Tragödie

Attentat in Las Vegas – Das wissen wir über Tat und Täter

| Lesedauer: 7 Minuten
Absperrungen in der Nähe des Mandalay Bay, von dem aus der mutmaßliche Attentäter Stephen Paddock mehr als 50 Menschen ermordet haben soll.

Absperrungen in der Nähe des Mandalay Bay, von dem aus der mutmaßliche Attentäter Stephen Paddock mehr als 50 Menschen ermordet haben soll.

Foto: LUCY NICHOLSON / REUTERS

In Las Vegas sind bei einem Konzert Schüsse gefallen. Dutzende Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Das wissen wir über den Fall.

Las Vegas.  Mehr als 22.000 Menschen besuchten am Sonntag das Country-Festival in Las Vegas als plötzlich Schüsse fielen. Dutzende Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt – das ist die traurige Bilanz der Schießerei in der Spiel- und Spaß-Metropole Las Vegas.

Über die Tragödie werden immer mehr Details bekannt. Das wissen wir bisher:

Was ist passiert?

Am Sonntag hat gegen 22 Uhr (Ortszeit) ein Mann aus dem 32. Stock des Hotel Mandalay Bay auf Besucher des dreitägigen Route 91 Country Music Harvest Festival auf der Vergnügungsmeile der Stadt geschossen. Zur Tatzeit waren rund 22.000 Besucher dort. Countrysänger Jason Aldean hatte gerade seinen Auftritt. Nie zuvor in der Kriminalgeschichte der USA kamen bei einem derartigen Verbrechen mehr Menschen ums Leben.

Der Tatort liegt unweit des internationalen Flughafens von Las Vegas, der seinen Betrieb nach dem Angriff vorübergehend einstellte.

Gerüchte über weitere Schießereien oder Autobombenanschläge in Las Vegas seien falsch, betonte die Polizei.

Wie viele Opfer gibt es?

Mindestens 59 Menschen starben bei dem bewaffneten Angriff, 529 Personen wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Zahl der Toten wurde zunächst mit zwei, dann mit 20 und zuletzt mit 50 angegeben. Anfangs war von 100 Verletzten die Rede.

Was wissen wir über den Täter?

Laut Polizei soll es sich beim Täter um den 64 Jahre alten Stephen Paddock handeln. Er soll aus Mesquite kommen, einer Stadt in der Nähe von Las Vegas.

Die Polizei fand den Mann tot in seinem Hotelzimmer auf. Er soll sich nach Angaben der Polizei wohl selbst getötet haben. „Wir glauben, dass er sich selbst das Leben genommen hat, bevor wir eingedrungen sind“, beschrieb Bezirkssheriff Joseph Lombardo die Szene. Den Ermittlern zufolge soll es sich um einen Einzeltäter handeln. In seinem Hotelzimmer, das er seit dem 28. September angemietet hatte, fand die Polizei 16 Feuerwaffen.

Bei der Schießerei kam wahrscheinlich ein Maschinengewehr oder eine andere militärische Waffe zum Einsatz, schätzt ein FBI-Fachmann. Darauf deuteten die Schussgeräusche hin, die auf Videos vom Tatort zu hören gewesen seien. Im Haus des mutmaßlichen Schützen von Las Vegas sind 18 Handfeuerwaffen, mehrere Tausend Schuss Munition und Sprengsätze gefunden worden. In dem Auto des Verdächtigen wurden mehrere Pfund Ammoniumnitrat gefunden, das zur Herstellung von Sprengsätzen verwendet werden kann.

Paddock war nicht wegen Gewalttaten polizeibekannt. Einziger Eintrag in seiner Akte sei ein Verkehrsdelikt von vor mehreren Jahren, teilte die Polizei mit. Die Polizei sucht daher weiter nach einem Motiv.

Paddocks Bruder Eric sagte der Zeitung „Las Vegas Review-Journal“, er könne sich nicht vorstellen, warum sein Bruder die Bluttat begangen haben könnte. Er sei kein Fanatiker gewesen, weder politisch noch religiös. Er sei lediglich hin und wieder nach Las Vegas gefahren, um dem Glücksspiel nachzugehen.

