Flüchtlingsprojekt

„Suppen für Syrien“ – Wie Kochrezepte Flüchtlingen helfen

Das Buch „Suppen für Syrien“ zeigt: Suppe hilft nicht nur gegen Hunger. Das Rezept für „Rote-Linsensuppe aus Aleppo“ zum Nachkochen.

Eine heiße Suppe ist nicht nur Nahrung, sondern immer auch Seelentröster.

Eine heiße Suppe ist nicht nur Nahrung, sondern immer auch Seelentröster.

Foto: Jitalia17 / Getty Images

Berlin.  Eine heiße Suppe macht nicht nur satt, sie wärmt an kalten Tagen – und sie wärmt das Herz, spendet Trost, wenn die Welt um einen herum sich grau und trostlos zeigt. Suppe ist ein Seelentröster. Genau deshalb ist das Kochbuch „Suppen für Syrien – 80 Lieblingsrezepte aus aller Welt“ ein Suppen-Kochbuch geworden und keine Sammlung von Rezepten für andere Gerichte.

Denn es hilft Menschen, die gerade eine schwere Zeit durchleben, die Trost und Wärme gut gebrauchen können: Mit den Einnahmen aus dem Verkauf wird die Flüchtlingshilfe-Organisation Schams e. V. unterstützt.

Der Verein wurde 2012 auf Initiative des berühmten deutsch-syrischen Buchautors Rafik Schami gegründet. Schams fördert Projekte für Kinder und Jugendliche aus Syrien in der Türkei und im Libanon. Schwerpunkte sind dabei Bildungsangebote, psychosoziale Betreuung und die Förderung ihres kreativen Potenzials. Die gesamten Erlöse aus dem Verkauf von „Suppen für Syrien“ gehen zu 100 Prozent an Schams e. V. und kommen somit syrischen Kindern und Jugendlichen zugute.

Kochbuchautorin besuchte Syrier im Flüchtlingscamp

„Suppen für Syrien“ ist in den USA unter dem Titel „Soup for Syria“ bereits 2015 erschienen. Die libanesische Food-Journalistin, Kochbuchautorin, Fotografin und Fernsehmoderatorin Barbara Abdeni Massaad hatte die Idee zu dem Kochbuch, als sie in ihrer Heimatstadt Beirut ein Flüchtlingscamp besuchte, um dort an kalten Wintertagen mit syrischen Familien gemeinsam zu kochen.

„Als ich die syrischen Flüchtlinge im Libanon besuchte, sagte ich zu ihnen: ‘Wenn ich Friseurin wäre, würde ich euch kostenlos die Haare schneiden. Weil ich Kochbuchautorin und Fotografin bin, werde ich durch meine Arbeit versuchen, euch zu helfen’“, erzählt sie aus der Zeit. Gesagt, getan. Abdeni Massaad sprach international bekannte Köche an und bat jeden von ihnen um ein Suppenrezept. „Soup for Syria“, das neben Suppen-Rezepten auch Porträts von Syrern im Flüchtlingscamp in Beirut enthält, wurde in den USA zum Bestseller. Mittlerweile ist es auch in den Niederlanden und in der Türkei erschienen.

Rafik Schami fand zunächst keinen Verleger

Auch die deutsche Version des Suppen-Kochbuchs ist seit März dieses Jahres im Handel. Autor Rafik Schami half bei der Suche nach einem Verleger – anfangs allerdings vergeblich: „Auf meine ersten Anfragen jedoch bekam ich abschlägige Antworten“, schreibt der Autor in seinem Vorwort für das Kochbuch. „Eine Weisheit meines Vaters aber leitet mich schon mein ganzes Leben lang: ‘Wirf eine Handvoll Lehm gegen eine weiße Wand, entweder bleibt er hängen oder er hinterlässt Spuren. Wenn du aufgibst, bleibt die Wand mit Sicherheit weiß.’“

Schamis Hartnäckigkeit wurde belohnt. Der Verlag DuMont löffelte die Suppe gemeinsam mit ihm aus. Die Deutsche Ausgabe von „Suppen für Syrien“ wurde um Rezepte von deutschen Starköchen erweitert: Die Suppen-Rezepte von Sarah Wiener, Christian Rach, Nelson Müller, Mario Kotaska und Ralf Zacherl stehen nun neben denen des britisch-israelischen Kochs Yotam Ottolenghi, der Schweizerin Meta Hiltebrand oder des New Yorkers Anthony Bourdain.

Leidenschaftliche Köche verraten ihre Rezepte

Auch die Suppen-Rezepte weniger bekannter, dafür aber genauso leidenschaftlicher Köche können ganz einfach nachgekocht werden – etwa das der Innenarchitektin und Designerin Marie Carmen Fallaha aus Mexiko, eines der Ärztin Beatrice Kather aus Beirut, das Suppen-Rezept von Linda Toubia, Mutter von fünf Kindern, Großmutter von zehn Enkeln und zweifache Urgroßmutter aus dem Südlibanon.

Lust, nun auch den Kochlöffel zu schwingen? Eine Kostprobe aus „Suppen für Syrien“ bietet das Rezept von Aziz Hallaj, Berater für Stadtplanung und Gastdozent an der Amerikanischen Universität Beirut:

Rezept: „Rote-Linsensuppe aus Aleppo mit Verjus“

Für 4-6 Personen

Zutaten:

  • 400 g rote Linsen
  • 2 Teelöffel Baharat-Gewürzmischung oder Garam Masala
  • 2 Teelöffel gemahlener Cumin (Kreuzkümmel)
  • Salz
  • 250 ml Verjus (saurer Saft aus unreifen Trauben, ersatzweise Zitronensaft)
  • 250 ml Olivenöl extra vergine
  • 10 kleine Knoblauchzehen, zerdrückt
  • geröstete Croûtons (optional)
  • 1 Teelöffel Pul Biber (gibt es in türkischen Lebensmittelgeschäften) oder Paprikapulver

Zubereitung:

Die Linsen in einem großen Topf mit 1,5 Litern Wasser übergießen und zum Kochen bringen. Etwa 30 Minuten köcheln, bis sie ganz weich sind. Aufsteigenden Schaum von der Oberfläche abschöpfen.

Gewürzmischung, Cumin, etwas Salz und Verjus einrühren und etwa 10 Minuten mitkochen. Danach sollten die Linsen ein wenig zerfallen sein, sodass sie die Suppe andickt.

Das Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Knoblauchzehen darin goldbraun anbraten (aber nicht schwarz). Sofort zur Suppe geben, gut unterrühren und noch 2 Minuten mitgaren.

Die Suppe auf Schälchen verteilen, nach Belieben mit Croûtons garnieren und mit ein wenig Pul Biber oder Paprikapulver bestreuen. Heiß servieren.

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Barbara Abdeni Massaad
„Suppen für Syrien – Lieblingsrezepte aus aller Welt“
224 Seiten
34 Euro