden, hieß es.

Das Fünf-Sterne-Haus mit seinen 600 Angestellten hatte im Juni 2016 nach dem langwierigen Umbau seine Pforten wieder für zahlungskräftiges Publikum geöffnet. Für ein Zimmer müssen Kunden laut Internetseite mindestens 1000 Euro ausgeben. Eigentümer der 1898 von dem Schweizer César Ritz gegründeten Edelherberge ist der aus Ägypten stammende Milliardär Mohammed Al-Fayed.

Richard Nixon und Madonna logierten hier

Es werden auch Möbel verkauft, die aus Suiten stammen. Die prächtigste ist vielleicht die Suite Imperiale, deren Salon eine Holzvertäfelung aus dem 18. Jahrhundert hat. Der frühere US-Präsident Richard Nixon, die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida, die Kinogrößen Roger Moore und Woody Allen sowie die Showstars Elton John und Madonna logierten in den vornehmen Räumen.

Im August 1997 hielten sich dort auch die britische Prinzessin Diana und ihr Freund Dodi Al-Fayed auf. Dann brachen sie in einem Mercedes zu ihrer Fahrt durch das nächtliche Paris auf, die in einem Straßentunnel für beide tödlich endete.

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Hotel wurde von den Nazis beschlagnahmt

Das Ritz ist überhaupt ein Spiegel vom Glanz und Elend des 20. Jahrhunderts. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich 1940 wurde das Hotel beschlagnahmt, als Residenz für „Marschälle, Admirale und Minister“ aus Nazi-Deutschland, wie die Autorin Cécile Desprairies in ihrem Buch über die dunklen Jahre der Hauptstadt berichtet.

Das Ritz sei ein mondäner Treffpunkt der Kollaboration gewesen, so hätten sich dort von 1942 an deutsche und französische Geschäftsleute regelmäßig getroffen.

Ritz-Dauergast Coco Chanel hatte laut Biografen damals eine Liebschaft mit dem deutschen Diplomaten Hans Günther von Dincklage. Die Modedesignerin wurde nach der Befreiung von Paris im Jahr 1944 als Kollaborateurin verhaftet, kam aber schnell wieder frei. Sie lebte daraufhin mehrere Jahre in Lausanne in der Schweiz, bevor sie Mitte der 50er-Jahre nach Paris zurückkehrte und ein berufliches Comeback feierte. 1971 starb die Modekönigin im Ritz. Im Auktionskatalog werden Möbelstücke aus der „Suite von Mademoiselle C.“ eher diskret im hinteren Teil präsentiert.

Diebe stahlen Schmuck in Millionenhöhe

Luxus und Geld ziehen auch Kriminelle an. Diese Erfahrung machte das Ritz erst zu Jahresbeginn. Vermummte Täter drangen über einen Hintereingang in das Gebäude ein, zerschlugen mit Äxten Schmuckvitrinen in der Eingangshalle und flüchteten dann mit millionenschwerer Beute. Die Polizei fand Schmuck und Uhren später vollständig wieder, drei Verdächtige kamen in Untersuchungshaft. (dpa)

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