Essen

Der Mann, der die Wogen glättete

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Petra Koruhn

14 Jahre war er „Traumschiff“-Kapitän. Jetzt ist Siegfried Rauch im Alter von 85 Jahren gestorben

Essen.  Mauritius, Singapur, Hawaii – „Das Traumschiff“ hat Siegfried Rauch zum Weltenbummler der Luxusklasse gemacht. Der Mann mit dem weißen Haar und den tiefen Lebenslinien im Gesicht liebte die See und die ständig neuen Prüfungen auf offenem Meer. Doch tief im Herzen wollte der Schauspieler, der als Kapitän Paulsen 14 Jahre lang auf der Kommandobrücke stand, seine bayerische Heimat nie verlassen. Seine Idylle, das waren die Berge. Seit fast einem halben Jahrhundert lebte er südlich von München mit seiner Frau und den beiden ­Söhnen in einem Bauernhaus. Nun ist Rauch im Alter von 85 Jahren im bayerischen Untersöchering gestorben – an Herzversagen während eines Treffens bei der freiwilligen Feuerwehr.

„Er hatte auf ein Glaserl Wein vorbeigeschaut, um ein bisschen zu tratschen“, so der Bürgermeister gegenüber der lokalen Presse. Auf dem Nachhauseweg hat ihn ein Feuerwehrmann begleitet, weil er „wackelig“ auf den Beinen war. Und ist trotz Begleitung die Treppe heruntergestürzt. Eine Obduktion am Montag zeigte, dass der Sturz aber nicht tödlich war, sondern das Herz zuvor schon zu Schlagen aufgehört hatte.

In Erinnerung bleibt Rauch als Mann mit den Kapitänsstreifen. Wie er mit strahlend weißem Hemd und ­adretter Uniformjacke dastand: einer, der Wogen glätten konnte. Wie er den Luxus-Koloss sicher durch jeden Sturm navigierte, wie er an Bord mit einem Glas Champagner in der Hand Zoff unter Eheleuten schlichtete und jede Intrige durchschaute – er hatte immer den Blick fürs Wesentliche. Auch privat schaute er nach vorn: Schon vor Jahren hatte er sich einen Platz auf dem Friedhof als seine letzte Ruhestätte ausgesucht – mit Alpenblick natürlich.

In über 100 Filmen hat Rauch mitgespielt. Und sagte selbst einmal darüber: „Da war einiges Belangloses dabei. Manches war einfach nichts.“ Aktuell ist er im „Bergdoktor“ zu sehen, als graue Eminenz im Hintergrund. Wenn Not am Mann ist, zieht er sich den weißen Kittel über – und hört seinen Patienten zu. Das war stets das Besondere an Rauch: Er war immer mehr derjenige, der zuhörte, und nicht derjenige, der redete. Und das ganz bewusst: „Beim Film geht es um die Optik und nicht ums Gequatsche“, hat er noch wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag gesagt. „Viele wollen immer alles erklären, was man eigentlich sieht. An der Körpersprache eines Schauspielers muss man das sehen können!“

Was ihn am meisten ärgerte im Film, waren „die Quassler“. Immer gern bezog er sich auf seinen langjährigen Freund, den Schauspieler Steve McQueen, mit dem er 1971 den Film „Le Mans“ gedreht hatte. Und der gesagt hatte: „Lass die anderen reden, und guck du nur zu.“ Im „Bergdoktor“ sagt Rauch wirklich kaum etwas. Und es fällt kaum auf.

Qualität des Fernsehens brachte ihn in Rage

In einem seiner letzten Interviews – Pulli locker über der Schulter und die Pfeife paffend – wirkte er so gelassen wie abgeklärt. Doch eines konnte ihn immer in Rage bringen: die Qualität des deutschen Fernsehens. „Es läuft doch nur noch ,Tatort‘, nur noch Krimis.“ Erfolge wie der französische Film „Ziemlich beste Freunde“ seien in Deutschland nicht möglich. „Geh mal mit so einem Drehbuch zu einem Produzenten in Deutschland. Ein querschnittsgelähmter Millionär und ein Schwarzer, der ihn pflegt.“

Rauch, der eigentlich Architektur studiert hatte – und nur nicht aufhörte, „weil das Kantinenessen so gut war“ –, hat sich selbst immer als einen zufriedenen und heiteren Menschen beschrieben. Keiner, der sich aus der Ruhe bringen ließ. „Meine Mutter hat immer gesagt, das Leben geht eh seinen eigenen Weg.“ Ein Satz wie von Kapitän Paulsen.