Bonn

Elf Jahre für Camping-Vergewaltiger

Flüchtling drang mit einer Säge ins Zelt eines jungen Paares ein. Im Prozess zeigt er keine Reue

Bonn. Seine Tat war schon schlimm genug. Im Prozess führte er sich auf wie ein Irrer: beschimpfte sein Opfer, leugnete trotz erdrückender Beweise alle Vorwürfe und randalierte im Gerichtssaal. Man habe noch versucht, ihm eine „goldene Brücke“ zu bauen, sagt Richter Marc Eumann bei der Urteilsverkündung. Hätte er die Vergewaltigung gestanden, wäre der Leidtragenden wenigstens eine Aussage in der Verhandlung erspart geblieben. Doch Eric X. weigerte sich. Nun muss er ins Gefängnis. Das Bonner Landgericht verurteilte ihn am Donnerstag zu elfeinhalb Jahren Haft wegen besonders schwerer Vergewaltigung und räuberischer Erpressung.

Damit endet ein Prozess, der weit über das Rheinland hinaus Menschen bewegt. Weil das Verbrechen in eine Zeit fällt, in der sich viele fragen, ob Deutschland unsicherer geworden ist durch die große Zahl der Flüchtlinge. Und weil die Tat durch eine Behördenpanne noch folgenreicher wurde.

Es geschah im April 2017. Ein Studentenpaar aus Baden-Württemberg zeltet am Ufer der Sieg bei Bonn. Als die beiden gegen Mitternacht in ihren Schlafsäcken liegen, hören sie draußen eine aggressive Stimme. Plötzlich schlitzt jemand mit einer langen Astsäge – sie halten die Waffe für eine Machete – das Zelt auf. Eric X. (31) steckt seinen Kopf hinein, verlangt Geld. „Sie hatten pure Angst um ihr Leben“, sagt Richter Eumann. „In dem engen Zelt fühlten sie sich in dem Moment wie Tiere im Käfig.“

Seine Beute: Kleingeldund ein Lautsprecher

Die beiden überlassen dem Angreifer sechs Euro und eine Lautsprecherbox. Dann fordert der Täter die 23 Jahre junge Frau auf, mit nach draußen zu kommen. Auf einer mitgebrachten Decke vergewaltigt er sie, die Säge griffbereit neben sich. Immer wieder habe sie ihn angefleht, sie am Leben zu lassen. Der Freund des Opfers (26) kauert im Zelt und wählt mit seinem Handy den Notruf. Doch die Polizistin in der Zen­trale hält seinen Anruf zunächst für einen Scherz. Die Beamtin wird später strafversetzt. Eric X. verschwindet in die Nacht. Sechs Tage danach greifen Polizisten ihn auf. Die gestohlene Lautsprecherbox trägt er bei sich.

Bei der Urteilsverkündung wirkt der Angeklagte emotionslos. Seine Hände und Füße sind gefesselt. Der Flüchtling aus Ghana ist schon mehrfach als Gewalttäter aufgefallen. In den Verhören räumte er ein, er habe in seiner Heimat seinen Schwager erschlagen. Deshalb sei er über Libyen und Italien nach Deutschland geflohen, wo er im Februar 2017 ankam. In der Untersuchungshaft prügelte er mehrfach auf Wachpersonal ein, danach wurde er im Hochsicherheitstrakt eines Kölner Gefängnisses untergebracht. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte ihm narzisstische Persönlichkeitszüge, die aber nicht krankhaft seien. Zu Beginn des Prozesses hatte er von „Märchengeschichten“ gesprochen und die 23-Jährige sogar als Prostituierte verhöhnt.

Nach Verbüßung seiner Strafe wird er abgeschoben

Wenige Tage vor der Tat war der Asylantrag des Mannes abgelehnt worden. Nach seiner Haftstrafe wird Eric X. abgeschoben. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig: Der Ghanaer will nach Angaben seines Verteidigers in Revision gehen.

Mit dem Schuldspruch blieb das Gericht unter dem Antrag der Anklage. Die Staatsanwaltschaft hatte für eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren plädiert. Die Verteidigung hatte darauf verzichtet, ein konkretes Strafmaß zu fordern. Für die Opfer sei die Strafe letztlich unerheblich, sagt Nebenklage-Anwältin Gudrun Roth. „Keine Strafe der Welt kann wiedergutmachen, was geschehen ist.“

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