Anschlag

Maltesische Investigativjournalistin mit Autobombe getötet

Galizia arbeitete an einer Geschichte zu EU-Firmen, die in Malta steuern hinterziehen. Am Montag fiel sie einem Anschlag zum Opfer.

Die Journalistin Daphne Caruana Galizia wurde durch einen Anschlag in ihrem Auto getötet (Archivbild).

Die Journalistin Daphne Caruana Galizia wurde durch einen Anschlag in ihrem Auto getötet (Archivbild).

Foto: DARRIN ZAMMIT LUPI / REUTERS

Valletta.  Die maltesische Journalistin Daphne Galizia ist Opfer eines gezielten Anschlags geworden. Regierungschef Joseph Muscat bestätigte, dass die 53-Jährige am Montag durch eine Autobombe in ihrem Wagen getötet wurde. „Das ist eine tückische Attacke auf einen Bürger und auf die Meinungsfreiheit“, schrieb er auf Twitter. Muscat war zwischenzeitlich selbst im Fokus von Caruana Galizias Recherchen gestanden, die unter anderem an den „Panama Papers“ mitgearbeitet hatte.

Maltesischen Medienberichten zufolge explodierte Caruana Galizias Auto, kurz nachdem die 53-Jährige es gestartet hatte. Dem staatlichen TV-Sender TVM zufolge hatte sich Caruana vor zwei Wochen an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe.

Caruana Galizia hatte zur Zeit des Anschlags an den sogenannten Malta Files gearbeitet, 150.000 vertrauliche Dokumente der maltesischen Finanzbehörden, die die Steuerhinterziehung von Privatleuten und EU-Unternehmen in großem Stil offenlegen.

Viele DAX-Firmen haben auf Malta Firmen

Viele Unternehmen haben auf Malta Briefkastenfirmen, darunter BMW, BASF und Lufthansa. Das an sich ist nicht illegal, solange die Unternehmen auch auf Malta tätig sind. Daran gibt es inzwischen jedoch berechtigte Zweifel.

Die „Politico“ bezeichnete Caruana Galizia in einem Porträt einmal als „one-woman WikiLeaks“ und nominierte sie als eine von 28 Europäer und Europäerinnen, die den Kontinent formten und aufwirbelten. Der Blog der politischen Journalistin hatte mehr Leser als die maltesischen Zeitungen zusammen.

Enthüllungsartikel über Frau des Regierungschefs

Caruana Galizia hatte mit einem Artikel über die Grenzen Maltas hinaus für Aufsehen gesorgt, indem sie schrieb, dass eine in den sogenannten „Panama Papers“ erwähnte Firma der Frau des Regierungschefs gehöre. Muscat hatte diese Darstellung als Lüge bezeichnet.

Die Regierung von Malta war schon vor dem Artikel von dem Skandal um Briefkastenfirmen in Panama erfasst worden: Die Dokumente enthüllten unter anderem, dass Energieminister Konrad Mizzi und Muscats Kabinettschef Keith Schembri in Panama ihre eigenen geheimen Firmen aufgezogen hatten.

EU-Parlamentspräsident Tajani schockiert

Politiker haben mit Entsetzen auf den Anschlag reagiert. „Brutaler Mord an Daphne Caruana Galizia: tragisches Beispiel einer Journalistin, die ihr Leben geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen“, twitterte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani.

„Ich bin tief schockiert über den Tod von Daphne Caruana Galizia“, sagte Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parlament. Caruana Galizia habe „eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung schwerwiegender Vorwürfe zu Geldwäsche und Korruption in Malta, einschließlich Anschuldigungen gegen hochrangige Mitglieder der maltesischen Regierung“ gespielt, sagte Giegold und fügte hinzu: „Solche Vorfälle erinnern an Putins Russland, nicht an die Europäische Union.“ (aba/dpa)

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