Musikpreis

Kollegah und Campino sorgen für Eklat – Echo für Rapper

Beim Echo 2018 mussten die Deutschrapper Kollegah und Farid Bang neben einem Echo auch viel Kritik einstecken – vor allem von Campino.

Das sagen die Stars zum Rapper-Eklat

Für Kollegah und Farid Bang gibt es einen Echo. Unsere Reporterin hat mit den beiden und anderen Stars über den Eklat gesprochen.

Das sagen die Stars zum Rapper-Eklat

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Berlin.  Campino steht auf der Bühne beim Echo 2018 und spricht das an, was im Vorfeld der Veranstaltung schon seit Wochen die Gemüter erhitzt hat.

Wo hört die künstlerische Freiheit auf und wo ist die Grenze? Er kenne sich als Sänger der Toten Hosen mit Provokation aus, sie könne konstruktiv sein, sagte er in seiner Dankesrede für den Echo in der Kategorie Rock National.

Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht“, sagt er. Großer Applaus und stehende Ovationen im Publikum. „Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?“, fragt Campino, der etwas nervös wirkt. Diese Debatte sei wichtig und nötig.

Kollegah und Farid Bang holen einen Echo

Und dann das: Kollegah und Farid Bang gewinnen tatsächlich den Echo. „Das ist ja fast schon wie ein Trostpreis nach Campino“, sagte Farid Bang zu dem Preis für das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker wie Campino nicht, sagte Kollegah. „Als Zeichen des Friedens habe ich die Zeit genutzt und ein schönes Portrait gezeichnet.“

Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum zeigt er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle.

Schon im Vorfeld hatte es heftige Kritik an der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ aus dem Song „0815“ der beiden Musiker gegeben. „Dass ausgerechnet am 12. April, dem Holocaust-Gedenktag in Israel, die Echo-Verleihung von dieser Nominierung überschattet wird, ist makaber und beschämend“, hatte Peter Maffay „Bild.de“ gesagt.

Ähnlich hatten sich schon zuvor das Internationale Auschwitz Komitee und der Zentralrat der Juden geäußert. Aber Campino geht es nicht um einen Rap-Song, wie er selbst sagt. „Es geht doch vielmehr um einen Geist, der zur Zeit überall präsent ist“, betont der 55-Jährige. „Nicht nur in der Musik, sondern auch in den sozialen Medien, im täglichen Fernsehtrash und in der Politik.“

Das Lied komme aus dem Battle Rap, bei dem es darum gehe, sich gegenseitig zu toppen, sagte er weiter. „Wenn man das bedenkt, relativiert sich alles. Wir sollten keinen tieferen Sinn suchen, wo es keinen Sinn gibt.“

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Sarah Lombardi: Bei der Echo-Verleihung präsentiert sie ihren neuen Look. Reporterin Johanna Rüdiger hat sie auf dem roten Teppich getroffen.
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Der Sänger erhofft sich, dass durch die Debatte etwas Positives entsteht. „Ich bin nicht die Bundesprüfstelle und auch nicht die Ethikkommission“, sagte er. „Aber ich spreche für alle, die so denken wie ich: Verbote und Zensur sind nicht die Lösung.“ (Lesen Sie hier, wie Promis mit Kollegah und Farid Bang abrechnen .)

Ed Sheeran räumt drei Preise ab

Die Debatte trübt die Stimmung, die anderen Auftritte werden wohl weniger in Erinnerung bleiben – obwohl überraschend viele internationale Stars zur Echo-Gala nach Berlin gekommen sind. Zum Auftritt von Luis Fonsi gesellt sich überraschend Helene Fischer, die ihren 17. Preis gewinnt. Der bislang immer nur nominierte Mark Forster gewinnt seinen ersten Preis als Künstler Pop National.

Aber nicht alles glänzt wie der goldene Teppich, über den die Stars vor der Show gegangen waren. Der große Gewinner des Abends ist Popstar Ed Sheeran, der drei Preise abräumt, sich allerdings nur per Videobotschaft aus Japan bedankt. Einige der Künstler, die als Moderatoren eingespannt werden, wirken etwas verloren auf der Bühne. Der Newcomer National, Wincent Weiss, plaudert in einer Laudatio hauptsächlich von den Alkoholeskapaden der letzten Nacht.

Travestiekünstlerin Olivia Jones (48) machte Popstar Kylie Minogue (49) unterdessen einen Heiratsantrag. Natürlich nur zum Spaß. „Sie hat strahlend gelächelt, das deute ich mal als ja. Ich heiße jetzt Olivia Minogue“, sagte Jones. Und warum ausgerechnet Minogue?

„Ich habe ihr gesagt, dass ich es toll finde, dass sie sich so für Toleranz und die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzt. Gerade heute, wo diese Rapper im Fokus standen, halte ich das für sehr wichtig.“

Die hitzige Debatte über künstlerische Freiheit und ihre Grenzen – und über den deutschen Rap, der kommerziell so erfolgreich ist, für manchen aber mitunter die Grenzen überschreitet. Sie wird wohl auch in den kommenden Tagen und Wochen Thema bleiben.

Alle Preisträger im Überblick:

•„Album des Jahres“: Ed Sheeran – Divide

•„Hit des Jahres“: Ed Sheeran – Perfect

•„Künstler Pop National“: Mark Forster – Tape

•„Künstlerin Pop National“: Alice Merton – No Roots

•„Band Pop National“: Milky Chance – Blossom

•„Schlager“: Helene Fischer – Helene Fischer

•„Volkstümliche Musik“: Santiano – Im Auge Des Sturms

•„Hip-Hop/Urban National“: Kollegah & Farid Bang – Jung Brutal Gutaussehend 3

•„Dance National“: Robin Schulz – Uncovered

•„Rock National“: Die Toten Hosen – Laune Der Natur

•„Künstler International“: Ed Sheeran – Divide

•„Künstlerin International“: P!nk – Beautiful Trauma

•„Band International“: Imagine Dragons – Evolve

•„Newcomer National“: Wincent Weiss – Irgendwas Gegen Die Stille

•„Newcomer International“: Luis Fonsi – Despacito & Mis Grandes Exitos

•„Kritikerpreis National“: Haiyti – Montenegro Zero

(bekö/dpa)

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