Bochum

Obdachloser lebendig begraben

Polizei wendet sich nach brutalem Überfall in Bochum an die Öffentlichkeit

Bochum. Volker Schütte ist ein erfahrener Polizist, seit Jahrzehnten im Beruf. Doch dieser Fall schockt sogar einen hartgesottenen Beamten wie ihn: "Der Überfall ist einer der brutalsten, den ich in 40 Jahren Dienstzeit erlebt habe." Ein skrupelloser Verbrecher hat in Bochum erst versucht, einen Obdachlosen umzubringen, und den Schwerverletzten dann unter einem Steinhaufen lebendig begraben. "Die Ermittlungen gehen in Richtung versuchter Mord", sagt Bochums Polizeisprecher Schütte.

Die grausame Tat stellt die Ermittler vor Rätsel. Sie ereignete sich bereits in der Nacht zum 9. November, doch weil sie den Täter nicht gefasst hat, geht die Polizei jetzt an die Öffentlichkeit. Das Martyrium des Opfers begann morgens gegen halb zwei. Der 55-Jährige, ein gebürtiger Pole ohne festen Wohnsitz, hielt sich an einer Bushaltestelle im Osten der Stadt auf. Plötzlich näherte sich der Täter. Der Obdachlose verließ die Haltestelle und lief auf den Parkplatz einer nahe gelegenen Moschee. Der Täter folgte ihm, schlug den Mann nieder und warf faustgroße Pflastersteine auf ihn – die gehörten zu einer Baustelle und lagerten zufällig auf dem Parkplatz. Als der Obdachlose reglos am Boden lag, verscharrte der Verbrecher ihn unter Steinen, wuchtete eine Palette sowie mehrere mit Split gefüllte Säcke auf den scheinbar leblosen Körper. Mehrere Minuten muss das gedauert haben, ist sich Schütte sicher. Danach flüchtete der Täter.

Das Opfer hat den Angriff überlebt. Unter dem Steinhaufen kam er zu sich, war jedoch bewegungsunfähig. Erst Stunden später wurde ein Anwohner auf den Mann aufmerksam und verständigte einen Krankenwagen. ",Hilfe! Hilfe!' hat er gerufen", erinnert sich der Retter gegenüber unserem Reporter an die dramatische Nacht.

Ermittler jagen den Tätermit verschwommenem Foto

Der Obdachlose erlitt mehrere Rippenbrüche und war stark unterkühlt, konnte das Krankenhaus inzwischen aber verlassen. Die Polizei hat bislang keine heiße Spur. Nun hoffen die Ermittler darauf, dass sich Zeugen melden. Ein von einer Überwachungskamera stammendes Fahndungsfoto zeigt den Täter jedoch nur in verschwommenen Umrissen.

Nicht nur die Identität, auch das Motiv des Täters sind völlig unklar. Der Wohnungslose war offenbar ein leichtes Opfer. Der Retter, der seine Hilferufe gehört hatte, kennt den Mann. Er habe sich jeden Tag in der Gegend aufgehalten – stets betrunken.

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