Berlin/Dubai

Erster Roboter-Polizist im Einsatz

In Dubai unterstützt ein Robocop die Beamten – bis 2030 sollen die Maschinen eine ganze Wache ersetzen

Berlin/Dubai.  Reem ist 1,70 Meter hoch, wiegt zwei Zentner und sein Beruf ist: Polizist. Er arbeitet 24 Stunden am Tag, ohne seine Überstunden bezahlt zu bekommen, aber nur solange er genug Strom hat. Reem ist ein Roboter, der zwar von Weitem zumindest menschenähnliche Umrisse hat. Aber je näher man kommt, desto stärker fällt die Ähnlichkeit zur Maschine auf: Reem hat Räder statt Beine, ein mundloses Gesicht wie der Helm von Iron Man, und auf Höhe der Brust hängt ein Bildschirm, eine Art Touchscreen, über den er mit seinem Gegenüber kommuniziert. Doch die wohl wichtigste Arbeit kann er noch nicht: auf Streife gehen.

„Der Android ist vielmehr ein Servicemitarbeiter“, sagt Maxime Banon, einer der Entwickler. „Man muss den Begriff des Polizisten schon etwas erweitern, damit der Roboter auch darunter fällt.“ Die Maschine könne niemanden festnehmen oder jemanden in Not retten. „Aber sie kann die Kommunikation mit der Polizei durchaus erleichtern“, sagt Banon. Der Roboter soll zunächst in Einkaufszentren und an Touristen-Attraktionen in Dubai eingesetzt werden. Per Touchscreen können Passanten zum Beispiel Strafzettel bezahlen oder Verbrechen melden. Die Kommandozentrale kann live am Bildschirm verfolgen, was Reem gerade sieht.

Es sei erst der Anfang. „Wir wollen die komplette Polizei smart machen“, sagt Khalid Nasser Al-Razouqi, Chef des Automatisierungsprogramms der Polizei von Dubai, gegenüber „Gulf News“. „2030 werden wir die erste smarte Wachstube haben, die keine menschlichen Angestellten mehr benötigen wird.“

Dafür bekommt schon diese frühe Version von Reem eine künstliche Intelligenz verpasst, die auch möglichst schnell von den Nutzern lernen soll: Welche Fragen werden häufig gestellt, welche Form der Anzeige wird häufig aufgegeben, wo unterbrechen die Hilfesuchenden das Gespräch. So wollen die Hersteller verhindern, dass der Roboter einen Satz häufig sagt. Der Satz von Apples Siri ist ja schon längst legendär: „Das habe ich leider nicht verstanden.“

Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine ist in der Tat häufig von Enttäuschungen geprägt, weil sie eben doch noch lange nicht an die Science-Fiction-Vorstellung heranreichen. Ob als niedlicher Zeichentrick-Roboter aus dem Hause Disney „Wall-E“, als verständnisvoller Junge („AI“) oder als sexy Stimme, die einen Mann um den Verstand flirten kann („Her“) – die Film-Roboter sind allesamt Lichtjahre von dem entfernt, was Reem bisher vermag. Und manchmal kann die Vermenschlichung der Maschine, indem man ihr ein Gesicht verleiht, auch das Gegenteil hervorbringen.

So ist es zumindest in der Lutherstadt Wittenberg passiert. Dort hatte der Medienkünstler Alexander Wiedekind-Klein aus Cochem einen Roboter entworfen – mit Metallkopf samt beweglichen Augenbrauen – der ebenfalls einen Touchscreen auf der Brust trägt.

„BlessU-2“ hieß die Maschine und sollte auf Befehl die Arme heben und einen Segen aussprechen und auf einem Zettelchen auch ausdrucken. Es war zunächst gedacht als zeitkritisches Kunstobjekt, wurde aber von der Weltpresse als „erster digitaler Pfarrer“ missverstanden und machte weltweit Nachrichten-Karriere. Die hessen-nassauischen Landeskirche hatte viel damit zu tun, die wütenden Angriffe abzuwehren. Kirchensprecher Volker Rahn musste zugeben: „Im Internet gibt es nicht die Diskussion, die wir uns gewünscht hätten.“

Dabei gibt es durchaus ein Potenzial, weil Roboter viele schwere oder eintönige Arbeiten besser erledigen als Menschen. So wird derzeit vor allem in der Pflege und im Krankenhaus viel mit Robotern experimentiert.

Nadine Müller von Verdi sagt, dass die ideologischen Kämpfe sich da seit Jahren verschoben haben. „Es gibt durchaus positive Effekte, wenn einige Arbeiten von Robotern erledigt werden können“. Sie meint zum Beispiel das Verabreichen von Medikamenten. „Aber die Frage der Akzeptanz ist gerade in der Pflege noch ein Problem.“

Japan will elektronischen Krankenpfleger einsetzen

Japan ist dabei, einen elektronischen Krankenpfleger zu entwickeln, der den Arzt bei der Visite begleitet und automatisch Patientenakten hochlädt. In Japan hätten Menschen viel weniger Berührungsängste mit Robotern. In Deutschland sei das schwieriger. „Gerade im täglichen Kontakt ist ein Mensch da häufig unersetzbar.“ Es gebe also parallel zum Roboter-Trend auch eine Gegenbewegung, dass die menschliche Komponente mehr wertgeschätzt werde.

Deshalb hat Maxime Banon darauf geachtet, dass Reem nicht zu menschenähnlich wird. „Unser Ziel war, dass er ganz klar als Roboter zu erkennen ist“, sagt er, „es bleibt eine Maschine und gerade als Polizist sollte es so neutral wie möglich wahrgenommen werden.“ Doch mit der Zeit, sagt Banon, wenn sich die Menschen erst einmal an Roboter gewöhnt haben, könnte sich das ändern – und Reem könnte ein Gesicht bekommen.

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