In seinem Berufsleben führte der mutmaßliche Attentäter eine Nomadenexistenz mit vielen Stationen. Er soll als Gebäudemanager und als Buchhalter gearbeitet haben. Er besaß eine Pilotenlizenz, auf seinen Namen war zumindest ein einmotoriges Flugzeug zugelassen.

Eric Paddock erklärte auch, Vater Benjamin sei ein gesuchter Bankräuber gewesen, der 1969 aus dem Gefängnis ausgebrochen war und in damaligen Steckbriefen als „psychopathisch“ bezeichnet worden war.

Gibt es einen terroristischen Hintergrund?

Die Terrormiliz IS reklamierte über ihr Sprachrohr „Amak“ die Tat am Montag für sich. Der Schütze sei ein „Soldat“ des Islamischen Staates gewesen, hieß es. Beweise für diese Behauptung gibt es allerdings nicht. Den Ermittler zufolge hatte der mutmaßliche Täter keine Verbindungen zu extremistischen Gruppen.

Auch in seiner Wohnung fand die Polizei nichts Verdächtiges. Eine Razzia habe keine Auffälligkeiten in dieser Hinsicht ergeben, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei. In der Wohnung, in der der 64-jährige Paddock gewohnt habe, seien mehrere Waffen gefunden worden, sonst aber keine Hinweise auf die Vorbereitung einer Straftat.

Las Vegas-Attentat: FBI sieht keine Verbindung des Täters zum IS
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Was wissen wir über seine Begleiterin?

Die Polizei hat eine Frau gefunden, die in Verbindung zum mutmaßlichen Täter stehen soll. Sie soll sich mit ihm im Hotelzimmer aufgehalten haben. Die Frau war zuvor als Marilou Danley identifiziert worden.

Auf Twitter hatten die Ermittler ein Foto der Frau veröffentlicht. Sie bezeichneten Danley aber nicht als mögliche Komplizin, sondern teilten lediglich mit, sie solle befragt werden. Sie sei eine „Person von Interesse“.

Sind Deutsche betroffen?

Das Auswärtige Amt konnte am Montagvormittag noch keine Auskunft darüber geben, ob unter den Opfern deutsche Staatsbürger sind. „Unsere Kolleginnen und Kollegen der Botschaft Washington sind in engem Kontakt mit den US-Behörden und versuchen, Informationen zu sichern“, hieß es.

Warum ist die Opferzahl so hoch?

Einem Experten der US-Bundespolizei FBI zufolge wurden so viele Menschen getötet, weil der Angreifer aus einer erhöhten Position heraus schoss.

Da Tausende Menschen auf engem Raum zusammengestanden hätten, „musste er nur auf die Mitte zielen und den Abzug drücken“, sagte James Gagliano, FBI-Agent im Ruhestand, dem Sender CNN.

Zudem habe die Position des Schützen Verwirrung und Panik in der Menschenmenge verursacht. Wenn ein Schütze aus einer erhöhten Position schieße, „weiß niemand, wo die Schüsse herkommen“, sagte Gagliano. „Menschen sind nicht darauf trainiert, nach oben zu gucken.“

Das berichten Zeugen:

Eine Zeugin sagte auf CNN, die Schüsse hätten einfach nicht aufgehört. „Alle riefen ‘rennt, rennt so schnell ihr könnt’.“

Ein Zeuge sprach von Hunderten Schüssen. Der 53-Jährige erklärte, er habe sich schützend auf seine erwachsenen Kinder gelegt. Auf dem Rücken seines T-Shirts zeugten Fußspuren davon, dass Menschen in Panik über ihn hinweggetrampelt waren. Videoaufnahmen zeigten, wie die Menschenmenge floh, während weiter Schüsse zu hören waren.

Viele Menschen hätten blutüberströmt am Boden gelegen, sagte ein junger Mann dem Sender CNN. Die Konzertbesucherin Cari Copeland Pearson sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir krochen über Tote.“ Sie habe viele Schüsse gehört, vermutlich aus einem automatischen Gewehr.

Ein weiterer Augenzeuge sagte CNN: „Menschen begannen, wie Fliegen zu fallen“. Viele hätten sich zu Boden geworfen, um sich vor den Schüssen in Sicherheit zu bringen. (jha/dpa/rtr)