New York

Guru macht Hollywood-Stars gefügig

Der Sekte Nxivm wird vorgeworfen, Frauen zu missbrauchen– unter ihnen sind auch Prominente

New York. Geheime Brandmale, intime Videos, Sklavenhaltung: Hollywood hat den Skandal um die Übergriffe des Filmproduzenten Harvey Weinstein noch längst nicht ausgestanden, da geraten weitere Schauspielerinnen in äußerst pikante Schlagzeilen. Berichte über eine obskure Sexsekte erschüttern die USA.

Mehrere prominente Frauen erzählen von ihren Erfahrungen mit einer Vereinigung, die sich öffentlich als Selbsthilfeorganisation darstellt. Die Schauspielerin Catherine Oxenberg (56), bekannt aus der Serie „Denver-Clan“, behauptet, ihre Tochter India sei dem Sektengründer verfallen. Die 26-jährige Frau müsse eine Dauerdiät machen, um seinen erotischen Vorlieben für magere Körper zu entsprechen. Sie sei so abgemagert, dass sie seit einem Jahr keine Regelblutung mehr gehabt habe und ihr schon die Haare ausfielen. „Meine Tochter ist in diese Meister-Sklave-Beziehung geraten“, beklagt Oxenberg in mehreren Interviews mit Zeitungen und Fernsehsendern.

Sarah Edmondson (40), eine Schauspielerin aus Kanada, berichtet von einem regelrechten Sadomasokult. Jahrelang sei sie Mitglied von Nxivm (sprich: „Nexium“) gewesen, einer Gruppe, die nach eigenen Angaben in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten mehr als 16.000 Frauen in rund 30 Ländern dabei unterstützt hat, ein besseres Leben zu führen. Tatsächlich, sagt Edmondson, gehe es darum, Frauen gefügig zu machen.

Wer in den engeren Kreis aufgenommen werde, müsse ein schmerzhaftes Initiationsritual über sich ergehen lassen: Sie musste sich, so schildert sie es unter anderem gegenüber der „New York Times“, ausziehen und auf einem Massagetisch legen, während drei andere Frauen sie an Beinen und Schultern festhielten. Dann musste sie sagen: „Meister, bitte brandmarken Sie mich, es ist eine Ehre für mich.“ Eine Ärztin habe ihr daraufhin ein Zeichen auf die Hüfte gebrannt, das die Initialen der Sektenführer symbolisiere. Im Raum habe es nach verbranntem Fleisch gerochen. „Ich schrie und weinte die ganze Zeit“, sagte Edmondson.

Gründer Keith Raniere bestreitet Vorwürfe

Nicht alle Frauen, die mit Nxivm zu tun haben, werden Teil des engeren Kreises. Die meisten Teilnehmerinnen nehmen einfach an Seminaren teil und wollen lernen, sich selbst zu verwirklichen und psychologische Hürden zu überwinden. Der Nxivm-Trick besteht darin, dass die Selbsthilfekurse nur dazu dienen, junge, berühmte, gut aussehende Frauen für den inneren Kreis zu rekrutieren – das sagt das ehemalige Mitglied Frank Parlato, der ein Jahr lang für den öffentlichen Teil von Nxivm gearbeitet hat. Vor einigen Monaten veröffentlichte er im Internet den „Frank Report“, in dem er die angeblichen Methoden der Organisation enthüllt. „Das Ganze wird als etwas Faszinierendes verkauft. Eine Gruppe für Frauen, in der sie Training und Coaching erhalten und dann entscheidende Dinge in der Welt bewegen würden – so wie die Freimaurer“, berichtet Parlato. Hinter Nxivm steht ein Mann namens Keith Raniere. Parlato beschreibt den 57-Jährigen als Oberguru. Etwa 70 bis 80 Frauen sollen der geheimen Sekte angehören. Raniere streitet die Vorwürfe ab. In einer Mitteilung schreibt er, er sei tief betroffen. Nxivm habe eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe in Auftrag gegeben. Die Frauen in seiner Vereinigung seien gesund und glücklich.

Mehrere Ex-Mitglieder schildern jedoch, dass sie sich erpressbar machen und Nacktfotos oder -videos abliefern mussten, um Zugang zum inneren Zirkel zu erlangen. „Alle haben Sex mit Keith“, sagt Catherine Oxenberg.

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe haben Zeitungen die Namen weiterer bekannter Schauspielerinnen veröffentlicht, die angeblich ebenfalls Mitglieder der Sekte sind. Eine Darstellerin aus einer Science-Fiction-Serie ist darunter. Und ein Star aus einer US-Serie, die vor einigen Jahren auch hierzulande ausgestrahlt wurde. Diese soll die Vize-Chefin des Nxivm-Kults sein – ihre Aufgabe: neue Frauen zu rekrutieren. „Ich bin wild entschlossen, meine Tochter zu retten“, sagt Oxenberg. „Ich will ihr und den anderen jungen Frauen helfen.“ Sie habe sich deshalb an die New Yorker Staatsanwaltschaft gewendet.

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