Sydney

Uni-Rituale schocken Australien

| Lesedauer: 2 Minuten
Barbara Barkhausen

An Sydneys Elite-College haben Studenten systematisch Kommilitonen gequält

Sydney. Die Vorwürfe betreffen ausgerechnet Australiens Vorzeige-Hochschule: Eine Untersuchung deckt erschreckende Praktiken an der Universität von Sydney auf – der ältesten Hochschule des Landes, die als eine der besten Unis der Welt gilt. Dort kam es zu Missbrauch, bizarren Initiationsritualen und frauenfeindlichen Aktionen. Der am Montag veröffentlichte „Red Zone Report“ fordert daher, Studententaufen künftig für illegal zu erklären.

Der 200 Seiten starke Bericht führt eine Reihe von Ritualen auf. Demnach gibt an der Uni eine Clique mächtiger, älterer Studenten den Ton an, die neue Kommilitonen im ersten Jahr sexuell belästigen und sadistisch quälen. Die Studentin Gabbie Lynch etwa berichtete dem Sender ABC davon, wie Erstsemester stundenlang auf dem schmutzigen Boden der College-Bar sitzen mussten, während sie von älteren Studenten angeschrien und gezwungen wurden, Alkohol zu trinken. „Uns wurde gesagt, wir seien Abschaum und das Allerletzte und wir hätten es nicht verdient, auf dem College zu sein, und wir müssten uns selbst beweisen“, so Lynch. Die Eltern eines jungen Mannes erheben schwere Vorwürfe: Ihr Sohn traute sich nach einer offenbar traumatischen Nacht in einer Studentenunterkunft nicht wieder dorthin zurück und beging später Suizid. Die Eltern glauben, dass Vorfälle an jenem Abend zu seinem Tod geführt haben könnten.

Erstsemester in einendunklen Raum eingesperrt

Zu den gängigen Praktiken gehört dem Report zufolge neben Alkoholexzessen auch, dass männliche Studenten in Shampooflaschen von Studentinnen masturbieren oder Fotos von Unterwäsche online posten, wenn sie mit einer Kommilitonin geschlafen haben. Während eines weiteren Rituals, bekannt als Grüne Goblins, werden männliche Erstsemester ausgezogen und ihre nackten Körper grün angemalt, bevor sie so durch das College laufen müssen. Gabbie Lynch war 2016 zu einem Ritual gezwungen worden, bei dem mehr als 100 Erstsemester in einen abgedunkelten Raum eingesperrt wurden, während jemand toten Fisch über sie warf. Sie habe sich klaustrophobisch gefühlt, sagte die junge Frau, viele Mädchen hätten geschrien und geweint.

Erst vor Kurzem waren bereits Aufnahmerituale von Studenten der Universität von Newcastle, rund zwei Stunden nördlich von Sydney, in australischen Medien kritisiert worden. Dort tauchten Fotos auf, die zeigten, wie männliche Erstsemester Bier von den Genitalien älterer Studenten oder ihr eigenes Erbrochenes trinken mussten. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Bericht der australischen Menschenrechtskommission belegt, dass 2016 jede zweite Studentin in Australien sexuell belästigt wurde. Mehrere Universitäten hatten daraufhin das Thema „Einverständnis zum Sex“ in den Lehrplan aufgenommen.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos