Sabotageverdacht

Vor G20-Gipfel – Brandanschläge auf Bahn bremsen Zugverkehr

Im Ruhrgebiet, in Berlin, Hamburg und Sachsen behindern Kabelbrände den Zugverkehr. Die Polizei geht von gezielten Anschlägen aus.

In mehreren Regionen bundesweit sorgen am Montag Kabelbrände für Probleme bei der Bahn.

In mehreren Regionen bundesweit sorgen am Montag Kabelbrände für Probleme bei der Bahn.

Foto: Silas Stein / dpa

Berlin/Essen/Hamburg.  Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg sind an zahlreichen Bahnstrecken in ganz Deutschland Brandanschläge verübt worden. Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass die Täter dem extremistischen Spektrum angehören könnten.

Im Internet tauchte ein Bekennerschreiben auf, in dem eine linke Gruppierung die Verantwortung übernimmt. Darin wird ausdrücklich Bezug genommen auf den Hamburger Gipfel. Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins "Raster". Allerdings sei es noch zu früh zu sagen, ob dies tatsächlich authentisch sei. Im Vorfeld des G20-Gipfels hatten Linksextremisten wiederholt Aktionen und Anschläge angekündigt. Am 7. und 8. Juli treffen sich Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU.

Nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei haben die Vorfälle möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel. Eine politische Motivation könne nicht ausgeschlossen werden und sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen, teilte das OAZ mit.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, es sei noch zu früh für Aussagen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Angriffen und dem G20-Gipfel gebe. Die Kabelbrände gingen auf unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zurück. Die Ermittlungen dazu liefen unter Hochdruck. "Wir beobachten das natürlich sehr aufmerksam, aber um solche Zusammenhänge belastbar zu bestätigen, ist es zu früh", hieß es.

Bundesweit 13 verschiedene Anschläge

Ein Berliner Polizeisprecher erklärte, in der Nacht zum Montag habe es nach einem ersten Überblick insgesamt 13 mutmaßliche Anschläge in mehreren Bundesländern gegeben. Teils gab es erhebliche Probleme für Reisende. Kabelbrände sorgten am Montagmorgen für teil erhebliche Probleme im Bahnverkehr. Der Staatsschutz ist eingeschaltet. Der Überblick:

• NRW: Zwischen Bochum und Dortmund in NRW müssen Reisende am Montag mit Zugverspätungen rechnen. Der Grund ist ein Brand in einem Kabelschacht entlang der Bahnstrecke in Dortmund, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Montagmorgen. Nach ersten Erkenntnissen der Beamten hatten Unbekannte in der Nacht die Kabel vermutlich mit Brandbeschleuniger angezündet. Bei dem Feuer seien unter anderem Signalkabel beschädigt worden.

• Hamburg: Nach zwei Bränden an Zuggleisen in Hamburg prüft der Staatsschutz, ob es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt. In der Nacht zum Montag hätten im Stadtteil Eidelstedt und im Bereich Höltigbaum Kabel neben den Gleisen gebrannt, erklärte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte, der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Lübeck sei zwischen Rahlstedt und Ahrensburg unterbrochen. Sie sprach von Vandalismus. Taten habe es auch in Bad Bevensen und in Bremen gegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover.

• Sachsen: Nach mehreren Kabelbränden an Bahnstrecken in Sachsen haben Extremismusexperten der Polizei die Ermittlungen übernommen. Das Operative Abwehrzentrum der Polizei sei eingeschaltet, teilte die Bundespolizei in Pirna am Montag über Twitter mit. Das OAZ ist eine für die Aufklärung extremistischer Straftaten zuständige Polizeieinheit. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gab es Probleme im Zugverkehr.

Nach bisherigen Erkenntnissen wurden an vier Stellen Kabelschächte angezündet und die Signalanlagen beschädigt, darunter in den Leipziger Stadtteilen Mockau und Engelsdorf. Hinweise auf den oder die Täter gab es noch nicht. Die Kabelbrände hatten am Montag zu erheblichen Behinderungen im Zugverkehr in der Region geführt. "In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Zudem sei mit einem Hubschrauber aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden.

• Berlin: Ein Kabelbrand legte auch den Berliner S-Bahnhof Treptower Park weitgehend lahm. Im Berufsverkehr am Montagmorgen kam es zu erheblichen Einschränkungen. Betroffen waren mehrere Linien, wie die S-Bahn auf ihrer Internetseite mitteilte. Wie es zu dem Brand kam, war am Morgen noch unklar. Das Landeskriminalamt prüfe, ob Vorsatz oder technischer Defekt vorliegt, twitterte die Polizei. "Das Ergebnis sollte man abwarten", betonte ein Polizeisprecher. (dpa)

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