Washington

Wiedersehen vor Gericht

| Lesedauer: 2 Minuten

Der neue Missbrauchsprozess gegen Entertainer Bill Cosby startet

Washington. Angeklagter, Richter, Gerichtssaal und Schuldvorwürfe waren absolut identisch, als der fast erblindete Bill Cosby am Montag in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania zum zweiten Mal binnen weniger Monate vor Justitia erscheinen musste; gestützt wie immer auf sein „Mädchen für alles“, Andrew Wyatt.

Und doch war bei der Neuauflage des Prozesses um die Frage, ob der inzwischen 80 Jahre alte Fernsehvater der Nation, Dr. Cliff Huxtable in der „Cosby Show“, die frühere Universitätsangestellte Andrea Constand 2004 in seinem Privathaus erst mit Drogen betäubt und dann sexuell missbraucht hat, vieles anders. Das fing schon mit jener Aktivistin an, die sich Cosby am Morgen mit blankem Busen und darauf in blutroten Buchstaben gemalten Parolen wie „Das Leben von Frauen zählt“ in den Weg stellen wollte; die Polizei führte sie in letzter Minute ab. Seit Cosby Ende 2015 zum ersten Mal als Serien-Sexmolch durch die Medien gereicht wurde, ist viel passiert. Über 60 Frauen haben ihn seither öffentlich beschuldigt. Anders als im ersten Verfahren dürfen fünf von ihnen, darunter Ex-Supermodel Janice Dickinson, ihre Begegnungen mit dem afroamerikanischen Superstar im Zeugenstand schildern. Dazu haben sich die gesellschaftsklimatischen Raumtemperaturen verändert. Die #MeToo-Bewegung hat das Land für männlichen Machtmissbrauch via Sex sensibilisiert. In der zweiten Hälfte 2017 verging kaum eine Woche, in der nicht ein Machtmensch gefeuert wurde, weil Frauen Übergriffigkeit anprangerten. Der zweite Versuch, einer lebenden Legende, und als solche muss man Cosby bezeichnen, das Handwerk zu legen, kann daher anders enden als die Premiere.

Im vergangenen Juni musste Richter Steven O’Neill nach einem ergebnislosen Beratungs-Marathon der Jury auf die Bremse treten. Die zwölf Geschworenen konnten sich nicht auf das vorgeschriebene einstimmige Urteil einigen. Das soll nicht wieder passieren. Eine andere Jury, sieben Männer und fünf Frauen, wurde zusammengestellt. Was Cosbys Leit-Anwalt, Tom Mesereau, nicht davon abhielt, unmittelbar vor Prozessbeginn den Geschworenen Nr. 11 sturmreif zu schießen. Der Mann, heißt es, soll im Vorfeld erklärt haben, dass Cosby hinter Gitter gehöre. Das juristische Geplänkel darum sorgte für Verzögerungen im Gerichtssaal.

Im Fall einer Verurteilung drohen dem Multimillionär theoretisch bis zu 30 Jahre Gefängnis.

( diha )

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