Nachruf

Stephen Hawking ist tot – Abschied von einem Welterklärer

Stephen Hawking, der Popstar der Wissenschaft, starb mit 76 Jahren. Von seiner schweren Krankheit ließ er sich nicht unterkriegen.

Den Sternen so nah: Hawking vor zehn Jahren schwerelos bei einem Parabelflug.

Den Sternen so nah: Hawking vor zehn Jahren schwerelos bei einem Parabelflug.

Foto: DB gozerog / dpa

Berlin.  Stephen Hawking hatte keine Angst mehr vor dem Ende. Mit dem Gedanken hatte er sich nach seinem Todesurteil arrangiert: 21 war der junge Mann, ein lebenslustiger Student der Mathematik und Astronomie, als Ärzte bei ihm die Muskel- und Nervenkrankheit ALS diagnostizierten. Zweieinhalb Jahre habe er noch zu leben, glaubten sie, und dass er bei vollem Bewusstsein einen qualvollen Tod sterben werde.

Hawking aber starb nicht, er lebte immer weiter. Erst am Mittwoch, mit 76, hörte sein Herz auf zu schlagen. Er bleibt als großer Wissenschaftler, Popstar und Vorbild in Erinnerung.

Hawkings letzte Botschaft an die Menschheit

Hawking sei friedlich in seinem Haus in Cambridge gestorben, teilte seine Familie mit. „Wir werden ihn für immer vermissen“, erklärten seine Kinder Lucy, Robert und Tim. Kurz danach veröffentlichte die Universität Cambridge ein Video des Astrophysikers. Es enthält seine letzten Worte an die Menschheit: „Egal wie schwierig das Leben zu sein scheint, es gibt immer etwas, was du tun kannst. Worin du Erfolg haben kannst. Es ist wichtig, dass du nicht einfach aufgibst.“

Der Geistesgigant, geboren am 300. Todestag Galileo Galileis in Oxford, gelangte in den 1970er-Jahren zu großer Bekanntheit. Hawking zeigte, dass Schwarze Löcher, die Staubsauger des Universums, Materie nicht nur verschlucken, sondern selbst verdampfen. Das Faszinierende daran: Die dabei entstehende Hawking-Strahlung kann es nur durch Anwendung der Quantenmechanik geben, also der Theorie kleinster Teilchen.

Hawking hat künftigen Forschergenerationen den Weg bereitet

Schwarze Löcher hingegen werden mit der Allgemeinen Relativitätstheorie erklärt – Physiker träumen seit Jahrzehnten davon, beide Theorien zu vereinen und eine universale „Weltformel“ zu finden. Das hat Hawking zwar nicht geschafft, aber künftigen Forschergenerationen den Weg bereitet.

Die Hawking-Strahlung ließ sich bisher nicht nachweisen. Wohl auch deshalb hat er nie einen Nobelpreis erhalten. In der Welt der theoretischen Physik gilt Hawking als ein renommierter Forscher unter einigen anderen. Die Öffentlichkeit aber sieht in ihm eine Jahrhundertfigur. „Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies“, sagte er einmal.

1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge

„Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige.“

1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge. In den 80ern entwickelte er die Idee eines grenzenlosen Universums ohne Rand und Anfang. Als er 1988 in einem Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ erzählte, war das auch für Laien halbwegs verständlich und begründete endgültig seinen Weltruhm. Fortan suchte er die Nähe zur Popkultur, verkörperte sich selbst in Fernsehserien wie „Raumschiff Enterprise“ oder „Big Bang Theory“.

Warnung vor dem Klimawandel und vor Robotern

2014 wurde sein Leben verfilmt. In seinen letzten Jahren trat er als Mahner auf, der vor dem Klimawandel genauso warnte wie vor Robotern und Außerirdischen.

All das schaffte er, obwohl er nur kommunizieren konnte, indem er mit Augenbewegungen einen Sprachcomputer an seinem Rollstuhl steuerte. Hawking äußerte die Ansicht, behinderte Menschen sollten sich auf das konzentrieren, was ihnen möglich ist – nicht darauf, was sie nicht können. „Die theoretische Physik ist einer der wenigen Bereiche, in denen eine Behinderung kein Handicap ist. Es spielt sich alles im Kopf ab.“

Die erste Ehe ging nach 30 Jahren auseinander

Der wohl wichtigste Mensch in Hawkings Leben war seine Frau Jane Wilde. Kurz vor der ALS-Diagnose hatten sich die beiden auf einer Studentenparty kennengelernt. Die Hochzeit gab ihm neuen Lebensmut. Als er merkte, dass die Krankheit bei ihm erstaunlich langsam voranschritt, stürzte er sich in die Arbeit und ins Leben: Er forschte wie ein Besessener, schrieb Bücher, hielt Vorträge und zeugte drei Kinder. Die Ehe nach 30 Jahren auseinander – Tochter Lucy bezeichnete ihn öffentlich als Haustyrannen.

Hawking war danach noch elf Jahre mit einer Pflegerin verheiratet. Doch zuletzt, heißt es, habe er sich seiner ersten Familie wieder angenähert. Ans Jenseits, sagte Hawking einst der Zeitung „Guardian“, glaube er nicht. Das Gehirn war für ihn ein Computer, dessen Einzelteile irgendwann nicht mehr funktionieren. „Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer. Das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.“

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