Islamismus

Lebenslange Haftstrafe für Hamburger Supermarktmörder

In Hamburg erstach Ahmad A. einen Mann im Supermakt. Er habe „aus schlichtem Hass auf alle Ungläubigen“ gehandelt, sagt das Gericht.

Der verurteilte Ahmad A. hatte die Attacke vor Gericht gestanden.

Der verurteilte Ahmad A. hatte die Attacke vor Gericht gestanden.

Foto: Axel Heimken / dpa

Hamburg.  Sein Gesicht ist starr, Worte findet er keine, als er das Urteil hört: lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Ahmad A. (27) hat sich des Mordes sowie versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung in sechs Fällen schuldig gemacht, sagt Richter Norbert Sakuth am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Aus schlichtem „Hass auf alle Ungläubigen“ wurde ein zwischen extremer Religiosität und westlicher Lebensweise zerrissener, labiler junger Mann zum Mörder.

Die Tat von Ahmad A. sorgte deutschlandweit für Aufsehen. Am 28. August 2017 griff er in einer Hamburger Edeka-Filiale zum Messer und attackierte wahllos Kunden, so der Richter. In der Supermarktfiliale schnappte er sich, aufgewühlt vom Konflikt rund um die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem, ein Küchenmesser aus der Auslage und erstach einen Kunden, den 50 Jahre alten Matthias P. Ohne zu zögern stürmte er zur Fleischtheke, dort fügte er Ingo T. (56) lebensgefährliche Verletzungen zu.

Eine Gruppe Passanten stoppte ihn mit Stühlen und Steinen

Unter „Allahu Akbar“-Rufen (Gott ist groß) rannte er hinaus und stach auf Passanten ein. Drei weitere Männer und zwei Frauen erlitten schwere bis lebensgefährliche Verletzungen. Ahmad A. war auf sie losgegangen, weil er sie für Christen hielt. Er hat „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“ gehandelt, sagt Richter Sakuth, der den Ablauf noch einmal schildert: Der junge Mann wütete so lange, bis ihn eine Gruppe mit Stühlen und Steinen bewaffneter Passanten stoppte, überwiegend Muslime wie er selbst. Den Männern gelang es, ihn mit einem Steinwurf außer Gefecht zu setzen.

Mit einem „süffisanten Lächeln im Gesicht“ erzählte Ahmad A. einem LKA-Beamten kurz darauf, er habe so viele (junge) deutsche Christen töten wollen wie nur irgendmöglich. Leider sei er nicht als Märtyrer gestorben. Ein psychiatrischer Gutachter stellte später seine volle Schuldfähigkeit fest. Geplant hat Ahmad A. die Tat nicht, es handelte sich um eine „relative Spontaneität“, sagt Sakuth.

Über Norwegen, Schweden und Spanien kam er im März 2015 nach Deutschland

Am Morgen hatte er noch in seiner Unterkunft mit einem Mitbewohner Tee getrunken und sich mit den Worten „Bis heute Abend“ verabschiedet. Er ging zur Sprachschule und dann zur Ausländerbehörde, um seine wegen fehlender Papiere verzögerte Ausreise in sein Heimatland zu beschleunigen – vergebens. Schließlich besuchte er die Moschee, wo sich der Imam für eine friedliche Lösung des Konflikts in Jerusalem aussprach. Trotzdem ging der Angeklagte dann in den Supermarkt, um „Kuffar“ (Ungläubige) zu töten.

Noch einmal skizziert das Gericht den Lebensweg des geständigen Angeklagten. Wie der Palästinenser, fasziniert von der westlichen Lebensweise, nach Etappen in Norwegen, Schweden und Spanien im März 2015 in Deutschland ankam. Wie zuvor passte sich Ahmad A. auch hier an: Er besuchte ein Fitnessstudio, bestach im Sprachkurs durch exzellente Leistungen. Als absehbar wurde, dass sein Asylantrag abgelehnt würde, habe er sich radikalisiert. Immer wieder wechselten sich gemäßigte, „westliche“ Phasen mit radikalen ab. Dabei habe er „das schlichte Weltbild“ der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) übernommen.

Richter lobt praktizierte Solidarität von Menschen

Ein Terrorist im juristischen Sinne ist Ahmad jedoch nicht, heißt es. Der nicht vorbestrafte Mann ist ein Einzeltäter und nicht Mitglied einer terroristischen Vereinigung, sagte Sakuth. Aber er sei wegen seiner labilen Persönlichkeit anfällig gewesen. „Er hat sich durch die Propaganda des IS instrumentalisieren lassen“, so der Richter. Die Strategie des IS, mit derartigen Taten „die Gesellschaft zu spalten“, sei aber nicht aufgegangen. Die „praktizierte Solidarität von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen“ habe am Tattag das Gegenteil bewiesen.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen