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Kino-Mogul Weinstein als Sexualstraftäter unter Verdacht

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Dirk Hautkapp
Kino-Produzent Harvey Weinstein steht im Verdacht der sexuellen Nötigung.

Kino-Produzent Harvey Weinstein steht im Verdacht der sexuellen Nötigung.

Foto: Mike Blake / REUTERS

Erneut sorgt ein Fall von sexueller Nötigung in den USA für Wirbel. Diesmal geht es um einen einflussreichen Boss aus dem Filmgeschäft.

Washington.  In dem Kino-Klassiker „Sex, Lügen und Video“ nähert sich die von James Spader gespielte Hauptfigur den Frauen sanft, beinahe verklemmt durchs Kamera-Objektiv. Dem Produzenten des fast 30 Jahre alten Meisterwerks von Steven Soderbergh war diese Zurückhaltung offenbar nie gegeben.

Harvey Weinstein (65), Produzent von Kassenschlagern wie „Good Will Hunting“, „Shakespeare in Love“, „Pulp Fiction“, „Der englische Patient“ oder „No Country for Old Man“, soll sich über Jahrzehnte jungen Schauspielerinnen in sexueller Bulldozer-Manier aufgedrängt haben.

Karrierehilfe gegen Sex

Klassische Masche eines der einflussreichsten Bosse der Traumfabrik Hollywood laut der Aktrice Ashley Judd: Der bei 1,80 Meter Körpergröße und 110 Kilo Lebendgewicht etwas wuchtbrummig geratene Impressario empfing im Bademantel in den Zimmern von Nobel-Hotels, bot Massagen an, äußerte das Bedürfnis, beim Duschen beobachtet zu werden und stellte gegen körperliche Zuwendung Karrierehilfen in Aussicht.

Wie einem Bericht der „New York Times“ zu entnehmen ist, hat der verheiratete Vater von fünf Kindern mit mindestens acht Frauen, darunter bekannte Schauspielerinnen wie Rose McGowan („Charmed“), außergerichtlich Stillhalteabkommen geschlossen: Geld gegen Schweigen. Größenordnung: zwischen 80.000 und 150.000 Dollar.

Weinstein fährt eine Doppelstrategie

Aus Angst vor einem Karriereknick, so die Autorin Jodi Kantor, blieb das sexuelle Raubtierverhalten Weinsteins unter der Decke. Gleichwohl sei seine Umtriebigkeit in der Branche stadtbekannt gewesen.

Seit der Fall öffentlich ist, fährt der für Tobsuchtsanfälle berüchtigte Weinstein (Bernardo Bertolucci nannte ihn einmal den „kleinen Saddam Hussein des Kinos“) eine Doppelstrategie. In ersten Interviews schüttete er sich Asche aufs Haupt, gelobte Besserung, mehr Achtung gegenüber Frauen und den Gang in die Therapie, um seine „Dämonen“ zu bändigen. Von seinem Posten als Chef der „Weinstein Company“ will er sich aber vorerst zurückziehen.

Weinstein: „So war die Kultur damals“

Auf der anderen Seite erklärt Weinstein sein Beuteverhalten mit dem Zeitgeist („Ich komme aus den Sechzigern und Siebzigern. So war die Kultur damals.“) und droht der „New York Times“ über Anwälte mit einer 50-Millionen Dollar-Klage, weil der Artikel über ihn mit „falschen und verleumderischeren“ Angaben gespickt sei.

Für die amerikanische Öffentlichkeit ist der jüngste Fall von chronisch sexueller Belästigung durch mächtige, alte Männer keine große Sensation mehr. Der Entertainer Bill Cosby und die ehemaligen Fox-News-Granden Roger Ailes und Bill O’Reilly hatten für ähnliche Schlagzeilen gesorgt.

Weinstein spendete auch für Obama

Und nicht zu vergessen: Donald Trump. Als im Wahlkampf die verbalen Eskapaden („Du kannst Ihnen zwischen die Beine greifen“) des heutigen US-Präsidenten bekannt wurden, gingen vor allem viele Demokraten auf die Sittenwächter-Barrikaden. Bei Weinstein könnte die Beißhemmung größer sein. Er hat für fast alle großen Namen von Barack Obama bis Hillary Clinton gespendet.