Peking

Öl fließt aus Tanker ins offene Meer

| Lesedauer: 4 Minuten
Felix Lee

Nach einer schweren Kollision mit einem Frachter vor Chinas Küste werden noch 32 Seeleute vermisst

Peking. Auf hoher See kollidiert ein Öltanker mit einem Frachter. Tausende Tonnen Öl fangen Feuer. Überlebende im chinesischen Staatsfernsehen berichten von hohen Flammen und dunklen Rauchwolken – und das mitten auf offener See. Die Lage ist kritisch: Der brennende Tanker ist in Schieflage und Öl läuft aus. Der Verbleib der 32-köpfigen Besatzung ist ungewiss.

Am späten Sonnabendabend ist rund 300 Kilometer östlich vor der Küste Shanghais der unter panamischer Flagge fahrende Öltanker „Sanchi“ mit einem chinesischen Frachtschiff zusammengestoßen. Wenige Sekunden später gab es eine heftige Explosion, der insgesamt 274 Meter lange Tanker ging komplett in Flammen auf.

Aufnahmen vom frühen Morgen zeigen die „Sanchi“ in Schieflage. Das Feuer konnte auch zwölf Stunden nach der Explosion noch nicht gelöscht werden. Von der gesamten 32-köpfigen Besatzung des Tankers gibt es kein Lebenszeichen. Die chinesischen Behörden sprechen von einer „groß angelegten Suchaktion“, die derzeit im Gange sei. Die 21 Seeleute auf dem chinesischen Frachter „CF Crystal“ konnten hingegen unversehrt gerettet werden.

Der Tanker soll nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua rund 136.000 Tonnen Öl im Wert von rund 60 Millionen US-Dollar an Bord gehabt haben. Die „Sanchi“ sei auf dem Weg vom iranischen Ölverladehafen Charg ins südkoreanische Daesan gewesen. Bei der Besatzung handele es sich um 30 Iraner und zwei Bangladescher. Eine Rettungskraft wird in chinesischen Medien mit den Worten zitiert, dass die „Überlebenschancen gering“ seien. Das gesamte Schiff brenne. Und selbst, wer es rechtzeitig geschafft haben sollte über Bord zu springen, dürfte kaum überlebt haben. „Das Wasser ist in dieser Jahreszeit zu kalt.“

Der unter Hongkonger Flagge fahrende Frachter „CF Crystal“ habe Xinhua zufolge „keine Schäden“ erlitten, die dessen Sicherheit gefährdeten. Das mit 225 Metern etwas kleinere Schiff soll rund 64.000 Tonnen Getreide geladen haben. Es war von den USA unterwegs in die südchinesische Provinz Guangdong. Die Angst vor einer Ölkatastrophe ist groß. Noch allerdings ist unklar, wie viel Öl ins Meer geflossen ist. Hubschrauberaufnahmen vom frühen Morgen zeigen einen Ölteppich rund um das brennende Unglücksschiff. Die Rettungskräfte befürchten, der Tanker könnte untergehen, sodass über Wochen Öl ins Meer austritt.

Insgesamt sind acht chinesische Rettungs- und Bergungsschiffe im Einsatz. Auf drei Schiffen versuchen Rettungskräfte bereits jetzt, das Öl von der Meeresoberfläche abzuschöpfen. Auch Südkorea hat am Sonntagmorgen zur Unterstützung ein Schiff der Küstenwache sowie ein Flugzeug zur Suche nach den Vermissten ins Unglücksgebiet geschickt.

Beim Unglück 2007 flossen 10.000 Tonnen Öl ins Meer

Über die Ursache der Kollision war am Sonntag zunächst nichts bekannt. Das iranische Ölministerium teilte lediglich mit, der Tanker gehöre einem staatlichen Unternehmen. Die Sicherheitsvorkehrungen haben den höchsten Standards entsprochen. Schiff und Ladung seien versichert, heißt es. Zu dem Frachter aus Hongkong machten die chinesischen Behörden keine näheren Angaben.

In den Gewässern entlang der chinesischen Küste verlaufen einige der am meisten befahrenen Schifffahrtswege der Welt. Mit China, Japan, Südkorea und Taiwan gehören gleich vier wirtschaftliche Schwergewichte zu den Anrainern des Ostchinesischen Meeres. Mehr als die Hälfte des weltweiten Frachtverkehrs geht über diese Gewässer. Angesichts dieses regen Schiffverkehrs kommt es im Ostchinesischen Meer regelmäßig zu Zusammenstößen, die meisten davon verlaufen glimpflich. 2007 kam es vor der südkoreanischen Küste allerdings zum bis dahin schlimmsten Tankerunglück in der Region. Über 10.000 Tonnen Öl flossen ins Meer. Noch Wochen später wurden ölverschmierte Vögel an die Küsten geschwemmt. China und Japan streiten sich seit Jahrzehnten um die Hoheit in dem Gewässer. Es geht vor allem um die eine Reihe unbewohnter Inseln. In der Gegend werden gigantische Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

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