Schneechoas

Autofahrer stehen seit 20 Stunden im Stau – und keiner hilft

Seit 24 Stunden sitzt Anthony Jammot in Südfrankreich mit seinen kleinen Kindern im Auto – 20 davon im Stau. Und keiner hilft ihnen.

Seit Stunden geht auf der A9 bei Montpellier nichts mehr.

Seit Stunden geht auf der A9 bei Montpellier nichts mehr.

Foto: Anthony Jammot

Montpellier.  Es geht weder vor, noch zurück: In Südfrankreich stecken Hunderte Autofahrer seit mindestens 20 Stunden auf einer Autobahn fest. Grund dafür ist das Schneechaos. Auf der A9 in der Nähe von Montpellier bildeten sich lange Staus – die Autofahrer müssen ohne Hilfe und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in ihren Wagen ausharren.

Einer von ihnen ist der französische Journalist Anthony Jammot, der auf Twitter aus seinem Auto über die Situation berichtet. Gemeinsam mit seinen kleinen Kindern stecke er noch immer im Stau, seit mehr als 24 Stunden sitzen sie im Auto.

Seinen ersten Tweet sendet er gestern um 16.10 Uhr ab. „Es ist eine apokalyptische Situation“, schreibt er. Es gebe Dutzende Unfälle, darunter sei ein Lastwagen, der die ganze Straße versperre.

Seit Stunden geht nichts mehr

Hilfe komme nicht durch. In drei Stunden habe er gerade mal 100 Meter gemacht, hieß es wenig später. Die Situation sei dramatisch. Es gebe keinen Schneepflug, keinen Abschleppwagen, keine Informationen. „Die Nacht kommt.“

Auch die alarmierte Feuerwehr komme nicht. Im Radio höre er gegen 20 Uhr, dass die Autobahn geschlossen werde. Einsatzkräfte werden sie bald evakuieren und zu einer Turnhalle bringen, wo sie die Nacht verbringen können, heißt es. Er fordere einen Krankenwagen für eine kranke Tochter an. Er sollte nicht kommen.

Auch Stunden später immer noch keine Informationen. Die Autobatterie ist zusammengebrochen. Es werde mit weiteren Schneefällen gerechnet, sagen einige Berichte voraus. Irgendwann gibt Jammot die Hoffnung auf. „Es scheint nun ganz klar zu sein, dass wir hier die Nacht verbringen werden“, schreibt er.

Es kommt keine Hilfe

Gegen 23 Uhr wird Jammot auf Nachfrage von der Feuerwehr informiert, dass sie ihm nicht helfen könne. Immerhin bringen Rettungskräft ihm und seinen Kinder wenig später ein paar Kekse und eine Flasche Wasser. Das mache die Situation allerdings nicht viel besser. Die Kinder bekämen allmählich Panik, schreibt er eine Stunde später.

Inzwischen kämen die Behörden mit der Räumung der Straße nur wenig voran. Nachdem der Lkw geräumt worden sei, sei ein weiterer Truck an derselben Stelle verunglückt. Wieder gehe nichts voran, schreibt Jammot.

„Ich denke, sie werden warten, bis jemand stirbt“, schreibt ein anderer Autofahrer ebenfalls auf Twitter.

Kinder hätten Hals- und Beinschmerzen

Seit 16 Stunden seien er und seine Kinder mittlerweile im Auto, schreibt er um 3 Uhr die Nacht. Sie seien völlig desorientiert, hätten mit dem weinen angefangen. Noch immer seien keine Einsatzkräfte zu sehen. Die Kinder hätten einen wunden Hals und Beine. „Es ist schon schmerzhaft für einen Erwachsenen, aber für Zwei- und Vierjährige ist es ein echter Alptraum“

Auch zu Tagesanbruch am Donnerstag steckt Jammot weiter mit seinen Kindern fest. Seit Stunden habe sich nichts bewegt. „Wir sind jetzt seit mehr als 24 Stunden im Auto. Das reicht“, heißt es in einem seiner jüngsten Tweets. Insgesamt sei er in 21 Stunden 300 Meter vorwärts gekommen.

Die Behörden in Südfrankreich sind nicht auf die Schneefälle vorbereitet gewesen, die Infrastruktur nicht darauf ausgerichtet. „Schnee fällt hier nur alle 30 bis 50 Jahre“, sagt der Bürgermeister von Montpellier. Nach derzeitigem Stand ist völlig unklar, wann Jammot und die anderen Hunderten Autofahrer befreit werden.

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