Schauspieler-Dynastie

Kölner Millowitsch-Theater nach 82 Jahren geschlossen

Nach dem Krieg machte Willy Millowitsch sein Kölner Volkstheater deutschlandweit bekannt. Sohn Peter hat den Betrieb nun eingestellt.

Schauspieler Peter Millowitsch im Dezember in seinem Volkstheater: Das Stück „Tante Jutta aus Kalkutta“ erreichte 1962 eine Einschaltquote von 88 Prozent.

Schauspieler Peter Millowitsch im Dezember in seinem Volkstheater: Das Stück „Tante Jutta aus Kalkutta“ erreichte 1962 eine Einschaltquote von 88 Prozent.

Foto: Horst Galuschka / imago/Horst Galuschka

Köln.  Letzter Vorhang im legendären Kölner Millowitsch-Theater: Nach mehr als 80 Jahren Betrieb in der Aachener Straße 5 traten die Schauspieler am Sonntagabend zum letzten Mal auf die Bühne im Colonia-Haus. Seit 1936 spielte die Kölner Millowitsch-Dynastie dort ihr Volkstheater.

„Weil ich den Theaterbetrieb nur aus privaten Renten-Rücklagen weiter aufrechterhalten kann, habe ich mich entschieden, den Schlussstrich zu ziehen“, erklärt der heutige Theater-Chef und Sohn von Volksschauspieler Willy Millowitsch (1909-1999). „Das gute alte Volkstheater scheint langsam aus der Mode zu kommen.“

„Die Leute sollen wieder wat zu lachen haben“

Der Aufstieg der kleinen Volksbühne zu bundesweiter Berühmtheit hatte 1945 begonnen. Köln lag in Trümmern, auch das Dach des Theaters war weggeblasen. Doch nun geschah etwas Unerwartetes. Der wiedereingesetzte Oberbürgermeister Konrad Adenauer bestellte Willy Millowitsch ein und verkündete: „Ich will, dat Se so bald wie möglich wieder Theater spielen können. Die Leute sollen wieder wat zu lachen haben.“ Die Bezugsscheine für das erforderliche Baumaterial und alles weitere werde er schon regeln.

Der 36 Jahre alte Millowitsch konnte sein Glück kaum fassen. „Nix lieber wie dat...“, stammelte er seinen Memoiren zufolge. Als er schon in der Tür war, rief ihn Adenauer noch einmal zurück: „Verjessen Se dat eine nich: Schicken Se mir zur Premiere zwei Karten. Aber Freikarten bitte!“ So wurde das Millowitsch-Theater das erste, das wieder öffnete. Jahrelang blieb es der einzige Lichtblick in der Mondlandschaft, die einmal Köln gewesen war.

88 Prozent Einschaltquote für „Tante Jutta aus Kalkutta“

Millowitsch brachte das Theater aber nicht nur den Kölnern zurück, sondern wenig später allen Deutschen. Sehr früh erkannte er die große Zukunft des Fernsehens und rannte dem Intendanten des Nordwestdeutschen Rundfunks die Türen ein. 1953 wurde erstmals ein Stück aus dem Theater übertragen. Wieder war Millowitsch der erste, und der erste prägt sich ein. 1962 erzielte das Stück „Tante Jutta aus Kalkutta“ eine Einschaltquote von 88 Prozent.

Spätestens seit Millowitschs Tod 1999 erlebte das Theater jedoch einen langsamen Niedergang. 2016 entschied sich der WDR, nach mehr als 60 Jahren keine Stücke mehr zu übertragen. Mariele Millowitsch (62), das jüngste Kind von Willy, äußert im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur Verständnis dafür: „Letztendlich orientiert sich auch ein öffentlich-rechtlicher Sender an Quoten.“

Der Schriftzug ‘Millowitsch’ soll hängen bleiben

Die Entscheidung ihres Bruders, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen, kann sie nachvollziehen, auch wenn sie es natürlich traurig findet. Millowitsch, die sich früh von dem Theater gelöst hat und mit Serien wie „Nikola“ und „Marie Brand“ bekannt geworden ist, tröstet sich damit: „Ich habe gelesen, dass der Schriftzug ‘Millowitsch’ hängen bleibt, und darüber freue ich mich sehr.“ (dpa)