Schauspieler

Nicht nur der Bösewicht: Javier Bardem will Antarktis retten

Schauspieler Javier Bardem ist auf brutale Mörder abonniert. Nun wechselt er die Rolle: Er will die Antarktis vor dem Untergang retten.

Javier Bardem setzt sich für die Antarktis ein

Mit dem spanischen Hollywoodstar Javier Bardem wirbt die Umweltorganisation Greenpeace für einen besseren Schutz der Antarktis. Bei einer Antarktis-Expedition beteiligte sich der Schauspieler unte...

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Berlin.  Javier Bardem hat in seinem Leben viele grausame Figuren gespielt. Im Texas-Thriller „No Country For Old Men“ richtete er als schläfrig dreinschauender Auftragsmörder Unschuldige mit einem Bolzenschussgerät hin. In „Skyfall“ enthüllte er als Gegenspieler von James Bond seine durch eine Giftkapsel verunstaltete Fratze. Und dann steht Javier Bardem, dieser Fachmann für grobschlächtige Psychopathen, plötzlich vor einem – und entpuppt sich als unfassbar höflicher Mensch. Mit seinem starken spanischen Akzent sagt er poetische Sätze wie: „Diese Stille und diese Tiefe, das berührt die Seele.“

An diesem klirrend kalten Berliner Dienstagvormittag, das macht er unaufdringlich klar, soll nicht der Oscar-prämierte Schauspieler im Mittelpunkt stehen. Sondern der Privatmann Javier Bardem, der nach Deutschland gekommen ist, um von der interessantesten Reise seines Lebens zu berichten.

Mit Forschungsschiff in der Antarktis

Im Januar war er an Bord eines Greenpeace-Forschungsschiffs tagelang in der Antarktis unterwegs. Mit einem U-Boot tauchte er sogar hinab in rund 400 Meter Tiefe und sah mit eigenen Augen den Artenreichtum, der dort herrscht. „Es gibt keine 50 Menschen, die je in diesen Gewässern getaucht sind. Es ist ein Privileg, einer davon zu sein“, sagt der 48-Jährige, als er mit zerwuschelten Haaren und grauem Fünf-Tage-Bart Bilder seiner Expedition zeigt.

Bardem hat mit den größten Regisseuren überhaupt gearbeitet, mit Ridley Scott und den Coen-Brüdern genauso wie mit Pedro Almodóvar und Woody Allen. Spätestens seit seiner Rolle als Bond-Bösewicht vor sechs Jahren zählt er zu Hollywoods A-Liga.

Bardem ist Greenpeace-Mitglied

Sein Gewicht nutzt er nun, um für eine gute Sache zu werben: Bardem und Greenpeace fordern, dass weite Teile des Südpolarmeeres zum Schutzgebiet erklärt werden – ein 1,8 Millionen Kilometer großes Areal. Im Oktober entscheidet die internationale Antarktis-Kommission CCAMLR darüber. Bardem, der laut eigener Aussage seit Jahren überzeugtes Greenpeace-Mitglied ist, sagt mit Blick auf den von Klimawandel und Fischerei bedrohten Lebensraum vieler Meerestiere: „Wenn wir jetzt nicht die Chance am Schopf packen, wird es das bald alles nicht mehr geben. Man muss kein Wissenschaftler sein, um das zu verstehen.“

Wie er dasitzt in Jeans und dunklem Sakko und mit sanfter Stimme von seinen Eindrücken erzählt, wirkt er so gar nicht wie ein Filmstar – eher wie ein Geschäftsreisender, wie man ihn in einem Mittelklassehotel antreffen könnte. Bardem weiß, dass ihm mehr Leute zuhören als den unbekannten Umweltschützern, mit denen er unterwegs war, doch er will sich nicht in den Vordergrund spielen. Die riesigen Eisberge, die im antarktischen Sommer auf dem Wasser treiben, nennt der ehemalige Student der Malerei Kathedralen aus Eis: „Ich habe in meinem Leben viel Kunst gesehen, aber nichts hat mich so bewegt wie diese Kunstwerke der Natur.“

Er engagiert sich für seine Kinder

Die Frage, warum er sich ausgerechnet für Pinguine und Kraken rund um den Südpol einsetzt, beantwortet Bardem mit seinen Kindern. „Ich will nicht, dass sie mich eines Tages fragen, warum ich nichts unternommen habe, um das Sterben dieser Welt zu verhindern.“ Die Mutter seiner Kinder Leonardo (7) und Luna (4) ist Schauspielerin Penélope Cruz (43), die Bardem ein Jahr nach dem Dreh von „Vicky Cristina Barcelona“ geheiratet hatte. Die Familie lebt zurückgezogen in Madrid.

Glaubt er, mit seinem Einsatz tatsächlich irgendetwas zu bewirken? Nun, sagt Bardem, es gehe darum, Emotionen zu wecken. Deshalb will er einen Dokumentarfilm über die Antarktis veröffentlichen. In einem Jahr könnte er dann zurückkehren nach Deutschland, sinniert er – um den Film auf der nächsten Berlinale vorzustellen.

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